OP und Impfung

Der Ausblick fasziniert mich immer noch täglich. Hier kann ich den Kindern nachschauen auf dem Weg zum Bus. Mittlerweile sind die Bäume schon so grün, dass ich nur noch ihre Schatten sehe. Wenn die Sonne scheint. Trotzdem ein schönes Ritual, dass mich an meine Kindheit erinnert. Meine Mutter hat meinem Vater auch immer nach gewunken. Oder sie wollte sicher gehen, dass er weg ist, wer weiß?

Das Projekt Entfernung Gallstein ist am 02.06. zu Mittag erledigt und ehrlich gesagt hätte ich mit dieser Schnelligkeit nun doch nicht gerechnet. ich war in der Chirurgie eines kleinen überschaubare n Ordensspitals, weil ich mich nicht in eine der Bettenburgen legen wollte. Da ich den Stein 2013 schon einmal (halbherzig) los werden wollte und damals vom Chirurgen angeblafft wurde, habe ich wieder mit Widerstand gerechnet. Aber anscheinend sind die 3 cm nun ausreichend und ich bekam einen Termin zur Terminvereinbarung . Der Chirurg super freundlich und super jung fragt mich, ob ich schon am 2.6. könnte, sie hätten da eine Lücke. Ich höre in den Medien derzeit, dass nun alle wegen Corona verschobenen Eingriffe nachgeholt werden und dachte mit viel Glück geht sich das im Herbst aus. Geistesgegenwärtig habe ich zugeschlagen und der Termin ist günstig, weil die Kinder ab 3.6. 4 Tage frei haben und ich so weniger fehle. Heute habe ich die OP Freigabe erhalten: 2,5 Stunden warten für 5 Minuten Gespräch, naja. Ich habe es geschafft 1,5 Jahre Pandemie ohne Nasenabstrich hinter mich zu bringen, heute war dann Prämiere. Hat aber nur kurz gekitzelt. Aufgrund der vielen Termine die letzten Wochen war ich allerdings ohnehin nahezu durchgängig PCR getestet. Wien gurgelt ist da ein großartiges Konzept!

Überhaupt befinde ich mich derzeit in den Gesundheitswochen, es ist mir tatsächlich gelungen einen Impftermin zu ergattern. In einer schlaflosen Nacht letzte Woche, habe ich wie so oft das Impfportal geöffnet und siehe da: die Risikopatienten waren wieder einmal frei geschaltet. Endlich einmal macht mein Übergewicht irgendwie Sinn und am 16.06. erhalte ich meinen ersten Stich. Ich habe mich noch nie so sehr auf eine Impfung gefreut. Ich habe einfach einen heiden Respekt vor dieser Krankheit. Termin beim Orthopäden wegen des Knies ist ebenfalls vereinbart. Da muss Rebecca mit, weil sie laut Schularzt Einlagen braucht. Sie hat heute ihre erste Brille abgeholt. Glücklicherweise war sie sehr begeistert von einer Fassung, deren Kosten die Krankenkassa übernimmt.

Den Mai haben wir in der Steiermark ausklingen lassen, das Wetter bescheiden, wie schon diesen ganzen Frühling. Es hätte aber auch noch öfter regnen können. Nach 9 Monaten wieder einmal ein Wochenende bei diesen lieben Menschen. B. hat mir nach meiner Kündigung in großer Not geholfen, das werde ich nie vergessen. Ich genieße unsere Gespräche immer sehr, ihr Leben erscheint mir aufregender als so manches Buch. Beinahe hätte ich die Zeit zum Heimfahren übersehen. Wäre vielleicht besser gewesen, den Raphael der Zeit seines Lebens das Auto fahren nicht verträgt hat das leider zum ersten Mal eindringlich gezeigt. Zum Glück waren wir in der Nähe einer Raststätte, kurz mal Auto putzen, frische Luft tanken, die Kinder beruhigen und weiter fahren. Da ich B‘s Auto erst am nächsten Tag in ihre Garage stellen musste, gab es zuhause noch eine extra Reinigung.

Ich sollte wohl zum Ende kommen, sonst liest das am Ende kein Mensch mehr. Aber so ist das, wenn man sich schlaflose Nächte verkürzt. Außerdem neige ich ohnehin zum schwafeln, meine Tochter sagt schon oft:“ Mama, bitte nur eine kurze Erklärung“ Apropos Rebecca: die kleine Maus ist 11 geworden. Es ist so unglaublich, langsam wird sie immer weiblicher, es ist faszinierend.

