Herausforderungen

Schon lange habe ich keinen fast durchgängigen Regenbogen mehr gesehen. Da sind wir schon bei der ersten Herausforderung: das Wetter! Jahreszeitenbedingt macht es, was es will und spielt mehrmals am Tag alle Stückeln. Das gewinnt massiv an Bedeutung, wenn du vor dem Mittagessen mit den Kiga Kindern in den Garten gehen willst und bang die Wolken studierst. Diese Woche hatten wir im Hort Glück. Das ganze Haus (Kiga und Kleinkinder) waren schon draußen ab 14 Uhr. Wir beginnen da aber erst mit der Hausaufgabenstunde. 20 Minuten später ging die Welt unter, Starkregen, Blitz, Donner und Alle mussten wieder rein, während wir uns das trara gleich erspart haben.

Der Job an sich ist auch sehr fordernd. Es ist so krass anders, als alles, was ich die letzten 30 Jahre gemacht habe. Und trotzdem auch so unendlich befriedigend. Ich war jetzt schon 2x morgens eine gute halbe Stunde ganz allein mit den ganz Kleinen. Mittlerweile kennen mich die meisten Kinder im Haus und es läuft ganz gut. Ansonsten bin ich vormittags bei den 3-6 Jährigen und ab und zu habe ich jetzt schon kleine Arbeitsaufträge mit ihnen gemacht. Am wohlsten fühle ich mich aber im Hort bei den 6–10 Jährigen, es war einfach die richtige Entscheidung. Keine im Haus möchte mit mir tauschen, aber für mich passt es! Auch mein australischer Kollege ist top, wir ergänzen uns richtig gut. Beim Abholen von der Schule hat mich heute eine Lehrerin angesprochen, ob ich die Sylvia bin. Weil N. so viel von mir redet, nur positiv, ich sei die Beste der letzten 2 Jahre. N. Ist in der 4. Klasse, hat ständig die Klappe offen, hinterfragt alles (aber mit guten Argumenten) und ist trotzdem eher liebenswert, als unangenehm dabei. So ein Kompliment von einer 10 Jährigen macht echt große Freude. Diese Woche kann ich auch erstmals sagen, dass das Knie deutlich belastbarer ist und ich hoffe wirklich das bleibt so.

Mein Endgegner sind definitiv die Finanzen. Die Mindestsicherung wurde die letzten beiden Monate wieder jeweils um 600 Euro zu wenig überwiesen. Das Spielchen spielen wir jetzt zum 3. Mal. Das AMS meldet den Kindsvater ab, die MA40 reduziert die Überweisung, wir melden wieder an, die MA40 zahlt nach. Üblicherweise dauert das 6 Wochen, jetzt sind sieben Wochen um und mir fehlen immer noch 1.200 Euro. Jetzt wird das Amt gänzlich verwirrt sein, weil ich wieder ein Einkommen habe. Aber der größte Ärger ist grad das Finanzamt. Vor ein paar Wochen bekomme ich eine Einladung zu einer ärztlichen Untersuchung für den Sohn. Es soll geprüft werden, ob sein Autismus noch vorhanden ist und die erhöhte Kinderbeihilfe somit gerechtfertigt ist, oder nicht. Der Termin war 3 Tage nach meiner OP und ich hätte ihn besucht, wenn nicht gerade an dem Tag beide Kinder Antigen positiv gewesen wären. Ich habe den Arzt schriftlich und mündlich informiert. Auch die Behörde, die den Termin ausgeschrieben hat. Alles kein Problem, sie bekommen einen neuen Termin, das dauert halt. Heute wurde die Kinderbeihilfe für die Tochter überwiesen, für den Sohn nicht. Es wurde nicht die Differenz zur Erhöhung gestrichen, sondern sein komplettes Kindergeld, als ob er nicht mehr existieren würde! Jetzt fehlen mir zusätzlich 300 Euro, was besonders bitter ist, weil die Kinder im Mai und Juni Geburtstag haben. Ich bin es gewohnt am untersten Limit zu leben, aber diese Steine, die ständig noch zusätzlich im Weg stehen, machen die Sache langsam ziemlich trostlos.

