Die Diagnose

Gestern um 14 Uhr hatte ich das Diagnose Gespräch im Autismus Zentrum Wien. Es dauerte 1,5 Stunden und irgendwie schwirrt mir seitdem der Kopf. Mein Sohn ist autistisch, es wurde das Asperger Syndrom diagnostiziert.

Autismus-Spektrum-Störung und Asperger Syndrom steht auf dem Befund, diese Diagnose wird meinen Sohn, da genetisch bedingt und nicht heilbar, nun für den Rest seines Lebens begleiten.

Die Psychologin hat sich große Mühe gegeben mir die Zusammenhänge zu erklären, weil ich es (immer noch) kaum glauben konnte. Sie sagt, dass es schwierig zu diagnostizieren war, weil Raphael im Einzelgespräch, noch dazu mit einem Erwachsenen, seine Defizite so gut verbirgt, dass es fast unauffällig ist. Augenschein ist hauptsächlich die gewählte Sprache, das unglaubliche Allgemeinwissen und dass er sehr viel redet. Erst im Gespräch mit den Lehrern sind dann typische Verhaltensmuster zu erkennen gewesen. Die zeigen sich aber zuhause nicht, daher war/ist das für mich nicht erkennbar.

Er wird nun in der Schule eine Assistenz bekommen und Ergotherapie. Ende November sind wir noch einmal im Autismus Zentrum, dann erklärt ihm die Psychologin was Sache ist.

Als ich vor 30 Jahren, blutjung, diesen ganz speziellen Film gesehen habe, hätte ich nicht gedacht, dass Autismus einmal eine Rolle spielen würde in meinem Leben!

5 Kommentare zu „Die Diagnose“

  1. Liebe tilak, wieder einigermaßen klar im Kopf habe ich deinen Beitrag gelesen. Mein mittlerer Sohn hat auch autistische Züge und ich habe schon vor Jahren zwei Fortbildungen am Asperger-Zentrum in Langen gemacht, weil ich erstens in der Schule schnell und richtig reagieren wollte und mich diese Wesensform stark interessiert. Denn das ist es, eine andere Wesensform, die auch positive Aspekte hat (z.B. absolute Ehrlichkeit, die auch schon mal wehtun kann), und keine Krankheit. Ändert natürlich nichts daran, dass es im Zusammenleben durch Fehlbewertungen auf beiden Seiten immer wieder zu Schwierigkeiten kommt. Das Wichtigste ist, Aspergern zu vermitteln, was die üblichen Menschen meinen, wenn sie etwas sagen (Ironie und Co.) und worauf sie negativ reagieren. Weiterhin wichtig, dass ihre Grenzen respektiert werden. Dafür wird, denke ich, die Assistenz sorgen.
    Die Diagnose bedeutet nicht, dass Raphael Erfolg im Leben versagt sein wird. Ich habe Professoren und eine Professorin mit Asperger kennengelernt und sie haben mich sehr beeindruckt. Leider denken viele Menschen, dass die fehlende Empathie bedeutet, dass Asperger keinen Kummer spüren. Man kann sie sehr verletzen, wenn man nicht aufpasst.
    Kennst du BigBang Theorie? Sieh es dir mal an. Sheldon liebe ich. Das könnte dir die Angst nehmen. Sehe gerade, dass du mir eine Email geschrieben hast. Dann mache ich an dieser Stelle Schluss und wechsle das Programm.

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    1. Ja klar kenne Sheldon und auch liebe ihn 😎 Raphael wird seinen Weg gehen, ich bin überzeugt davon und durch seine Hochbegabung ( zum Glück nicht zu stark, aber doch in einigen Bereichen) kann er tlw, sogar Ironie in bestimmten Situationen erkennen. Er kommentiert halt alles und jedes.

      Gefällt 2 Personen

  2. Liebe Tilak,
    Durch einen Beitrag von Caroline Caspar wurde ich auf deinen Beitrag aufmerksam gemacht und kann dir etwas aus meiner eigenen Erfahrung zu diesem Thema berichten. Ich arbeite an einer Ganztagsschule, an der seit etwas über einem Jahr auch ein Kind mit diagnostiziertem Autismus ist – mittlerweile 7 Jahre alt und auch seit Anbeginn begleitet durch eine Integrationshelferin. Das Team, was die Klasse durch den Tag begleitet (Klassenlehrerin, Sozialpädogogin und Ergänzungskraft) wurden im Vorfeld ganz intensiv auf den Umgang mit Autismus vorbereitet und auch die Kinder der Klasse wurden für die Thematik sensibilisiert.
    Für den Knirps war damals alles neu (Schule, Lehrer, Kinder, Räumlichkeiten,… ) bis auf die Integrationshelferin, die er bereits kannte.
    Und was soll ich sagen: ALLE haben sich mehr Sorgen und Gedanken über ihn und die eventuell schwierig werdende Situation gemacht als er. Er lebt zwar immer noch viel in seiner ‚eigenen Welt‘, kommt aber in der Schule für seine Verhältnisse gut zurecht und macht täglich Fortschritte! Sprich: Er öffnet sich, zeigt Reaktionen wie Freude und Interesse an neuen Dingen/Abläufen, was uns alle begeistert, denn anfangs brauchte er absolute Sicherheit was den Tagesablauf anbelangt. (Feste Rituale, alles nach Plan, …) und er lernt, mit seiner Situation umzugehen.
    By the way: Kennst du Vera F. Birkenbihl? Sie ist leider mittlerweile von uns gegangen, aber sie litt unter dem Asperger-Syndrom – und was soll ich sagen? Sie ging nicht nur ihren Weg, nein – sie war grandios!!!!

    Von daher Kopf hoch 🙂 Euer Weg wird zwar nicht einfach werden, aber er ist alles andere, als ausweglos!
    Liebe Grüße Bea

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    1. Ich kenne die Dame nicht und bin noch ganz am Anfang bei diesem Thema. Obwohl der Verdacht schon vor über einem halben Jahr geäußert wurde, habe ich nicht damit gerechnet – für mich ändert sich nicht viel, er hat zuhause so geringe Schwächen, das fällt mir jetzt auf, weil ich darauf achte. Es wird ihm zukünftig in der Schule leichter fallen, das ist das Wichtigste. Bei all den Problemen, die er im Unterricht immer hatte, geht er nämlich immer noch gern zur Schule. Und das sollte auch so bleiben! Danke für deine Infos und lieben Worte!

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