08/15

Im Zuge einer Dokumentation nach dem Tod von Hugo Portisch bin ich auf dieses Buch gestoßen. Zur Einweihung der verlängerten Büchereijahreskarte habe ich es mir am 1. Tag der Öffnung nach dem Ostlockdown in Wien geholt. 1954 erschienen, superkleine Schrift, 1 Million Seiten, 100 Kilo schwer. Kurz war ich unsicher, ob das was wird mit uns. Aber der neuen Lesebrille sei Dank geht es gut voran. Das Buch fesselt mich, obwohl mich der militärische Alltag in einer Kaserne im Jahr 1938 bisher nicht wirklich interessiert hat. Es ist ein gutes Gefühl mich seit den mächtigen Turbulenzen im Vorjahr wieder einmal in einem Buch zu verlieren. 08/15 war von klein auf eine gängige Redewendung für mich, dass dies eigentlich eine Bezeichnung für ein Maschinengewehr ist, war mir neu.

Am 2.05. wurde der Osterlockdown, der in den Ostlockdown überging in Wien und Niederösterreich beendet. Das Burgenland hat früher geöffnet. Rebecca geht seit 2 Wochen im Schichtbetrieb zur Schule, Raphael seit 3 oder 4 Wochen (ich habe den Überblick verloren) jeden Tag. Vorarlberg hat seit zig Wochen allerhand inkl. Gastro offen, ich schwöre, ich kenne mich nicht mehr aus. Ist auch egal, ich gehe sowieso nirgendwo besonders hin. Seit Wien gurgelt teste ich regelmäßig, super unkompliziert, super schnell, bisher immer negativ. In Tirol sind über ein Jahr nach Ischgl nun doch 2 Politiker zurück getreten. Es gibt einen neuen Skandal, aber hier wird im Wochentakt irgendwas bekannt, man stumpft ab mit der Zeit. Hätte ich nicht gedacht, ich habe mich immer schon für das politische Geschehen interessiert, aber diese Zeit hinterlässt auch in diesem Sinn spuren. Als letzte Woche die 9. (!) Frau in diesem Jahr umgebracht wurde, wurde eilig ein Sicherheitsgipfel einberufen. Da werden dann Dinge besprochen, die es längst geben sollte, es ist schwierig.

Mir ist eingefallen, dass ich in meiner Kindheit eine Frau kannte, die am Tag der Scheidung vom Ex umgebracht wurde. An sie habe ich schon lange nicht mehr gedacht. Offensichtlich bin ich aufgrund der Arbeitslosigkeit geistig unterfordert, denn an R., der heuer so plötzlich verstorben ist, denke ich auch immer wieder.

Ich hatte einen Termin, sogar Face to Face in einer Organisation, die mit dem AMS zusammen arbeitet und Wege finden soll, dass Menschen wieder einen Job finden. Ich habe meine Idee der Umschulung vorgetragen und die Dame war Feuer und Flamme. Wenigstens hat sie nicht gleich Nein gesagt, wir werden beim nächsten Termin (telefonisch) die erforderlichen Schritte erörtern. Ich bin vorsichtig optimistisch.

Am Montag war ich endlich bei der Hausärztin und habe die Überweisungen für Ultraschall Galle und Leiste bekommen. Das Knie muss der Orthopäde anschauen. Sie hat mir auch eine Bescheinigung für Risiko wegen der Corona Impfung ausgestellt. Zu meinem Kommentar, dass sich das Übergewicht jetzt 1x im Leben auszahlt, hat sie (selbst gut gebaut) gegrinst. Sehr aufgeregt habe ich sofort meine Anmeldung beim Impfservice korrigiert, aber natürlich keinen Impftermin erhalten,…. Ich werde verständigt,….

Heute war ich also beim Ultraschall und auf dem Weg dorthin ist mir eingefallen, dass ich bereits 2 Einladungen zur Mammographie verfallen lassen habe. Es wäre also sinnvoll, wenn ich schon in so ein Institut fahre auch das gleich zu erledigen. Siehe da, die E Card war auch tatsächlich frei geschalten und konnte das erledigt werden. Die Brust ist ok, es liegt kein Leistenbruch vor (weitere Abklärung beim Orthopäden) und der Gallstein hat den Arzt entzückt, na bumm, der ist groß. Mittlerweile habe ich im Befund gesehen, dass er 3,2 cm groß ist und da meine Hausärztin die Überweisung in eine chirurgische Ambulanz gleich geschrieben hat, ist das der nächste Weg. Vorher wird wieder gegurgelt,….

15.04.2021

Wir haben die Zeit vor der Schlechtwetterperiode genutzt und die Gegend erkundet. Weil allerdings die Ankündigung: Kinder, wir gehen spazieren nur semi erfreulich ist, haben wir ein Fotoshooting im Grünen gemacht. Der japanische Garten hier steht in Vollblüte, was leider gefühlt allen Wienern gefallen hat, der Park nebenan war weniger gut besucht. Ausserdem haben wir nun alle Fahrräder hier und schon den Donaukanalradweg erkundet.