Der neue Job

Wie geplant habe ich meinen neuen Job am 11.04. begonnen. Jetzt werde ich oft gefragt, wie es ist und ich finde keine Worte. Es ist so grundlegend anders als alles was ich die letzten 30 Jahre gemacht habe. Es ist überwältigend, fordernd und anstrengend. Und es ist wunderbar. Vormittags helfe ich im Kindergarten aus. Ab 12 beginnt die Arbeit im Hort mit dem Abholen der ersten Schulkinder. Da Einige allein in den Hort gehen, muss auch hier Jemand anwesend sein. Mein Kollege und ich wechseln uns also ab. Das Haus ist bilingual geführt, mein Kollege ist Australier und spricht ausschließlich Englisch. Die Verständigung klappt gut, außer, wenn ich aufgeregt bin. Dann fehlen mir die Worte, aber er spricht dann für mich weiter und hat bisher immer erraten, was ich meine.

Da die erste Woche Osterferien waren, habe ich den ganzen Tag im Kiga verbracht. Allerdings haben wir auch den Hort durch geputzt und uns ausgetauscht. Die Chefin meinte, der „soft“ Start könnte nicht schaden und da der Personalmangel unerträglich ist, sollte ich so rasch, wie möglich anfangen. Und so kam es, dass ich bereits am 3. Tag die erste halbe Stunde komplett allein in der Gruppe war. Nicht jedes Kiga Kind findet es cool früh morgens von einer Fremden begrüßt zu werden. Mittlerweile kennen mich die Kids und fordern sogar, dass ich bleiben soll, wenn ich in den Hort muss. Und bei den Kleinkindern habe ich sogar einen Fan. Er hat mich ein einziges Mal im Frühdienst gesehen, zwischen 7 und 8, dann bin ich mit den Kiga Kindern gegangen. Er war so angetan, dass seine Mutter mich 3 Tage später gefragt hat, ob ich die Frau Sylvia bin, weil B. so viel von mir erzählt.

Diese Woche habe ich meine Hort Kinder wieder gesehen. Ich habe von Vielen gehört, dass sie sich auf mich gefreut haben. M. sagt, dass das die beste Hortwoche seit langem war und selbst die Chefin hat gemeint, dass es schon ewig nicht mehr so ruhig war im Hort. Ich kann das natürlich nicht beurteilen und eine gewisse Unruhe gibt es immer bei 22 Kindern in einem Raum. Aber ich freue mich natürlich. Für mich ist alles so neu, als komplett Quereinsteigerin sowieso. Ich habe 2x mit der gesamten Gruppe gearbeitet (Gruppenangebot), nächste Woche werde ich einmal die gesamte Gruppe und 1x die Viertklässler versammeln. In 9 Wochen beginnen die Ferien und 7 Kinder verlassen uns.

Körperlich ist es grenzwertig, die kleinen Sessel im Kiga sind suboptimal für das Knie, die Stufen in den ersten Stock auch nur semi. Oft krieche ich um 16 Uhr nachhause. Aber noch habe ich keine Schmerzmittel genommen ( painkiller finde ich übrigens sehr genial), nur darüber nach gedacht. Ich hoffe, dass das im Lauf der Zeit besser wird.

Arthroskopie

Am 25.3. hatte ich also die OP am linken Knie. Die Tage vorher habe ich hin gezittert, dass nicht abgesagt wird wegen Personalknappheit. Am Tag davor den PCR Test gemacht in der großen Hoffnung negativ zu sein. Mit 2 Schulkindern weiß man es ja nicht. Schlussendlich am Freitag um 11 Uhr nüchtern eingecheckt. Speising ist das orthopädische Krankenhaus in Wien und im Laufe eines Lebens als Wienerin hört man so einiges von dort. Ich kann sagen, dass ich die 23 Stunden dort sehr gut aufgehoben war. Direkt nach der Aufnahme wurde ich in ein eigenes Vorbereitungszimmer gebracht, meine persönlichen Sachen musste ich in einer Box lagern, das kesse OP Hemd anziehen und dann könnte es bis zu 3 Stunden dauern, dass ich geholt werde. Kaum hatte die Schwester ausgesprochen wurde ich geholt. Vor dem OP Bereich habe ich dann eine halbe Stunde gewartet, war aber abgelenkt durch die Kälte dort. Mein Orthopäde ist zufällig Oberarzt in Speising und hat mir mehrmals gesagt, dass er mir nicht versprechen kann, mich persönlich zu operieren. Trotzdem stand er bei der Vorbereitung im grünen OP Style plötzlich vor mir und wir hatten einen unserer spannenden Dialoge.

