Tag 1 der Ausgangsbeschränkungen

Um die Gedanken zu ordnen und als Erinnerung für später, versuche ich nun wieder regelmäßig zu schreiben.

Die Ereignisse haben sich überschlagen in den letzten Tagen, am Wochenende habe ich nahezu durchgehend Nachrichten geschaut und immer wieder fassungslos den Kopf geschüttelt. Mein Hirn kann das alles kaum erfassen, seit Freitag habe ich Angst, die ich körperlich spüre.

Heute morgen habe ich zum ersten Mal in meinem Leben recherchiert, ob ich überhaupt zur Arbeit darf. Ja, wir gehören zur Versorgung, wir dürfen. Den Journaldienst haben wir seit Freitag eingerichtet. Jeweils nur 2 Kollegen / Tag, Fremde haben seit einer Woche keinen Zutritt mehr. Die Chefin war da früh sensibel, weil unser Chef im Wachkoma zuhause betreut wird. Ich war also heute im Büro und gehe Donnerstag wieder.

Erster Anruf im Büro, der Mieter entschuldigt sich, dass er stört, aber er hat keinen Strom in der Wohnung. Ja, genau deshalb sitze ich im Büro. Unsere Handwerker arbeiten, das haben wir schon am Wochenende geklärt. Ein weiteres Problem, das mich schon am Wochenende beschäftigt hat: Mietvertrag endet am 31.3., sie hat extra bei AK gefragt, sie darf derzeit nicht übersiedeln wegen Versammlungsverbot,….

Ansonsten treffen laufend Absagen ein, Wiener Netze stornieren alle Termine, Wasserwerk storniert, Gerichtstermine werden verschoben, die Handwerker geben bekannt, wer zur Verfügung steht und wer nicht. Den ganzen Tag gebe ich Informationen weiter, nebenbei ein paar Routinesachen. Der Postler informiert, dass er derzeit keine Unterschriften braucht und daher nicht mehr zur Tür kommt.

Noch bevor ich ins Büro fahre, bin ich in der Schule der Kinder die Lernmappen holen. In den Klassen meiner Kinder ist kein einziges Kind. Ob der Zustand so bleibt, wenn der Unterricht nach Ostern immer noch ausgesetzt wird, wird sich zeigen. Meine Beiden sind jetzt 4 Wochen zuhause. Wieder einmal bewährt sich der arbeitslose Kindsvater zuhause. Detail am Rande: heuer war seine Rückkehr nach Deutschland geplant, ich schätze von diesem Gedanken kann ich mich verabschieden.

Der Weg zur Arbeit ist gruselig! Montag morgen, kaum Leute auf der Straße, die U Bahn leer, im Bus ist die 1. Tür gesperrt, ein Absperrband verhindert innen, dass man zum Fahrer geht. Man wird an Katastrophenfilme erinnert, das Hirn verweigert den Gedanken, dass das echt sein soll.

Da ich so gut wie nie krank bin, habe ich nichts zuhause, während andere seit 5 Tagen hamstern, komme ich auf die Idee diese Aufsetzer für Fieberthermometer zu kaufen. Dafür muss ich in 3 Apotheken, weil derzeit Mangelware. In der Apotheke stop and go, die Apothekerin hinter Glas, welches letzte Woche noch nicht da war, mit Maske und Handschuhen! Ich will eigentlich nur raus, so sehr verstört mich dieser Anblick.

Endlich zuhause fühle mich mich wieder halbwegs wohl und denke mir, dass wir isoliert werden ist wirklich gut! Wenn ich als halbwegs geistig gesunder Mensch mit diesen Situationen draußen kaum umgehen kann, wie geht es dann Menschen, die labiler sind?

Morgen versuche ich die Kinder auf ihren zukünftigen Alltag vorzubereiten.

Btw: auf dem Dach gegenüber meinem Büro wurde gearbeitet, aber um 15 Uhr war Schluss und es waren auch weniger Arbeiter da, als letzte Woche. Die großen Baustellen der Asfinag ruhen angeblich.

4 Kommentare zu „Tag 1 der Ausgangsbeschränkungen“

  1. Schön, wieder von dir zu hören, wenn auch unter seltsamen Umständen. Ja, manche Situationen sind gruselig. Aber auch das wird vorübergehen. Ich hab es ja hier auf dem Dorf relativ gut. Nur mit der Versorgung meiner Mutter ist es wieder komplizierter geworden. Aber sie hat jetzt für 4 Wochen alle Medikamente, Einkäufe bringe ich hin, halte aber Abstand.
    Auch hier ruhen die großen Baustellen, weil in einigen Baufirmen Infektionen bekannt wurden. Mein Mann kann noch arbeiten. Termine sind kaum einzuhalten, weil auch uns die Leute wegbrechen.
    Alles Gute und bleib gesund.

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