Tag 17

1.April, und das ist kein Scherz, sondern seit heute Pflicht beim Einkaufen. Also eigentlich erst ab 6.4. und bei Läden einer gewissen Größe, aber innerhalb von 2 Tagen sind halt nicht Millionen Masken verteilt. Ich werde mir welche aus Stoff besorgen, die kann ich wenigstens waschen. Verrückt schreit mein Hirn, wenn es sein muss flüstert mein Herz.

Zum Glück war ich heute zuhause, ich habe das echt gebraucht und mache das eigentlich den Kindern zuliebe,… wir haben heute nicht streng „Schule“ gemacht, sie haben gemalt, dann eine Stunde ein Deutschprogramm am Tablet, dann haben wir Schleim selbst gemacht, Schiffe versenken und UNO gespielt. Am Balkon in der Sonne Eis gegessen. Eine Wohltat für die Seele. Abends wird es immer schwerer 2 unausgelastete Kinder ins Bett zu bekommen. Damit sie überhaupt einschlafen liegen wir eng aneinander und heute habe ich zum ersten Mal seit Jahren Lalelu gesungen. Was diese Isolation von einer Minute auf die andere auch mit den Kindern macht, wir werden es erst viel später wissen.

Meine Chefin hat angerufen, nur um zu fragen, wie es mir geht. Ich habe gestern so gestresst gewirkt (war ich auch) und sie kennt mich seit 17 Jahren, sie weiß, dass ich mir die Einzelschicksale zu Herzen nehme. Wenn ich etwas brauche, egal was, soll ich es sagen. Unbezahlbar dieser Job, unvergleichlich diese Frau.

Irgendeine Pressekonferenz gab es wieder, wegen der Arbeitslosigkeit, die seit dem Krieg nicht mehr so hoch war. Der Chef vom AMS meint, nicht nur ist die Zahl so hoch, sondern diese irre Zahl von Meldungen innerhalb von 2 Wochen, er wirkt völlig fertig bei dem Interview, vorige Woche schien er noch sehr souverän. Unfassbar viel Geld wird in die derzeit tote Wirtschaft gepumpt, ich verstehe schon lang nicht mehr woher die Politiker diese Summen nehmen.

In Paris gibt es zu wenig Intensiv Betten (jetzt schon!), per Schnellzug werden Patienten im Land verteilt, an den Grenzen auch in Nachbarländer, das darf doch alles nicht wahr sein! Pensionisten aus Wohnheimen werden nicht mehr eingeliefert. Mein Gott, wir sind in Europa, wohin soll das noch alles führen? In Italien sagt man uns, sind die Zahlen gar nicht richtig, weil nur die CoVid Toten in den Krankenhäusern gezählt werden, aber nicht die Toten in den Heimen oder zuhause. WTF?

In Österreich werden jetzt 2000 Personen, die zufällig ausgewählt werden, getestet um der Dunkelziffer auf die Spur zu kommen. In Ischgl werden Antikörpertests gemacht, weil dort potentiell Viele infiziert waren, auch daraus sollen wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden. In Wien wird diskutiert, ob die Bundesgärten mit Blabla m2 Grünfläche wieder geöffnet werden sollen, oder Straßenzüge gesperrt, damit die Bevölkerung Auslauf bekommt. Ich habe das ungute Gefühl uns geht es noch zu gut,….

5 Kommentare zu „Tag 17“

  1. Es gibt in ganz Frankreich ungefähr doppelt so viele Intensivbetten wie in Baden-Württemberg. Der Aufschrei „steckt euch euern Applaus sonstwohin“ kam zwar aus Berlin, ist aber in Frankreich besonders nachdrücklich verbreitet worden, weil das System hier unheimlich kaputtgespart wurde.
    Die TGV mit Kranken kamen allerdings nicht aus dem Pariser Umland, sondern aus Straßburg und Mülhausen, wo das Virus am schlimmsten im ganzen Land wütet und die Krankenhäuser auf solchen Ansturm überhaupt nicht vorbereitet waren. Auch da täuschen die Zahlen, weil von rund 1200 Intensivbetten für „Grand Est“ gesprochen wird, betroffen ist aber hauptsächlich das Elsaß, während die neue Region auch Lothringen und Champagne-Ardennes einschließt, wo zwar Intensivbetten sind, aber recht wenig Erkrankte.
    Übel ist auch, daß sämtliche Bewohner von Altersheimen jetzt Stubenarrest haben. Als ob die sich untereinander anstecken würden – die Ansteckung kam in die Häuser von außen, und wird auch weiter von außen kommen, nämlich über das Pflegepersonal, wo sich die Altenpfleger nicht von selbst entschließen, sich mit ihren Bewohnern in Isolierhaft zu begeben.
    Es ist hart. Und wir kommen nicht mehr hinein – nicht mal zur Sterbebegleitung. Wer stirbt, stirbt mutterseelenallein.

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    1. Ich habe den TGV schon vor ein paar Tagen gesehen, die Nachricht gestern kam im ORF im Zusammenhang mit Paris. Im Grunde ist es egal, von wo wohin, schlimm genug sind diese Bilder. Ich reflektiere abends hier die Bilder, die mir hängen geblieben sind. Das ist für mich eine Möglichkeit den Tag zu beenden und sowas wie Nachtruhe zu finden. Die Situation in Altersheimen ist wirklich schlimm, viele Menschen dort verstehen ja oft gar nicht, warum die kleinen Freuden des Alltags jetzt nicht möglich sind. Aber die Nachricht von spanischen Altersheimen, wo verstorbene Bewohner Tage später in ihren Zimmern gefunden werden, ist eben auch grauenhaft. Danke für die ausführliche Stellungnahme, ich freue mich über jeden Input! Alles Gute und gesund bleiben!

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