„Sie wissen ja, dass das Knie komplett kaputt ist und die Arthroskopie nur der Schmerzlinderung dient. Ich werde mich aber sehr bemühen, dass wir das Knie solange wie möglich erhalten. Sind Sie nervös?“ „Ja, sicher! Und Sie?“ Er verneint grinsend und meint, wir sehen uns gleich im OP. Die Schwester schaut mich mit großen Augen an und sagt, dass sie so ein Gespräch auch noch nicht gehört hat, obwohl der Herr Doktor schon lange im Haus ist.

Immer wieder fasziniert mich die große Betriebsamkeit direkt im OP Saal. Kaum angekommen werden Geräte gecheckt, der linke Arm angebunden, ein Zugang gestochen, Fragen gestellt. In all der Action vergisst Herr Martín nicht, dass ich vom warten schon völlig durchgefroren war und bläst mir warme Luft in die gewärmte Decke. Man sollte nicht glauben wie angenehm solche Kleinigkeiten sind. Die Sekunden zwischen wach sein, schwindlig werden und weg sein, hasse ich am Meisten. Ich habe gern die Kontrolle über meinen Körper und Geist. Einer der Gründe warum ich keinen Alkohol trinke. Diese künstliche, traumlose Schwärze mag ich nicht. Sie haben mir eine Stunde genommen, mit der Zeitumstellung am Sonntag sogar zwei.

Kaum im Aufwachzimmer zu mir gekommen, wurde ich schon abgeholt. Kaum im Zimmer angekommen wurde mir Essen gebracht. Kaum mit dem Essen fertig kam die Physio mit den Krücken die ersten Schritte machen. Ich war ehrlich überrascht, dass ich keine Schmerzen hatte. Immerhin hat mir das Knie monatelang weh getan. Jetzt war es stabiler und nur gegen einen Widerstand zu treten war unangenehm. Das gibt sich mittlerweile auch immer mehr. Ich brauchte die Schmerzinfusion weder vom Tagdienst, noch vom Nachtdienst und wurde am nächsten Tag um 10 Uhr entlassen.

Ich bin sehr froh, dass alles so gut geklappt hat. Nächste Woche kommen die Nähte raus und am 11.04. beginne ich, wie geplant meinen neuen Job.

14 Tage Krieg in der Ukraine

Ich verstehe die historischen und globalen Zusammenhänge zu wenig, um die Lage beurteilen zu können. Aber ich verstehe, dass der Krieg 450 km von Wien entfernt ein Horror ist. Mir fehlen die Worte um die Gefühle zu beschreiben. Aber ich mache mir natürlich meine Gedanken. Als wären die Folgen der Pandemie nicht schon schlimm genug, reißt dieser Krieg jetzt die Wirtschaft noch einmal kräftig mit. Ich lese von all den Sanktionen gegen Russland, aber ich erfahre nirgends was es bedeutet dieses Land in den bankrott zu treiben. Abgesehen davon, dass am Meisten die russische Bevölkerung darunter leiden wird. Gott bewahre, man würde uns für unsere Regierung strafen! Und wir haben diese Menschen selbst gewählt. Aber wie sonst gegen diesen absurden Einmarsch vorgehen?

Ich höre überall wie geeint die EU nun vorgeht, dass wir nun endlich Alle an einem Strang ziehen. Ich glaube nicht daran, dass sich jetzt etwas geändert hat oder ändern wird. Für mich hat die Pandemie gezeigt, dass es keine Einigkeit gibt. Ich hoffe sehr, dass das gemeinsame Vorgehen des Westens dazu führt, dass dieser Krieg bald endet. Aber ich fürchte, dass wir erst am Anfang stehen. So, wie damals am Beginn der Pandemie. Ich fühle mich zurück katapultiert in meine Jugend, der kalte Krieg, der eiserne Vorhang, Tschernobyl, alles Dinge mit denen ich aufgewachsen bin.

Und zu all dem unsere Politiker, die alle paar Monate die Jobs wechseln, man kann sich ja schon die Namen nicht mehr merken. Unser Bundeskanzler, Herr Nehammer, der „eine Alternative zu den Menschenrechten“ suchte, als es um die Flüchtlinge in Moria ging. Und jetzt jeden Tag unsere Pflicht zur Nachbarschaftshilfe betont. Oder der Innenminister, der jeden Tag erwähnt, dass man heute nicht mit 2015 vergleichen kann, wo hauptsächlich Männer zu uns gekommen sind. Oder die Landwirtschaftsministerin, die im kurzen Kleidchen einem Scheich gegenüber sitzt. Weil wir jetzt Alternativen zum russischen Gas suchen müssen. Absurderweise beziehen wir 80 Prozent unseres Gasbedarfs aus Russland.

