Freitagsgespräche

Im September hatte ich die Erkenntnis, dass ich mein Leben wieder einmal verändern muss. Das fiel mir schon früher schwer, aber jetzt wo ich auch die Verantwortung für die Kinder trage, war mir klar, ich hole mir Hilfe. Also habe ich mich bei einer Familientherapie angemeldet, 6 Monate gewartet (eilig, darf man es nicht haben in Wien, wenn man krank ist und mit Krankenkasse Hilfe sucht) und heute war ich das 3. Mal dort.

Ich war schon mal in Therapie, ich hab da keine Berührungsängste, damals hatte ich ein burnout, zu einer Zeit, wo es diesen Begriff noch nicht gab. Ich weiß bis heute nicht, was die Therapeutin gemacht hat, aber es geholfen. Jetzt spricht ein Mann mit mir, ist auch ok, er dürfte in meinem Alter sein, er hat eine angenehme Stimme und ist generell sehr ruhig. Er spielt mit seinem Ehering während ich über die räumliche Trennung vom Vater meiner Kinder und die Auswirkungen auf die Kinder, mit ihm spreche 😜

Beim Erstgespräch haben wir die Bezahlung abgeklärt, die Kosten werden zur Gänze übernommen, zum Glück sonst hätte ich keine Freitagsgespräche, trotzdem hatte ich das Gefühl, ich müsste in dieser ersten Stunde ALLES los werden, weil ich ihn nicht mehr sehe. Ich war regelrecht erleichtert, als wir am Ende einen neuen Termin vereinbart haben. Wie schon bei meiner ersten Therapie gehe ich sehr gern dort hin, es ist so angenehm mit einem völlig Außenstehenden zu sprechen, das Gefühl 1 Stunde lang geht es jetzt nur um mich und meine Gefühle, ich wusste gar nicht, dass mir das so gut tun würde.

Nebenbei entwickeln sich Strategien, Möglichkeiten diesen neuen Weg einzuschlagen ohne verbrannte Erde zu hinterlassen. Ich mache das, weil ich stark sein will, gefestigt, geerdet, wenn es emotional wird, möchte ich einen kühlen Kopf bewahren, mich nicht in einen Strudel von Vorwürfen ziehen lassen. Gleichzeitig weiß ich aber, dass ich den Schritt tun muss, von allein ändert sich hier nichts. Die Eltern WG hat gut funktioniert, v.a., wenn ich nichts gefordert habe und immer nur nicke und lächle, aber letztlich habe ich mein Ziel längst erreicht. Ich wollte, dass die Kinder eine Beziehung zu ihrem Vater aufbauen können. Das ist mir gelungen, was er jetzt daraus macht, kann nicht meine Verantwortung sein.

Werbung