Die Osterruhe wurde verlängert bis 2.5. und ist nun also ein Ostlockdown. Gilt aber nur in Wien und Niederösterreich, das Burgenland fühlt sich bereits auf dem besten Weg und beendet die Sperre am Montag. Erste böse Stimmen ersuchen, dass die burgenländischen Intensivpatienten in Wien nachhause geschickt werden. Die Polizei wird jede Menge zu kontrollieren haben, wenn die konsumwütigen Wiener und Niederösterreicher das Burgenland stürmen. Ich bin mit Burgenländer Witzen aufgewachsen, mir dämmert langsam warum.

Die Schulen sind wieder ein ganz eigenes Kapitel für sich. Wir befinden uns in der 2. distance learning Woche nach den Osterferien. Also nur die Tochter, der Sohn geht seit Montag wieder zur Schule, weil Abschlussklasse. Die Tochter lernt nächste Woche auch noch digital zuhause, außer am 21.04., weil das ist BIO Test! Dieser Biologie Test in der 1. Klasse Gym ist existenziell, daher wird die 1b am kommenden Mittwoch in die Schule zum Test kommen. An diesem Tag findet bis 13 Uhr der online Mathe Unterricht statt. Meine Frage, wie die Tochter bis 13:05 Uhr zum Bio Test in der Schule erscheinen soll, wenn Mathe zuhause 5 Minuten vorher endet, wird noch geklärt.

Der Gesundheitsminister ist aus gesundheitlichen Gründen zurück getreten. Wie in unserem schönen Land bei Rücktritten und Todesfällen üblich, wurde er nach dem Ende seiner Abschiedsrede mit Lobes- und Danksagungen verabschiedet. Dabei habe ich das Gefühl, dass ein Großteil seiner Überlastung an der fehlenden Unterstützung in letzter Zeit lag. Schade, er war einer der wenigen Regierungsmitglieder, die ich wirklich mochte.

Ich bin in den letzten Tagen sehr traurig, kann aber nicht konkret sagen, warum. Dazu kommt ein Druck im Magen, eine gewisse Müdigkeit gepaart mit Unruhe. Irgendwie fühlt sich körperlich und seelisch alles bäh an zur Zeit.

4. lockdown bzw. Osterruhe

Die Osterruhe wurde in Deutschland ausgerufen und am nächsten Tag widerrufen, das war dann der Tag an dem diese für Wien vorgeschlagen wurde. Da nun Wien, Niederösterreich und das Burgenland direkt vom 3. lockdown in den 4. gerutscht sind, nennen wir das auch Osterruhe in der Ostregion. Geplant war dies für die Osterfeiertage, der Wiener Bürgermeister hat die Osterruhe aber gleich verlängert, Niederösterreich und das Burgenland haben 3 Tage darüber nachgedacht und nun auch verlängert. Nein, das ist kein Aprilscherz, das ist tatsächlich so passiert. Seit heute ist also der Handel wieder geschlossen, homeoffice dringend empfohlen und es gilt eine strenge Ausgangssperre mit diversen Ausnahmen. An stark frequentierten Plätzen in Wien gilt auch im Freien eine Maskenpflicht.

Notwendig wurde das aufgrund der starken Auslastung der Krankenhäuser. Glaubt man den einschlägigen Berichten sind sämtliche nicht lebensnotwendigen Operationen in Wien gestrichen. Ich weiß nur aus Berichten von Betroffenen, dass es kaum noch möglich ist ein Spital zwecks Besuch zu betreten, ohne negativen Test sowieso nicht. Die Mutter meiner Freundin, 86 Jahre alt, wurde mit einem Bruch in ein Unfallkrankenhaus eingeliefert, die Arztinformation erfolgte am nächsten Tag auf der Straße, weil meine Freundin nicht am Portier vorbei gekommen ist. Alles in allem kommt mir die derzeitige Situation bei weitem schlimmer vor als letztes Jahr um die Zeit. Kaum daran zu denken, wie das nächstes Jahr wird, wenn die Mutationen die Impfungen wirkungsloser machen.

Politisch gibt es nahezu täglich irgendwelche absurde Meldungen, welcher Regierungspolitiker welche Falschaussage in welchem Zusammenhang gemacht hat. Es ist nicht mehr lustig. Unser Bundeskanzler hat sich auch nicht sehr beliebt gemacht, in letzter Zeit. Man sollte glauben, die Zeiten sind schlimm genug, naja. Hugo Portisch ist heute gestorben, der Mann hat mit seinen Erklärungen viel dazu beigetragen, dass ich mich für Politik überhaupt erst zu interessieren begonnen habe. Daraus resultierten viele Diskussionen mit meinem Vater. Eine herausragende Persönlichkeit.