Seit 5.3. sind nahezu alle Corona Beschränkungen gefallen, außer in Wien. Unser Bürgermeister gibt noch (etwas) strengere Maßnahmen vor. Hurra, Corona besiegt. Oder so. Immerhin hatten wir die letzten beiden Tage knapp 50.000 Neuinfektionen. In der Praxis schaut das dann so aus, dass bei meiner Tochter gleichzeitig 5 Schüler:innen positiv sind. Diese und die Ungeimpften sind zuhause und können sich nach 5 Tagen frei testen. Die Anderen haben Regelunterricht inkl. Tests und Schularbeiten. Und 5 Tage lang täglich PCR Tests. Achja und nicht zu vergessen die Impflicht, die seit 01.02.2022 gültig war, aber erst ab 15.03. geprüft/gestraft werden sollte, wurde „ausgesetzt“. Jetzt wundern sich alle, dass wir bei derart hohen Infektionszahlen keine Impfpflicht brauchen. Im Juni, wenn sie dann (vielleicht) im Hinblick auf den Herbst wieder schlagend wird, werden sich auch wieder Alle wundern.

Auch bei mir gibts Neuigkeiten. Ich habe die OP Freigabe für 25.03., da wird die Arthroskopie durchgeführt. Am nächsten Tag darf ich wieder heim, der Arzt meinte, dass die ersten 3 Tage zach sind, dann gehts besser, nach 14 Tagen werden die Nähte gezogen. Das ist mit dem Krankenstand jetzt genauso getimt, weil am 11.04. beginne ich direkt meinen neuen Job in der neuen Branche. In dem Hort in dem ich mein Praktikum gemacht habe! Ich freue mich sehr darauf, zumal die Stelle nun doch schon am 01.03. frei wurde und sie auf mich wegen der OP gewartet haben. Da meine Vorgängerin 40 Stunden gearbeitet hat, muss ich sie voll ersetzen, d.h. bis die Hortkinder um kurz vor 12 geholt werden bzw. kommen, werde ich im Kindergarten mitarbeiten. Das wird alles in allem sehr spannend.

Happy New Year?

Fangen wir mit der guten Nachricht an: ich habe die Prüfung am 23.12. tatsächlich bestanden! Eigentlich kann ich es heute, genau eine Woche später, immer noch nicht glauben. Den Demotest 2 Tage vorher habe ich nicht geschafft, wenigstens konnte ich diese Erkenntnis zuhause in distance gewinnen. Multiple Choice und ich werden in diesem Leben einfach keine Freunde mehr. Wenn tatsächlich alle 4 Antwortmöglichkeiten richtig sind, werde ich immer nervös, weil das in meiner Vorstellung nicht richtig sein kann. Am Prüfungstag dann die Erkenntnis: ich bin einfach zu alt für so eine Action. Prüfungsangst begleitet mich seit meiner Schulzeit und wird auch mit 51 nicht besser, eher im Gegenteil. Direkt nachdem Drücken der enter Taste wirft der Computer das Ergebnis aus -> geschafft! Dann musste ich 2 Stunden auf das Zertifikat warten, mit Übelkeit im Magen und dezent wackeligen Knien. Witzigerweise frage ich mich seit die Erleichterung verdaut ist, welche 6 Fragen ich nun eigentlich falsch hatte.

Die schlechte Nachricht betrifft meine Mutter. Seit ihrem Herzinfarkt im August, erholt sie sich nicht. Vorher schon Jahrzehnte lang chronisch krank, geht es ihr jetzt immer schlechter. Sie hat direkt nach dem Infarkt im Krankenhaus besser ausgesehen als jetzt. Gestern war ich zu Besuch, es tut weh ihr beim Leiden zuzusehen. Ich habe bei weitem keine gute Beziehung zu ihr, aber sie ist meine Mutter. Mein Vater und mein Bruder pflegen sie, meine allergrößte Hochachtung! Ich weiß nicht, wie sie das schaffen. Beim Verabschieden sagt sie dann:“Wenn wir uns nicht mehr sehen,…“ ich habe das auf den Jahreswechsel bezogen, sie meinte es endgültiger. Das und ihre Worte dazu haben mich tief getroffen, wir haben uns weinend umarmt. Dieser Abschied lässt mich nicht mehr los.

