Tag 2

Es ist Dienstag, der 17.3., ich bin weder krank noch im Urlaub und trotzdem zuhause. Ich schlafe seit Tagen schlecht und bin prompt viel zu früh wach. Ich weiß , dass ich das nicht sollte, aber ich checke die Nachrichten. Eine 48 jährige Frau, CoVid-19 positiv getestet, ist in Ottakring in Heimquarantäne gestorben, sie wurde von Angehörigen gefunden.

Raphael wird wach, wir kuscheln und stehen auf, wir frühstücken, ich erkläre ihm den Plan: 1 Stunde Deutsch, 20 Minuten Pause, 1 Stunde Mathe, 20 Minuten Pause, 30 Minuten lesen, Freizeit

Rebecca schläft länger, sie ist verkühlt. Während sie frühstückt, 2 Telefonate mit den beiden heute arbeitenden Kolleginnen. Ich habe nur am Balkon Empfang, stehe um 9:30 draußen und die Ruhe ist gespenstisch. Kaum Autos, die Baustelle gegenüber nahezu leer, kaum Menschen auf der Straße. Mein Hirn kann sich nicht denken, wie am Wochenende, selbst am Sonntag ist hier mehr los, als heute.

Die „Schulzeit“ dauert bis gegen 14 Uhr, Raphael arbeitet ganz gut, Rebecca tut sich schwer. Sehr ungewohnt, aber mein Mädchen hat troubles und das macht sich bemerkbar. Genau in dieser Phase dann die komplette Isolation. Ich bin fast der Meinung, dass das vielleicht ganz gut tut. Sie schreibt ihrer besten Freundin einen Brief, den ich beim Einkaufen gleich aufgebe.

Der Einkauf trifft mich wieder mit voller Wucht, unser Penny ist wenn ich als Berufstätige zur Stoßzeit einkaufen gehe, gesteckt voll. Heute bin ich ALLEIN im Laden, um 14:30, später kommt noch ein Nachbar aus meinem Haus dazu, wir winken uns von weitem. Die Regale sind tlw immer noch leer, seit Freitag hören wir 100 Mal im ORF: die Lager sind voll, das freut mich für die Lager.

Wieder zuhause mache ich Hühnersuppe und schau wieder die Nachrichten, die Regierung bedankt sich bei der Bevölkerung, 95 Prozent des Schulbetriebes ist seit gestern eingestellt, einfach unfassbar. Seit gestern 15 Uhr sind auch alle Restaurants, sonstige Gastronomie und Kaffeehäuser geschlossen. Angeordnet wurde das bis Ende der Woche, kein denkender Mensch glaubt, dass nächste Woche wieder alles läuft. Für Mai (!) wurde die Miliz angefordert, ich verabschiede mich mit Tränen vom heurigen Schulabschluss meiner Kinder.

Die Büro WhatsApp Gruppe nervt mich, „wir“ schicken uns lustige Corona Bilder, die finde ich seit einer Woche nicht mehr lustig. Ich muss an den Abschied von meiner Chefin am Freitag denken, wir waren auf Distanz und wussten, dass wir uns länger nicht mehr sehen werden.

Privat glauben die Kroaten, dass die Chinesen das Virus ausgesetzt haben um die Weltwirtschaft zu zerstören, die Serben machen den gleichen amerikanischen Geheimdienst der das Ibiza Video in Auftrag gegeben hat, verantwortlich. Eine Österreicherin glaubt, dass sie im August ins Ausland fliegt, während derzeit ca. 50.000 Österreicher aus 100 Ländern auf Staatskosten heim geholt werden. Mit heute wird der zivile Flugverkehr in Österreich eingestellt. Ich muss immer an den ungarischen Piloten denken, mit dem ich vor 2 Wochen einen Mietvertrag abgeschlossen habe.

Morgen ist wieder „Schule“, ich plane eine „Turnstunde“ im Hof.

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