Tag 12

Ich bin heute erst um 8 Uhr aufgewacht und habe mich richtig ausgeruht gefühlt. Allein dieses Gefühl war herrlich! Nach genau 2 Wochen Panikmodus hat sich mein Körper langsam daran gewöhnt, der Angstschmerz ist auch seit ein paar Tagen weg. Selbst die sonst üblichen Schmerzen am Anfang der Periode habe ich nicht, vielleicht ist mein Körper auch taub geworden, so als Selbstschutz.

Heute also wieder ein Arbeitstag ohne Arbeit. Da die Sekretärin diese Woche wieder im Büro ist und mittlerweile mit Jedem Kontakt hatte, werden wir ab nächste Woche wieder im Vollbetrieb arbeiten. Wir sind zu klein um dauerhaft 2 Schichten zu haben. Ich habe vereinbart, dass ich Mo, Mi, Fr ins Büro gehe und Di+Do bei den Kindern bin. Sie brauchen auch mich in dieser komischen Zeit und ehrlich gesagt, brauche ich das auch! Wir kuscheln viel, leben unsere neue Struktur und morgen werden wir mal zu 3. raus gehen. Wie blöd das eigentlich alles klingt.

Ich kann mich immer noch nicht an diese Stille in der Großstadt gewöhnen, morgens ist kaum ein Ton zu hören, heute war wenigstens die Müllabfuhr unterwegs. Aber selbst die Baustelle gegenüber ist nahezu ruhig, viel weniger Arbeiter und hauptsächlich Innenausbau. Die Vögel sind untertags so laut, wie normal nur Sonntag morgen. Beim Einkaufen war ich in 3 Läden allein an der Kassa, wohlgemerkt am Freitag um 15:00 Uhr. Die Regale sind wieder voll, wenn auch in geringerer Stückzahl. Ich kann immer wieder Sachen günstig kaufen, die ich normalerweise gar nicht anschaue, weil zu teuer. So gönne ich mir heute ein Lachsfilet und denke beim Essen grinsend an die Steiermark.

Die Soforthilfe für die Kleinstunternehmer kann ab heute beantragt werden, sämtliche Zuständige betonen seit Tagen, wie wichtig und toll dieses Paket ist. 2 Stunden nach der Öffnung der Formulare wird das Kleingedruckte auf Twitter auseinander genommen. Natürlich fallen Viele wieder durch den Rost. Bei den Todesraten in Spanien und Italien denke ich mir immer öfter, es gibt schon so unendlich Viele, die das alles gar nicht mehr brauchen und mangels Platz nicht einmal ordentlich bestattet werden. Über 900 Tote in 24 Stunden, ich hoffe all Jene, die von einer normalen Grippesaison sprechen, schämen sich in Grund und Boden.

Es ist anstrengend zu 4. in dieser Wohnung gedrängt zu leben, die Kinder haben zu keiner Zeit ihres Lebens so viel Zeit zuhause verbracht, wie jetzt. Und trotzdem denke ich mit Schaudern an die 10 Jahre, die ich allein gelebt habe. Ich würde „sterben“ allein zuhause ohne die Ablenkung meines Alltags hier!

3 Kommentare zu „Tag 12“

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