Nur zu Zweit

Am 28.05. ist Rebecca mit ihrem Vater nach Deutschland geflogen um die Großeltern einmal live kennen zu lernen. Ich hatte also Exklusiv Zeit mit Raphael, zumal ab Mittwoch Mittag bis morgen frei. Der Dienstag war noch komisch, ich war nervös wegen dem Flug, aber abends konnte ich mich mittels Video Telefonie überzeugen, dass es ihr gut geht und ich wurde ruhiger. Am Feiertag war das Wetter noch richtig mies, also ab ins Kino. Am Freitag zu einer Freundin in den Garten mit Pool, gestern Roller fahren und heute durfte sein Freund zu uns. Jeden Abend gemeinsam einen Film geschaut, bereits Donnerstag Abend hat er gemeint:“Mama, nur zu 2. ist auch cool, viel weniger Stress.“

Das passt alles nicht zu dem Bild von ihm, dass die Beratungslehrerin am Mittwoch geschildert hat. Seit Ostern ist es ganz schlecht mit ihm, er eskaliert, wirft mit Lehrmittel, beschimpft die Lehrerin und verlässt unerlaubt die Schule. Schluck.

Sie würde sagen, dass er zusätzlich zum Asperger Syndrom an SSV leidet, unangemessenes soziales Verhalten, und eine Psychotherapie braucht. Schluck.

Das nächste Mal müsste die Polizei oder die Rettung geholt werden und in weiterer Folge das Jugendamt verständigt. Das wurde auch mit ihm abgesprochen, er muss den Ernst der Lage verstehen, für seine weitere Zukunft ist das Sozialverhalten sehr wichtig. Ich kenne meinen Sohn so nicht, das erklärt sie mit der Stresssituation in der Schule, aber am Ende der 2. Klasse sollte er das in den Griff bekommen. Er ist ohnehin in einer Integrationsklasse und die Lehrer geben sich große Mühe.

Ich war baff und erstmal bis heute nicht in der Lage dieses SSV zu googeln, ich habe ein sehr langes Gespräch mit ihm geführt, er schwört nie die Schule verlassen zu haben, wenn dann ist er immer in dem Stockwerk, wo seine Klasse ist. Meistens am Klo, weil da kann er zusperren und allein sein, das hilft ihm sich zu beruhigen. Meistens fühlt er sich von 1,2 Mitschülern belästigt und die hören dann nicht auf und wenn er einmal drin ist seiner Aufregung, kann er nicht zurück. Wäre er nicht „nur“ Asperger, sondern anders autistisch, wäre das ein melt down und kein Grund mit der Polizei zu drohen. Er hatte in diesem Jahr noch keine Albträume, in den letzten beiden Nächten jeweils einen.

Morgen haben wir gemeinsam ein Gespräch mit der Beratungslehrerin und da werde ich versuchen einiges zu klären, mit meinem Therapeuten sprechen, ob er ihn einmal anschaut und über Twitter habe ich eine Kontakt bekommen, zu Jemand, der sich in unserem Schulsystem super auskennt und besondere Kinder fördert. Ich werde jedenfalls nicht wieder einen Diagnosemarathon wegen seinem Sozialverhalten starten und ich werde vor allem schauen, dass er wieder angstfrei und gerne zur Schule geht. Notfalls wird eine andere Schulform gesucht für meinen kleinen „Einstein“.

Allemal schade, denn sogar seine Schwester sagte neulich zu mir:“ Du weißt ja, dass er anders ist. Weißt eh so wie der Wolfgang Amadeus Mozart, von dem haben wir neulich gelernt. Der war auch so klug, Raphael kann ja schon besser rechnen als ich.“

4 Kommentare zu „Nur zu Zweit“

  1. Das tut mir wirklich leid, dass ihr nicht mittlerweile bessere Erfahrungen macht. Ich hatte auch einen Asperger-Schüler, der in der zweiten Klasse über keinerlei Selbstkontrolle verfügte. Bei ihm war es oft bestimmte Musik, bei der er völlig ausflippte und auch da haben einge Kinder versucht, ihn zusätzlich zu provozieren. Dem hab ich durch Gespräche einen Riegel vorgeschoben. Er war dann bald richtig eingebunden in die Klassengemeinschaft, weil die anderen Kinder Verständnis entwickelt haben. Was ihn auch zum Schreien und zu körperlichen Angriffen trieb, waren falsche oder unkonkrete Aussagen. Zu Beginn hat er manchmal sogar die Unterstützungskraft angegriffen. Wir haben dann einen Auszeitraum geschaffen, in dem er sich wieder beruhigen konnte und auf Wunsch auch sonst alleine arbeiten konnte. Seit der Hälfte der dritten Klasse hat sich die Situation spürbar entspannt und er hat eine Menge Einsichten gewonnen, sich verhaltensmäßig sehr gut entwickelt. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft die Mutter weinend und der Vater zornig vor mir saßen. Wir hatten auch vereinbart, dass ich zwei-, dreimal pro Woche eine email schreibe und die Eltern informiere, bei besonderen Vorkommnissen sofort – nicht nur negative, auch positive. Ich hoffe, dass auch bei Raffael die Entwicklung etwas verbessert.

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    1. Gestern war ich so gestresst, dass ich scheinbar den Kommentar nicht richtig frei gegeben habe 😳 vielen Dank für deine Nachricht, das gibt mir Mut. Raphael und ich haben erstmal einen Deal gemacht, wenn bis Schulschluss, ist ja absehbar, alles klappt, darf ein Freund bei ihm übernachten. Ansonsten hoffe ich auf meinen Therapeuten und den neuen Kontakt. Mal sehen!

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