YesWeCare

Zum ersten Mal habe ich erlebt, wie so eine Aktion entsteht. Auf Twitter hat ein Tiroler geschrieben, dass es schade ist, dass diese grässlichen Demonstrationen jeden Samstag die Wiener Innenstadt blockieren. Man müsste doch ein Zeichen dagegen setzen können. Daniel Landau hat das aufgegriffen und innerhalb einer Woche wurde die Kundgebung angemeldet, geplant und verbreitet. Gestern um 19 Uhr war es soweit: geschätzte 30.000 Personen haben sich am Ring getroffen und schweigend ein Licht gehalten. In Gedenken der weit über 13.000 Corona Toten und in Dankbarkeit dem v.a. medizinischen Personal gegenüber, welches seit knapp 2 Jahren mitten in dieser Krise steckt. Ich konnte nicht teilnehmen, aber ich habe das Licht am Balkon leuchten lassen. Nach 10 Minuten wurde der Ring für den Verkehr wieder frei gegeben und die Leute sind friedlich wieder heim gegangen.

Ich habe am Wochenende mit dem Sohn Mathe geübt für die Schularbeit morgen, mit der Tochter Gruselgeschichten geschrieben für die heutige Deutsch Schularbeit und nebenbei für meine Prüfung am 23.12. gelernt. Klingt üppig war es auch, gibt ja auch noch Haushalt und Kekse backen. Und den Christbaum haben wir auch besorgt, zum ersten Mal einen lebenden, der im Jänner auf den Balkon übersiedelt. Achja und die letzten 3 Praktikumswochen sind vorbei. Ich habe wieder eine sehr gute Bewertung bekommen, aber viel krasser ist, dass ich mich für einen Job bewerben darf, der ab 01.04.2022 frei wird. Wenn mein Zertifikat passt, möchte mich die Leiterin des Hauses haben. Mal sehen.

Der Orthopäde also eigentlich der Chirurg hat gemeint, dass das Knie nur mit einer OP stabilisiert werden kann, aber ich soll mir nicht zu viel erwarten, das hält nicht ewig. Irgendwann werde ich ein künstliches Knie brauchen. Ich wurde zur OP angemeldet und erhalte direkt eine Nachricht vom Krankenhaus. Mal sehen.

Der 4. lockdown ist vorbei (in Wien hatten wir noch die Osterruhe ist es eigentlich also der 5. gewesen), in Wien dürfen heute auch die Hotels und Restaurants wieder öffnen. Der ehemalige Innenminister, der einmal eine Alternative zu den Menschenrechten gesucht hat !, ist jetzt Bundeskanzler, der ehemalige Bundeskanzler ist nach 52 ! Tagen wieder Außenminister. Ob der Kurzzeit Außenminister wieder in seine Botschaft nach Paris zurück durfte, ist mir nicht bekannt. Der einzige, der offensichtlich gern im Amt war, der Unterrichtsminister wurde ebenfalls ausgetauscht, weil er aus dem falschen Bundesland kam. Die österreichische Innenpolitik ist nur noch zum Kopf schütteln. Viele rechnen mit Neuwahlen im Frühjahr. Mal sehen.

Der 3. Stich

Wenn ich bedenke wie sehr ich im Frühjahr gekämpft habe um den 1. Stich, ist es beinahe witzig, wie leicht es war den 3. Stich zu bekommen. Am 21.11. waren 4 Monate um, also habe ich langsam überlegt wo und wie anmelden für den Booster. Freitag gehe ich runter in die Trafik und falle praktisch über einen Impfbus, der vor der Haustür steht. Eine Stunde später war ich geboostert. Wie immer ohne irgendwelche Nebenerscheinungen. Außer, dass ich 9 Stunden durch geschlafen habe, was mir ewig nicht passiert ist. Durchaus nicht unangenehm.

