Bürokratie sucks

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Es war mir klar, dass der Schulbeginn bei Raphael nicht so reibungslos ablaufen wird, wie bei seiner Schwester. Er war zum Schulstart ein Monat jünger und Buben sind ja sowieso anders als Mädchen. Umso mehr hat mich gefreut, dass er in einer Integrationsklasse gelandet ist, dass hier nur 18 Kinder von 2 Vollzeitlehrern betreut werden. Ich wusste er wird gut aufgebhoben sein. Bald kamen die ersten Nachrichten im Mitteilungsheft, die ersten Gespräche folgten, mit einem Smiley Heft wollten die Lehrerinnen ihn zu einem besseren Verhalten motivieren. Er fährt das volle Programm:

Verweigerung zur Mitarbeit, sitzt unter dem Tisch, geht aufs Klo und kommt nie wieder, verweigert die Aufgabe, etc.

Auf der anderen Seite konnte er ab der 2. Schulwoche lesen, 4 Wochen später sinnerfassend lesen, er rechnet im Zahlenkreis 100, zählt spaßhalber von 100 rückwärts, und die Lehrerinnen sagen, dass sein Wortschatz und sein Allgemeinwissen äußerst ausgeprägt ist für sein Alter.

Da sich sein Verhalten aber leider nicht gebessert hat, wurde eine Beratungslehrerin hinzugezogen. Sie hatte ihn 2x bei sich und hat nun empfohlen eine Entwicklungsdiagnose durchzuführen. Sie meint, dass der Zwiespalt zwischen seiner geistigen Kompetenz und seinen motorischen Schwächen dazu führt, dass er sich im Alltag der Schule so schwer tut. Sie meint auch ein Asperger Syndrom zu erkennen.

Ich habe also die mir genannte Telefonnummer angerufen und wurde vertröstet. Hier werden keine Termine mehr vergeben, aber bei Asperger, naja, ähm, ich solle in 2 Wochen wieder anrufen. Gesagt getan, wurde ich 2 Wochen später informiert, dass die Lage angespannt ist (auf Nachfrage wurde gesagt seit 2014!) und eben derzeit keine Termine vergeben werden. Eine Freundin mit 2 besonderen Kindern hat mir ein Institut empfohlen, wo sie mit ihren Mädels betreut wird. Dort wird mir gesagt, dass es einen Aufnahmestopp bis Sommer 2018 gibt und außerdem Kinder aus unserem Bezirk sowieso nicht genommen werden. Ich frage also bei dem gleichen Institut aber in einem anderen Bezirk nach, dort werde ich an die erste Stelle, die ich angerufen habe, verwiesen. Ich gebe zu, ich war dann schon grantig. Ich habe mich um die Diagnostik nicht bemüht, weil mir langweilig ist oder weil ich helikoptermuttermäßig Angst habe, dass mein Sohn hinten nach ist. Nein, mir wurde in der Schule dazu geraten. Und ich habe nun einmal nicht die Möglichkeit ein paar 100 Euro in die Hand zu nehmen und zu einem privaten Arzt zu gehen.

Wir sind nun beim Autismuszentrum Wien gelandet, dort hat man mir zum 1. Mal wirklich zugehört, ich hatte ein 20 minütiges Telefongespräch und fühlte mich einfach einmal ernst genommen. Wir sind zwar dort auch auf einer Warteliste (Wartezeit ca. 3 Monate), aber bis zum nächsten Schuljahr geht sich das aus. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie sich Eltern fühlen müssen, deren Kinder wirklich krank sind und die von einer Ecke in die andere geschickt werden.

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