Persönlich gibt es wenig zu berichten. Wir waren beim Hautarzt zur Kontrolle. Rebecca hat bereits ihre erste Akne, sie wird wohl bald auch ihre Tage bekommen. Das arme Ding. Ich sehne von Monat zu Monat das Ende herbei. Aber Monat für Monat kommen die Tage, fast auf die Minute pünktlich. Ich war beim Augenarzt und Optiker und habe nun endlich wieder den Durchblick. Allerdings auf 2 Brillen verteilt. Hier hat das Alter in Form einer Lesebrille bereits zugeschlagen. Zur Hausärztin muss ich noch, ich habe Schmerzen seit der Schlepperei, die leider nicht besser werden. Dabei graut mir vor Arztbesuchen, in diesen Zeiten noch mehr als sonst.

Wir haben Wasser in der Küche! Ich kann also kochen, obwohl der Zustand nicht als fertig bezeichnet werden kann. Egal, ich bin generell genügsam. Wir genießen die Osterferien und das schöne Wetter.

1 Jahr Pandemie

Seit Wochen wird in den Medien der Jahrestag der Pandemie beschrieben. Für mich war das einerseits der 13.03.2020 die Pressekonferenz, wo quasi alles begann und andererseits der 16.03.2020, der erste Tag im kompletten Lockdown und mein Beginn der täglichen Aufzeichnungen hier. Ein Jahr später habe ich es an keinem der beiden Tage geschafft aktuell zu schreiben. Ich bin oft so ausgelaugt und müde, dass ich keinen geraden Satz raus bringe, geschweige denn einen ganzen Text.

Ich sitze also nach dem 1. Corona Jahr in meiner neuen Wohnung und frage mich immer noch, wie ich allein die Übersiedlung überhaupt geschafft habe. Natürlich kann ich mich an diese Tage der kompletten Erschöpfung erinnern und gewisse Schmerzen habe ich immer noch. Aber es erscheint mir wie ein Wunder, dass es wirklich funktioniert hat. Dass sich, wie so oft, eins ins andere gefügt hat. Ich habe immer noch kein Wasser in der Küche, aber zumindest der Herd funktioniert schon. Die Kinder gehen, coronabedingt mehr oder weniger regelmäßig, zur Schule. Sie haben ihre Schularbeiten geschrieben, wir haben mitten im Chaos dafür gelernt. Ich habe den Keller schon 2x umgeräumt, nächste Woche werden wir die Fahrräder holen. Es fühlt sich noch nicht nach Alltag an, aber das liegt auch an dieser ganz speziellen Zeit.

Ich war am Friedhof (Foto) und habe der Tochter meines Ex geholfen die Blumen zu entfernen. Die Urnenbestattung war eine gute Idee, er liegt jetzt seinen Eltern zu Füßen. Wir haben kurz geplaudert, sie kämpft mit ihren Gefühlen. Sie redet gern mit mir, ich bin die letzte, die ihren Vater genauso gut kannte, wie sie selbst. Es ist ein komisches Gefühl dieses Grab zu besuchen, wo ich dabei war, als seine Eltern begraben wurden. Wo ich bei der Pflege mitgeholfen habe soviele Jahre. Er hatte ein Ritual: bevor er ins Ausland geflogen ist, hat er seine Großmutter besucht. Ich war oft mit ihm da.

Ich habe einen Floh im Ohr betreffend meine berufliche Zukunft. Es gibt den Beruf des Freizeitpädagogen. Man wird zur Betreuung der Kinder im Hort (am Nachmittag nach der Schule) ausgebildet. Die Ausbildung dauert 2 Semester und wird angeblich vom AMS gefördert, besonders für 50+ Menschen. Da ich meine komplette Schulzeit Lehrerin werden wollte, würde sich hier zum Schluss der Kreis schließen. Noch ist es nur so eine Idee, aber darüber nachzudenken gefällt mir.

Der Frühling hat mit Minusgraden und Schneefall begonnen. Das nervt gewaltig, aber die Tage werden länger und bald wird es auch wieder wärmer. In den ersten 4 Wochen hier am neuen Standort habe ich schon unzählige schöne Sonnenaufgänge gesehen. Der Blick aus dem Fenster fesselt mich immer noch. Derzeit gibt es Gleisbauarbeiten zu sehen und zu hören, aber es stört mich einfach gar nicht. Ich höre keine Menschenmassen, quietschende Autos oder Motorräder, wie am Mexikoplatz und das ist wunderbar!