Seit gestern bin ich wieder im Praktikum. Trotz lockdown, ich war schon überrascht, aber die Begründung war, dass sie mich ja schon kennen. Also kann ich auch wieder kommen, FFP2 müssen derzeit ohnehin Alle tragen und solange die Schulen nicht geschlossen sind, gibt es auch Hort Kinder. Langsam finde ich mich gut zurecht und die Kinder kennen mich mittlerweile. Sie freuen sich auch offensichtlich mich zu sehen. Auch die Kollegen sind super nett, das Haus ist schön, die Gegend mitten im Grünen toll. Ich habe super Glück mit diesem Ausbildungsplatz! Die vor 2 Wochen neu in den Kurs Gekommenen haben die gleichen Anfangsschwierigkeiten, wie wir damals. Organisatorisch ist die Firma eher schlecht aufgebaut. Ist aber auch klar, wenn die Aufträge nur von Fördergebern kommen, am freien Markt müssen sie nicht bestehen. Dazu kommt jetzt der lockdown, selbst die Kindergärtnerin:innen finden derzeit keinen Praktikumsplatz, weil Niemand Externe ins Haus holen will. Ich hatte letzte Woche meine letzte Theorieeinheit, im distance learning, eine schräge Erfahrung. Am 23.12. ist die Prüfung, noch bin ich nicht nervös.

Ansonsten steht Weihnachten vor der Tür. Das 2. Mal ohne Job, mit kaum Geld. Immerhin bin ich mittlerweile übersiedelt, ich weiß immer noch nicht, wie ich das eigentlich geschafft habe. Hatte ich letztes Jahr im Dezember gar kein Einkommen aufgrund der AMS Sperre, hat sich das mittlerweile eingespielt. Allerdings gibt es immer wieder unangenehme Überraschungen. So auch heute. Es hätte die Überweisung der MA40 kommen sollen. Reduziert auf 182 Euro, weil der Vater der Kinder einen Termin versäumt hat. Aber immerhin. Nur, es wurde eben nichts überwiesen. Ein Jammer! Ich habe jetzt 30 Euro bis Freitag, für 4 Personen, das ist eher sehr mühsam. Ich schätze mein E-Mail von vorhin wird bis Freitag zumindest gelesen,….

Lockdown 4

In 9 Minuten beginnt der 4. Lockdown in Österreich. Ich bin ziemlich sprachlos, ich muss gestehen, nachdem monatelang gesagt wurde, dass sich unsere Wirtschaft keinen weiteren lockdown leisten kann, habe ich echt nicht damit gerechnet. Als der Lockdown für Ungeimpfte ausgerufen wurde, habe ich noch gedacht: bringt zwar nichts, aber klar, man Geimpfte nicht mehr einsperren. Der Gedanke hielt nur 2 Wochen.

Am Besten ist die Lösung für die Schulen: der Bundeskanzler sagt, dass Eltern, wo immer möglich ihre Kinder zuhause lassen sollen. Der Bildungsminister sagt, dass Kinder gerne in die offenen Schulen kommen sollen, weil der Unterricht laut Stundenplan statt finden wird. Unsere Direktorin sagt, dass es kein distance learning oder Hybrid Unterricht geben wird und auch Schularbeiten und Tests, wie geplant statt finden werden. Also liebe Eltern, unter diesen Bedingungen gibt es auch keine weiteren Sonderbetreuungszeiten, aber wir wollten Euch halt selbst entscheiden lassen.

Ich habe mit den Kids gesprochen. Der Sohn hat am Freitag schon den Spind geräumt, ihm geht es halt zuhause viel besser, ich habe dafür Verständnis. Er bleibt erstmal die Woche zuhause und dann sehen wir, ob er zum Unterrichtsstoff kommt und wie das läuft. Die Tochter hat in den Hauptfächern schlechte Noten auf die Schularbeiten und möchte lieber zur Schule, weil sie da mehr mitbekommt. Soll sein.

Meine Umschulung dauert noch eine Woche, die nun im distance learning abgehalten wird. Dann wären 3 Wochen Praktikum. Mal sehen, ob der Hort überhaupt Kinder zur Betreuung hat und wenn ja, ob ich als Externe da überhaupt rein darf. Wenn nicht, kann ich zur Prüfung am 23.12. nicht antreten. Was das AMS dann davon hält, bin ich schon gespannt.

Für mein linkes Knie habe ich ein MRT gemacht. Es ist leider mehr kaputt, als gedacht. Die Arthrose ist bestätigt, aber es hat sich auch ein Ödem gebildet und der Meniskus ist vorne eingerissen und hinten abgerissen. Am 1.12. habe ich einen Termin für ein OP Gespräch. Mal sehen, wie das weiter geht.

