Tag 15

Nach 3 Tagen zuhause muss ich wieder ins Büro. Die Tochter hat keinen freien Platz mehr an ihrem Körper, sie malt bei mir weiter. Ich arbeite heute non stop von 8 Uhr bis 17 Uhr, ist nur geistige Arbeit, aber extrem anstrengend, für jedes Lokal ein eigener Text, immer in Rücksprache, ich merke um 14 Uhr, dass ich nicht fertig werde. Ich muss morgen wieder hin. Mein Herz bricht, die Kinder fallen mir derzeit um den Hals wie zu Kindergartenzeiten.

Gleichzeitig bin ich dem Herrgott jeden Tag dankbar, dass ich arbeiten darf! Ich bin Alleinverdiener seit 10 Jahren, das gelingt immer nur so ganz knapp, würde ich heute oder morgen arbeitslos, wäre das eine Katastrophe. Ich will also nicht ins Büro und die Kinder „allein“ lassen, ich bin aber froh, dass ich hin kann. Es zerreißt mich innerlich.

Im Hinterkopf frage ich mich, wenn ich nachweislich CoVid19 positiv bin oder auch nur einer aus meinem kleinen Umfeld, darf ich nicht mehr raus. Auch der Vater der Kinder nicht. Wer versorgt uns dann mit Lebensmittel? Dabei denke ich noch gar nicht, ernsthaft gesundheitliche Schwierigkeiten zu haben. Ich habe trotz Übergewicht und Rauchen eine sehr gesunde Natur.

Ich weiß natürlich, dass Risikopatienten derzeit ganz andere Sorgen haben, auch die s.g. Älteren, die plötzlich keine sozialen Kontakte mehr haben dürfen oder ohnehin nie hatten, isoliert in der anonymen Großstadt, die Unmengen plötzlich Arbeitsloser, die Maturanten, die irgendwie zu ihrer Matura kommen müssen, selbst Frauen, die derzeit Babys bekommen ohne Unterstützung der Lebenspartner, usw. aber die Gedanken kreisen am 15. Tag der österreichischen Maßnahmen. Genau genommen in der Nacht, denn schlafen ist derzeit Glückssache.

Wie immer an einem Bürotag habe ich wenig globale Informationen, anscheinend hat Amerika plötzlich die ganz große Krise verstanden, Ungarn ist seit heute keine Demokratie mehr, in Italien dürfte der Peak erreicht bzw. überschritten sein und in Österreich werden ab Mittwoch Mundschutzmasken in den Supermärkten verteilt.

Ein Gedanke zu „Tag 15“

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