Eingewöhnung

Langsam nimmt die Wohnung Form an. Auch nach 2 Wochen habe ich mich nicht an diesen grandiosen Ausblick gewöhnt. Aus dem Fenster zu schauen ist zu jeder Tages- und Nachtzeit genial. Gerade in kleinen Wohnungen schaut man gern aus dem Fenster. Wenn man dann statt einer Hausfront in die Ferne schaut, kann das was! Wir sprechen mittlerweile die Ansagen der U4 mit 😎

Ich war bei Ikea, weil ich dringend Möbel für die Küche brauchte. Nur das Notwendigste um den Herd und die Spüle anzuschließen. Wir mussten in die SCS, nur dort waren die Teile lagernd. Ich war erschüttert, wie es dort zuging! Vor Ikea eine Schlange von über 100 Leuten, die nachher drinnen Probe sitzen oder liegen und herum schlendern. Das mag ich schon ohne Pandemie nicht. Meine Begleitung habe ich draußen gelassen, er war noch nie im größten Einkaufszentrum weit und breit. Er hat nachher erzählt, dass es viele Schlangen gab, z.B. vor Zara. Nach 30 Jahren in Hamburg wollte er ein Matjesbrötchen kaufen, hat aber wegen der Menschentrauben bei Nordsee aufgegeben. Interessant auch, dass bei Ikea mit Securitys Menschen gezählt und gestoppt werden, im Bauhaus aber nicht. Dort habe ich dann 2 Arbeitsplatten erstanden. Zum Glück habe ich jetzt ohnehin kein Geld mehr um mich irgendwo anstellen zu können.

Die Kinder haben sich schnell eingewöhnt! Sie schlafen viel besser und ich habe das Gefühl, dass sie sich wohl fühlen, trotz dem Chaos hier. Wir haben nebenbei für Geotest und Englisch SA (Rebecca) und Mathe SA (Raphael) gelernt. Auch das hat gut geklappt. Der Ausblick auf den Bahnhof beim Lernen lässt mich viel ruhiger sein. Sie haben schon Freunde besucht von hier aus, der Weg ist halt länger. Rebecca ist zum 1. Mal mit Umsteigen U Bahn gefahren und auch das funktioniert tadellos. Der große Innenhof mit Spielplatz wurde auch schon eingeweiht. Rebecca hat mich auf allen Einkäufen begleitet und kennt jetzt alle Supermärkte hier, nicht unpraktisch.

Am Mittwoch habe ich mir eine Auszeit gegönnt. Ich war den ganzen Tag bei meiner Freundin. Wir saßen eingewickelt in Schaffell und Decken in der Sonne und haben gequatscht. Es ist unfassbar wichtig solche Momente zu haben und abends war ich ausnahmsweise nicht total erschöpft, sondern angenehm müde. Ich schaffe es mittlerweile 6 Stunden am Stück zu schlafen. Auch das ist extrem angenehm!

Jetzt wird die Küche aufgebaut, nächste Woche muss ich den Keller umräumen und praktikabel schlichten. Und zum Augenarzt. Vielleicht noch zum praktischen Arzt wegen Knie und Gallsteinen.

Zimmer mit Aussicht

Der neue Ausblick ist grandios und in dem derzeitigen Chaos meine Meditation schlechthin. Dieser Bahnhof ist mein Aquarium, wo andere Leute stundenlang Fischen beim schwimmen zuschauen können, beruhigt mich der Blick aus dem Fenster jeden Tag mehrmals. Der Lärm der Züge, ich höre sogar die Durchsage am Gleis, oder der Busse stört mich auch kein bisschen. Dafür fahren kaum Autos und Menschen sind auch selten zu hören. Gerade die letzten Tage, wo ich noch am Mexikoplatz mit all seinem Trubel die Reste eingesammelt habe, habe ich den Unterschied überdeutlich erlebt. Dieser freie Blick, ich sehe auch den Donauturm, ist nach Jahren inmitten von Häuserschluchten sehr angenehm.

Der 2. sehr große Pluspunkt ist das überdimensionale Kellerabteil. Ich habe die Wohnung ja erst vor einer Woche das erste Mal gesehen und gleich gewusst, dass der Keller mich retten wird. Da die Wohnung sehr klein ist, werde ich selbst, wenn hier alles geordnet ist, viel Alltagskram im Keller haben. Da ist es hilfreich, dass dort außerordentlich viel Platz ist und dass es halbwegs trocken ist da unten.

