Tag 11

Endlich einmal ein paar Stunden geschlafen, war nötig. Ich stehe jetzt immer auf, wenn ich wach bin, meist gegen 7, krame im Haushalt rum und schaue Nachrichten. Dann kommt das erste Kind, schlaftrunken, noch warm vom Bett, wir kuscheln auf der Couch, Quality time pur. Wir schauen das neue Schulfernsehen. Da gibt es immer eine Doku über eine Wildtierfarm in Namibia, echt interessant. Dann fangen wir an mit unserem Schulprogramm, heute lief es ganz gut. Rebecca bewegt sich im Zahlenkreis 1 Mio, Raphael lernt mit Rest rechnen. Deutsch passt auch, dann lesen. Langsam kommt Routine in das System. Wenn obiger Text ernst zu nehmen ist (angeblich Regierungskreise) begleitet uns dieser Zustand noch eine ganze Weile. Ich bin traurig, weil es Rebeccas Abschlussjahr ist. Aber naja, gibt wohl schlimmeres.

Die Spitäler in den hot Spots in Tirol kommen langsam an die Grenze ihrer Kapazitäten, dort sind erstaunlich viele fitte 50 Jährige Skifahrer auf der Intensivstation, zum Glück bin ich erst 49 und fahre nicht Ski. Ein junger CoVid19 Positiver hat einen Lungenfacharzt in Wien angesteckt, der Arzt ist daheim, aber schwer bedient und gelinde gesagt gröber verärgert. Angeblich hat das AKH mit dem Hinweis, dass er den Virus nicht hat, gemeint er solle zum Facharzt gehen.

Beim Einkauf heute gegen 15 Uhr waren erstaunlich viele Menschen unterwegs, trotzdem natürlich extrem weniger als sonst. Die Läden sind wieder gefüllt, wenn auch spärlicher. Geschlossen wird jetzt immer um 19 Uhr, ab Montag schließt Hofer um 18 Uhr. Viele große Supermärkte werden Prämien ausschütten für die Mitarbeiter, unser aller Sebastian stellt diese prompt steuerfrei. Unsere Regierung ist noch nicht einmal die berühmten 100 Tage im Amt.

Überall in Europa beginnt das Sterben, derzeit besonders schlimm im Spanien, hot Spot Madrid, Italien scheint sich zu erholen, Frankreich hat auch schon Engpässe. In Amerika gehts im großen Stil los, klar sind ja auch andere Mengen von Menschen, hot Spot dort derzeit New York, ein Arzt sagt in die Kamera, dass 9/11 ein Spaziergang war dagegen, und irgendwo in Schweden wird noch Ski gefahren.

Habe ein paar Anrufe aus dem Büro, in einem Haus werden „gefährliche Risse“ entdeckt, was sonst, wenn man den ganzen Tag die Wand anstarrt. Angeblich ist eines unserer Häuser komplett unter Quarantäne,…

Zuhause läuft es überraschend gut. Wir wollten die Eltern WG heuer auflösen, der Vater der Kinder sollte zurück in seine deutsche Heimat, die Kinder und ich wollten übersiedeln, endlich jedes Kind ein eigenes Zimmer. Das wird wohl jetzt nichts so schnell. Im Grunde bin ich froh, dass er noch da ist, ich muss sicher demnächst wieder mehr arbeiten. Er hat heute mit den Kindern eine Rätselralley gemacht, die hatten Spaß. Wir reden viel über das ganze Geschehen zur Zeit und geben uns Mühe nicht aneinander zu geraten. Das Konzept klappt also auch in der größten Krise seit ewigen Zeiten,

Ein Gedanke zu „Tag 11“

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