Gespräch

Über eine Stunde dauerte das Gespräch zwischen der Beratungslehrerin/Schulpsychologin und mir im Beisein der Lehrerin. Die Arme, blutjung, hat das erste Mal eine eigene Klasse, ist in Raphaels I-Klasse die Sonderpädagogin und extrem bemüht. Aber je mehr ich erzählt habe, umso mehr ist sie im Sessel versunken. Komischerweise ging es in dem Gespräch sehr viel um mich bzw. eben die Situation zuhause. Die Psychologin, die meinen Sohn letztes Jahr ein paar Mal bei sich hatte und ein Asperger Syndrom vermutet, hat gesagt, dass Raphael außergewöhnlich begabt ist, er hat mehrere Begabungen (der IQ, den sie vermutet hat mich ziemlich schockiert) und sie ist schon sehr neugierig auf das Ergebnis der Entwicklungsdiagnostik. Es ist völlig normal bei solchen Kindern, dass sie motorische oder andere Defizite haben. Raphael kann die Autorität seiner Lehrerinnen nicht akzeptieren, er macht nicht was sie sagen (zumindest nicht ohne Protest) und argumentiert dabei wie ein Erwachsener. Sein soziales Verhalten ist nicht angepasst und dann hat er einen Vater zuhause, der ohne Regeln und Grenzen lebt. Eine ungünstige Konstellation. Mich sollte er auch nicht als Vorbild nehmen: ich arbeite 40 Stunden/Woche, ernähre die ganze Familie damit so recht und schlecht, geh einkaufen, mach den Haushalt und kümmere mich um die Kids. Sehr einseitig dieses „Zusammenleben“ und ob die Kinder wirklich verstehen was Eltern WG heißt ist fraglich. Auch für meine Tochter ist das nicht günstig zu sehen, dass der Mann im Haus eigentlich nur macht, was er will, wann er will.

Es wird also Zeit für Veränderung mit aller Konsequenz, der Weg dahin wird schwer und ich habe mich entschieden mir Hilfe zu holen. Also erstmal für mich, dass ich weiterhin stark sein kann, für mich und meine Kinder.

3 Kommentare zu „Gespräch“

  1. O je! Da hast du einiges vor dir. Aber für seine Kinder schafft man fast alles und dich schätze ich recht willensstark ein.
    Ich hab auch einen Jungen in der Klasse, der hochbegabt und kompliziert ist. Auch er bekommt mit vielen Lehrern Probleme, ist allerdings auch absichtlich gemein und brutal zu Mitschülerinnen, obwohl er aus einer gewöhnlichen Vater-Mutter-Kinder-Familie kommt. Das ist nicht alles. Aber eins stimmt schon. Diese Kinder brauchen Struktur und Zuverlässigkeit, das muss der Vater einsehen.
    Man kann auch von den Lehrern verlangen, dass sie auf besondere Veranlagungen eingehen. Ich nehme mir die Zeit und diskutiere, überzeuge mit logischen Argumenten und mich respektiert der Junge. Ich verstehe durchaus, dass er nichts machen kann, was ihm nicht einsichtig ist. Mein Schüler hat nun, weil ich leider nicht nur mit ihm diskutieren kann und es mit anderen Lehrern kaum klappt, außerdem noch andere Schüler verletzt, eine ständige Begleiterin, was ihm sichtlich gut tut und mehr Ruhe in die Klasse bringt. Er bekommt von mir auch oft spezielle Aufgaben, Sollen die anderen einen Aufsatz schreiben, darf er das Thema als Comic bearbeiten usw. oder vorarbeiten und der Klasse Dinge erklären. Das sind nur kleine Schritte, aber wenigstens Schritte.
    Übrigens hat er, als ich das erste Mal etwas von ihm wollte, das ihm nicht gefiel, geschrien: „Du bist gefeuert!“ Ich hab ihm sachlich erklärt: „Du kannst mich nicht feuern. Ich bin Beamtin auf Lebenszeit.“ Da kam nur noch: „Okey.“ Man darf sich nicht immer so angegriffen fühlen als Lehrer.
    Ich wünsch dir alles Gute.

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