Am 20.02. um 09:00 Uhr ist der Übersiedler gekommen. Zu 3. wurden erstmal die großen Teile eingeladen, schnell war klar, dass 2 Mal gefahren werden muss. Zum Glück habe ich eine Pauschale vereinbart. Der Vater der Kinder kann sich wieder einmal wenig bewegen, zum Glück war ein Freund zur Stelle, der beim Abbau der Möbel geholfen hat. Er hat auch die Kinder von Samstag bis Dienstag übernommen. Seine Tochter und Rebecca kennen sich aus dem Kindergarten. Der Mann meiner Tante hat mir dann die nächsten beiden Tage geholfen restlichen Kleinkram zu holen. Der Weg ist mit dem Auto in ca. 15 Minuten zu schaffen, auch ein großer Vorteil. Am Mittwoch war dann das Begräbnis, quasi Ruhetag und am Donnerstag habe ich die Schlüssel übergeben. Da ich nur Untermieter war müssen jetzt noch Einbaumöbel entfernt werden.

Körperlich war ich in diesen Tagen an meiner absoluten Belastungsgrenze. Mein rechtes Knie schmerzt mittlerweile auch in Ruhestellung, eigentlich gibt es keinen Körperteil, der nicht weh tut. Vor lauter Stress hat die Regelblutung nach 3 Tagen aufgehört. Psychisch bin ich ebenfalls am Limit. Tagelang hatte ich das Gefühl, dass ich diese Übersiedlung nicht schaffe. Die körperliche Anstrengung über mehrere Tage ohne Schlaf und Essen hat mich völlig ausgelaugt. Letzte Nacht habe ich das erste Mal nach Wochen 6 Stunden am Stück geschlafen. Eigentlich sitze ich da und kann immer noch nicht glauben, dass ich es geschafft habe!

Hier fehlt die Küche, derzeit bringen die Mikrowelle oder der Essensbote warmes Essen. Nächste Woche werde ich Unterschränke für den Herd und die Spüle holen, dann kann der Mann im Haus beginnen die Küche zu basteln. Der Kühlschrank wurde am Übersiedlungstag geliefert. Die Technik hatte er schnell im Griff, die Tochter hat schon den ersten distance learning Freitag hinter sich. Ich habe heute meine AMS Bewerbungen erledigt. Den Job habe ich nicht bekommen. Wenn ich bedenke, dass dort morgen mein erster Arbeitstag gewesen wäre, ist das auch gut so. Der Sohn hat als Volksschüler jeden Tag Schule und ist schon 3 Tage mit dem Bus den langen Weg gefahren. Es ist ok, die Station ist direkt vor dem Haus, aber der Weg ist jetzt sehr lang. Einmal ist er morgens eingeschlafen.

Es ist noch viel zu tun und bis wir hier alleine wohnen und die Tochter ihr eigenes Zimmer hat, wird es noch dauern. Vorerst bin ich froh, dass ich den Umzug überstanden habe. Und kann es andererseits auch nicht fassen, dass mir dieser Kraftakt gelungen ist.

Umzug

Noch der Ausblick beim Einschlafen

Jetzt wird es langsam ernst, in einer Woche um diese Zeit haben wir schon die erste Nacht in der neuen Wohnung verbracht. Am Donnerstag ist Mietvertragstermin und Schlüsselübergabe. Dann fahre ich direkt hin und schaue mir erstmals selbst alles an. Quasi blind gemietet, aber es musste sein. Inzwischen packe ich die letzten Schachteln und frage mich, wo ich alles dort unterbringen soll. Ist eigentlich das erste Mal, dass ich in eine komplett leere Wohnung übersiedle. Achja und in die Wanne muss ich noch einmal, gibt es zukünftig auch nicht mehr.

Ich hatte dieses Vorstellungsgespräch per Teams und gleich 2 Tage später war ich 2 Stunden schnuppern dort. Nettes Team, der Job klingt interessant, aber generell bin ich eher zurückhaltend eingestellt. Angeblich erfahre ich morgen, ob ich den Job bekomme.

Morgen ist die Schuleinschreibung vom Sohn und vorhin hat er mir gestanden, dass er aufgeregt ist. Ich bin guter Dinge, dass er das Gespräch souverän schaffen wird, mit Erwachsenen kann er einfach wirklich gut.

Die Tochter von R. hat mir Fotos und ein altes Tagebuch gebracht, sie räumt die Wohnung. Das Begräbnis wird am 24.02. stattfinden, ich kenne den Friedhof, war da schon auf der Beisetzung seiner Eltern. Die ersten Tage waren komisch, mittlerweile ist dieses Ereignis gesickert.