Was war noch? Ich bin seit kurzem 51 und habe beschlossen, dass ich ab sofort 50+ bin, Zahlen sind ja nicht mehr so wichtig. Meine Kündigung hatte 1. Jahrestag und prompt hatte ich wieder ein paar Albträume zu dem Thema. Damit werde ich wohl leben müssen. Meine Mutter erholt sich nach dem Herzinfarkt nicht richtig, es ist bitter ihr Leid zu sehen. Ich versuche die ganze Zeit irgendwas positives zum Abschluss zu finden, aber leider fällt mir diesmal nichts ein. Wir sind seit 10 Minuten im Lockdown.

Aua

Vor ca. 3 Wochen hat mein linkes Knie wieder begonnen zu schmerzen. Ich war schon im August beim Orthopäden, da war es eher das rechte Knie. Festgestellt wurde, dass die rechte Kniescheibe verschoben und verformt ist. Ich habe eine Bandage und Einlagen verschrieben bekommen. Aber die Schmerzen waren schon damals besser und dann weg. Aber diesmal das andere Knie und um einiges schlimmer. Nach einer Woche konnte ich auf dem Weg ins Praktikum gar nicht mehr gehen. Im AKH dann die Diagnose Arthrose. Ich habe eine Tablettenkur für 8 Tage verschrieben bekommen, am Tag 4 bin ich ohne Krücke gegangen, am Tag 6 war ich schmerzfrei. 3 Tage nach dem Ende der Tabletten ging alles von vorn los. Jetzt nehme ich die Tabletten ein 2. Mal und humple bis zum MRT Termin am 23.10. durch die Gegend. An das Gefühl permanent Schmerzen zu haben, muss ich mich erst noch gewöhnen.

Dieser massive Rückschlag in meiner Beweglichkeit hat meine erste Praktikumszeit frühzeitig beendet. Ich habe diese 3 Wochen laut Stundenplan ohnehin nicht voll nutzen können, da ich in der ersten Woche noch gar keinen Platz hatte. War etwas schwierig innerhalb weniger Tage mitten zu Schulbeginn in Wien einen Platz zu finden. Aber es ist mir gelungen in einem wunderschönen Haus, in der Nähe meines Wohnorts vorstellig werden zu können. Es ist ein Kindergarten mit mehreren Gruppen und einer Hortgruppe. Mitten im Grünen, mit großem Garten. Das Haus wird bilingual geführt, das heißt ich habe ungewöhnlich viel Englisch gesprochen. Aber noch viel spannender war zu beobachten wie schnell und selbstverständlich die Kinder zwischen Deutsch und Englisch wechseln. Das definitiv schönste war allerdings, dass ich mich bereits am 3. Tag vollkommen angekommen gefühlt habe. Bereits bei der Ausbildung hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl: das ist genau das, was ich machen will. Die Inhalte sind super spannend und eigentlich habe ich immer das Gefühl, dass ich noch mehr wissen möchte. Sei es in Kommunikation, Pädagogik oder Entwicklungspsychologie. Das Praktikum stand bereits am 2. Tag auf wackeligen Beinen. Corona! Die durchgehenden Tests bei den Schülern haben sich natürlich bis in den Hort ausgewirkt. Die GF wollte nun mit einer Externen kein Risiko eingehen. Die Leiterin des Hauses hat sich aber, obwohl sie mich erst einen Tag kannte, sehr für mich eingesetzt. Ich durfte also geimpft, täglich PCR getestet und durchgehend FFP2 tragend, bleiben. Und ich darf alle 100 Praktikumsstunden dort verbringen. Die Kinder sind zwischen 6 und 10, wir haben gebastelt, Aufgabe gemacht, gespielt und viel Zeit im Garten verbracht. Am Ende habe ich eine sehr gute Bewertung bekommen und ich freue mich sehr auf meine weitere Praktikumszeit im November.

