Tag 9

Ich werde wieder früh wach, diesmal steh ich aber auf und fange Hausarbeit an. Die erste Woche habe ich jede deutschsprachige Nachricht gesucht um mir ein eigenes Bild von dieser Sache zu machen. Das habe ich jetzt und somit bin ich wieder im Modus, das beste daraus zu machen.

Nach exakt 9 Tagen geht Rebecca das erste Mal aus dem Haus, ich habe ihr die neuen Regeln natürlich erklärt, aber das draußen zu sehen, ist was anderes. Überall die Plexiglas Wände vor den Kassen, der Supermarkt quasi leer, sehr ungewöhnlich. Ich schaue die Nachrichten ohne sie, aber sie haben das Virus Video der Stadt Wien gesehen und ich erzähle ihnen in einfachen Worten was los ist. Die Maturanten haben einen neuen Termin Mitte Mai und wir reden darüber. Sie schmieden Pläne, wie man jahrgangsweise die Klassen wieder öffnen könnte. Ist natürlich realitätsfern, macht uns aber Spaß und bindet sie mit ein.

Hatte ein Gespräch mit meiner Chefin, ich bin morgen wieder im Büro und die Hausbesorger brauchen ihre Löhne. Gut, dass ich das alles in meiner Karenz gelernt habe. War auch eine Notsituation als mein Chef ins Koma gefallen ist. Ich muss am 31.03. eine Wohnung übernehmen, sie sagt, dass ich auf keinen Fall irgendwelche Fremden treffe – Schlüssel wird uns übermittelt und dann gehe ich allein hin – soll mir Recht sein. Über 100.000 Arbeitslose in einer Woche, ich habe einen Job, ein Glück!

Eine große österreichische Supermarktkette weiß, dass das Virus nicht über Flächen übertragbar ist. Diese Information würde ich an die Wissenschaft verkaufen, die ist sich da nämlich noch nicht einig. Gleichzeitig schickt die ÖBB eine Aussendung, dass die Reisenden regelmäßig ihre Handys säubern sollen wegen einer möglichen Übertragung des Virus. Also im Supermarkt x keine Übertragung möglich, im Zug via Handy schon.

Meine Tante schickt ein Video, dass Menschen mit der Blutgruppe A aufgrund eines speziellen Zuckermoleküls besonders gefährdet sind. Seufz! Solche Informationen können derzeit nur ernsthaft sein, wenn sie aus China kommen und selbst dann nur, wenn „unser“ CoVid nicht bereits mutiert ist. Das sind zumindest meine Gedanken dazu.

Achja und Achtung: auf einem Kreuzfahrtschiff welches in Quarantäne war, wurden 14 Tage nach Räumung noch Teile des Virus gefunden – der Virologe lächelt und sagt, selbst, wenn das stimmt, kann er sich eine Ansteckung über diesen Weg nicht vorstellen.

Die Welt steht einerseits still, selbst Indien hat jetzt Ausgangsbeschränkungen erlassen und andererseits überschlagen sich die immer mehr verwirrenden Erkenntnisse. Immerhin kenne ich nach langer Zeit wieder einmal die österreichischen Politiker namentlich.

3 Kommentare zu „Tag 9“

  1. Das ist auch mein Weg. Alles an Informationen sammeln, gegenüberstellen, aussortieren, eine annähernde Basis an Gewissheit erreichen, weitermachen auf dieser Basis.
    Die Veränderung als solche schreckt mich nicht. Schließlich habe ich hautnah erfahren, dass sich alles von einem Tag auf den anderen ändern, das Leben völlig aus den Fugen geraten kann.
    Ich frag mich halt, warum man steigende Fallzahlen zur Aussage hernimmt, die eigentlich nicht vergleichbar sind. Man kann doch nichts vergleichen, was nicht mehr gleich ist. Schließlich wurde begonnen, viel mehr zu testen. So ist es klar, dass höhere Zahlen auftauchen. Für den Beweis einer Steigerung taugen sie aber so nicht. Sag ich jetzt mal.

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