Nebenbei geht politisch in Österreich die Post ab. Ausreisen aus Tirol in die Nachbarbundesländer ist derzeit ebenso beschwerlich, wie in das Ausland reisen. Mit entsprechenden Ausnahmen. 1 Jahr nach Ischgl ist dort eine gefährliche Virusvariante am stärksten verbreitet. Tirol und Wien hatten entsprechende politische Auseinandersetzungen, naja und Bayern zieht jetzt auch die Rückschlüsse. Währenddessen wird jedes Wochenende in Wien gegen die Auflagen zur Pandemiebekämpfung in Wien demonstriert. Die meisten Demonstrationen sind allerdings verboten und werden daher von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet. Das klingt komisch, ist es auch.

Einige ÖVP Minister der Bundesregierung stehen im Dauerfeuer der Kritik, eine Dame ist neulich zurück getreten, weil mit ihrem Titel was nicht passt. Böse Zungen behaupten, dass es besser wäre, wenn andere gehen würden. Trauriger Höhepunkt diese Woche eine Hausdurchsuchung oder Nachschau, genau habe ich das nicht verstanden, beim amtierenden Finanzminister. Man könnte meinen, dass man mitten in einer Pandemie und weltweiten Wirtschaftskrise anderes zu tun hat, als jeden Tag neue Dementis medienwirksam zu verlautbaren. Ich nenne keine Namen und Anschuldigungen, denn Alle, die falsche Behauptungen verbreiten werden geklagt,…

Denen, die Valentinstag feiern, wünsche ich viel Spaß! Denen, die nicht in Feierlaune sind, wünsche ich viel Kraft! Und bleibt gesund!

05.02.2021, 05:55 Uhr

wird auf der Sterbeurkunde von R. stehen. Er hat es geschafft und obwohl ich ihn am Dienstag noch 2 Stunden gesehen habe, ist es kaum zu glauben. Auf dem Bild bin ich unglaublich jung und verliebt, es zeigt viel besser als jedes Wort wieviel er mir bedeutet hat.

Wieder habe ich mit seiner Tochter gesprochen, seine Cousine wird sie in den nächsten Tagen bei den Behördenwegen unterstützen. Sie hat mir erzählt, dass sie mich als Teil der Familie betrachten, da ich ja lange Zeit mit ihm zusammen war. Auch deren Mutter habe ich im Pflegeheim öfter besucht, wenn sie im Ausland war. Es ist gigantisch wieviele kleine Erinnerungen in den letzten Tagen wieder präsent sind. Ist doch die Zeit, wo obiges Bild entstanden ist, tatsächlich ein komplett anderes Leben gewesen.

Da ich vor meinen Kindern nichts fern halte, schon gar nicht, wenn wir wochenlang aufeinander kleben, haben sie mitbekommen, dass mein Ex im Sterben lag. Raphael hat sich erstmal schlau gemacht, was mit so einem Verstorbenen passiert und welche Arten der Beerdigung es gibt. Auf meine Frage, ob das nicht zu heftig ist, meinte er, dass das doch interessant ist zu wissen. Wir haben uns die letzten Wochen lockdownmäßig nur in der nächsten Umgebung aufgehalten, aber zum Thema passend, waren wir am Mittwoch am Zentralfriedhof. Dieses Gelände ist mehr als nur sehenswert, die Kinder waren schon öfter mit dem Vater dort und wir haben 2 Stunden dort verbracht und nur einen Bruchteil gesehen. Das wahrlich schöne war aber, dass wir einen wunderbaren älteren Herren getroffen haben, der uns dann eine gute Stunde begleitet hat. Mit unzähligen Anekdoten über den Ort, prominente Verstorbene und vieles mehr. Jetzt weiß ich, dass es der zweitgrößte Friedhof in Europa ist, nur in Hamburg gibt es einen größeren. Dass aber bei weitem die meisten Verstorbenen dort liegen, mit über 3 Millionen. Dass die Fläche größer ist als der 1. Bezirk. Selbst die Kinder waren nicht gelangweilt. Es war eine wundervolle Begegnung, die noch lange nachklingen wird. Er war übrigens rüstige 86, R. wurde nur 68.

Vieles geht mir in diesen Tagen durch den Kopf, aber besonders bemerkenswert finde ich, dass R. gedanklich so klar war. Meine Freundin meint, dass Sterbende meist eher älter sind und dadurch von Haus aus verwirrter. Trotzdem ist es für mich nicht greifbar. Er weiß welcher Tag ist, fummelt an seinem Handy herum, flirtet auf seine ihm eigene Art mit den Krankenschwestern, aber seine Leber war nur noch ein einziges Krebsgeschwür, wie der Arzt heute festgestellt hat.