Nebenbei war also Schulbeginn, Raphaels Start in das Gymnasium. Erst am 1. Schultag war klar, dass er keine aus der Volksschule bekannten Gesichter in der Klasse haben wird. So war die erste Schulwoche etwas schwierig für ihn ohne vertraute Gesichter. Aber bereits in der 2. Schulwoche war seine Klasse in Quarantäne. Danach kam ein neuer Junge, der sich auch erst zurecht finden musste und die beiden verstehen sich gut. Außerdem hat Raphael 6 Stunden/Woche Assistenz vom Autismuszentrum Wien. Ich habe die beiden Damen bereits kennen gelernt. Sie haben bereits einen guten Draht zu ihm gefunden, was durchaus außergewöhnlich ist. Es wird Konflikte beim Sport geben, und die eher unruhigeren Fächer wie Werken und Musik werden eine Herausforderung. Dafür redet er in Englisch ausschließlich Englisch in perfekter Aussprache und in Bio sitzt er in der 1. Reihe, hochkonzentriert und permanent mitarbeitend. Der Start jedenfalls ist gut gelungen, auch, wenn er schon die Tage bis zu den Herbstferien gefragt hat.

Abschließend noch ein paar Worte zur österreichischen Innenpolitik. Es war mal wieder mega spannend die letzten Tage. Während ich diese Zeilen schreibe geht die Nachricht die Runde, dass es in der Inseratenaffäre zur ersten Festnahme kam. Wir hatten also den jüngsten Außenminister, den jüngsten Bundeskanzler und den jüngsten Altkanzler (dies übrigens schon zum 2. Mal) in einer Person. Der Rücktritt bzw. Rückschritt kam aufgrund Ereignissen zu einer Zeit, wo er noch gar nicht Kanzler war. Ich frage mich schaudernd, was so alles ging in der Zeit, wo er an der Macht war. Und jetzt? Wir steuern mit riesigen Schritten auf Neuwahlen zu. Halleluja!

Umschulung

Seit 23.8. besuche ich nun den Kurs zur Lern- und Freizeitpädagogin. Hier ist meine erste Workshopaufgabe zu sehen, wir sollten in Kommunikation ein Bewegungsspiel erfinden.

Es ist meine erste Ausbildung seit knapp 20 Jahren und krass anders als gewohnt. Am ersten Tag wurde der Stundenplan verteilt und gleich in der ersten Woche hatten wir einen Workshoptag eingeteilt an dem wir zuhause arbeiten sollten. Aber was, nach dem ersten Tag im Kurs? Unser Kurs bildet auch zur Kindergruppenbetreuung aus und da hier 25 Wochenstunden vorgesehen sind, waren diese Kolleg:innen beschäftigt. Letztlich sollten wir auch anwesend sein, aber dies nur auf Nachfrage. Bereits ab 6.9. ist ein Praktikum für 3 Wochen vorgesehen, welches wir selbst finden müssen, wie auch immer. Dann gibt es am Ende des Monats noch 2 Unterrichtstage. Alles wirkt etwas unzusammenhängend. Ein Wochenende ist für den 16 stündigen Erste-Hilfe-Kurs blockiert, aber 3 Tage später haben wir erfahren, dass dieser Termin noch nicht fixiert wurde. Mittlerweile wissen wir, dass er Ende Oktober statt finden wird.

Extrem störend ist, dass immer wieder zwischendurch die Tür aufgeht und entweder der Raum durchquert wird um im dahinter liegenden Abstellraum etwas zu holen. Oder gleich der Vortragende etwas gefragt wird. Das stört die Konzentration, aber vielleicht liegt das auch an meinem Alter. Ich muss ja nicht extra erwähnen, dass ich mit Abstand die älteste Kursteilnehmerin bin.

Die Vortragenden sind bisher Alle sehr nett und haben ihr Handwerk gelernt. Das ist die erste Ausbildung meines Lebens, die wirklich sehr praxisbezogen ist. Jede/r kommt aus der Branche und gibt zig Beispiele. Die Inhalte sind interessant, selbst, wenn man nicht später Kinder betreuen möchte. Naja und vieles ist mir dank meiner Lebenserfahrung klar. Die Prüfung am 23.12. wird ein Mulitple-Choice-Test sein und ich schätze, dass das machbar ist.

Ich habe also heute, nach unzähligen Bewerbungen in meiner alten Branche, die ich gezwungen war zu schreiben, erstmals eine Bewerbung mit Herzblut abgeschickt. Angeblich werden Praktikumsplätze rasch und gerne vergeben, weil Praktikant:innen gratis Arbeitskräfte sind. Außerdem beginnt am 6.9. die Schule wieder bei uns. Und eine 50 Jährige Praktikantin hatte sicher auch noch Niemand in seinem Team 🤣