Und mein Leben ist trotz des abrupten Stillstandes der Arbeitslosigkeit in Verbindung mit diversen lockdowns so unglaublich turbulent, dass mein Hirn gar nicht mitkommt. Auf dem Weg zum Krankenhaus am Dienstag hat mich die Personalabteilung der Erste Bank angerufen, weil ich mich dort für das Immobilienmanagement beworben habe. Jetzt habe ich am Montag mein erstes Vorstellungsgespräch per Zoom. Aber ich habe mich dort nur beworben, weil das AMS das vorschreibt, ich bin sicher unqualifiziert, allein denen ihre freiwilligen Gehaltsvorstellungen sprengen meine Vorstellungskraft. Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass sie mich anrufen!

Gestern hatte ich dann ein anderes Vorstellungsgespräch, ich wurde quasi empfohlen, die genauen Umstände meiner Kündigung sind bekannt. Trotzdem kann ich den Job haben, wenn der Inhaber den Zuschlag für die 30 neuen Häuser bekommt.

Aber eigentlich würde ich gern mal die Schlüssel für die neue Wohnung haben, damit wir übersiedeln können. Damit dieser Brocken einmal erledigt ist. Dann wollte ich mich liebevoll um meine Gallsteine kümmern. Wenn das erledigt ist, sollte für den Vater der Kinder eine kleine Wohnung gefunden werden, damit hier auch endlich mal klar Schiff ist. Mal sehen, wie es weiter geht, langweilig wird mir aber eher nicht. Jetzt hat sich ja auch noch ein Begräbnis rein geschummelt.

Der Abschied

Nachdem ich gestern noch draußen auf seine Tochter gewartet habe, war es heute soweit. Ich habe mittags erfahren, dass er innere Blutungen hat und mir einen Besuchstermin für 15 Uhr ausgemacht. Die Tatsache, dass ich als Ex überhaupt rein darf und als 2. Besuch am heutigen Tag (die Tochter war am Vormittag) zeigt die Dringlichkeit. Wegen Corona darf man das Krankenhaus als Besucher nur mit Termin betreten. Beinahe hätten sie mich am Eingang nicht rein gelassen. Herr W. hatte heute schon Besuch! Aber ich kann hartnäckig sein.

Aufgrund der Epilepsie meines Bruders kenne ich das AKH ganz gut, aber es ist immer wieder beeindruckend dieses riesige Krankenhaus zu erleben. Allerdings für mich nicht im positiven Sinn. In heutigen Zeiten mit Massen von Menschen in Masken auch nicht gerade besser. Endlich betrete ich das Zimmer. Ein Einzelraum, ein Überwachungszimmer, im 21. Stock, der Ausblick ist gewaltig. Wir haben uns vor 3 Jahren das letzte Mal gesehen, mit den kurzen weißen Haaren kennt er mich nicht gleich. Guter Gesprächsanfang: hab mir eh gedacht, dass du mich nicht mehr kennst!

Er hat eine Sauerstoffmaske, anfangs verstehe ich ihn kaum, ich stehe also erstmal eine Stunde neben ihm, den Kopf nach vor gebeugt. Die meiste Zeit redet er. Ich bin überrascht, dass er so klar ist in seinen Gedanken. Sein Kopfpolster ist voller Haare, seine Arme sind blau, die Haut weiß-grau, die Augen stark offen. Die meiste Zeit redet er, er freut sich offensichtlich, dass ich da bin. Es gelingt mir mehrmals ihn zum Lachen zu bringen. Ein paar Mal weint er, es gelingt mir nicht zu weinen. Nach einer Stunde kommt eine sehr freundliche Pflegerin und fragt, ob er was braucht. Er möchte aufrecht sitzen, quer im Bett. Sie meint, das geht heute nicht, er hat viel Blut verloren, da geht der Kreislauf flöten. Er besteht darauf wegen der Lungenentzündung, er darf nicht nur liegen. Er setzt sich durch und darf 15 Minuten sitzen. Ich massiere in der Zeit seinen Rücken, er hat Druckstellen vom Leintuch. Ich bin froh endlich was tun zu können und sage ihm, er soll sich entspannen und mal nichts reden, ist eh das sitzen anstrengend genug.

Er fragt, ob ich eh dann noch bleibe. Ich gebe mir innerlich bis 17 Uhr Zeit. Später werde ich gefragt, wie man sich zum letzten Mal verabschiedet. Ich weiß es nicht mehr. Knapp 40 Minuten später wusste ich nur noch, dass ich in der Tür noch gewunken habe und dass er mir nachgeschaut hat. Meine Knie sind weich, wie Pudding, mir ist flau im Magen. Endlich wieder an der Luft, rufe ich seine Tochter an. Gestern hatten wir ein langes persönliches Gespräch. Ich bin froh, dass ich da war! Ich wünsche ihm, dass er in Frieden gehen kann!