23.05.2020

Während ich im November zum 5. Mal einen runden Geburtstag feiern werde, hat Rebecca dieses Erlebnis heute zum 1. Mal. Am 23.05.2010 um diese Zeit habe ich aus dem Fenster gesehen, es war Pfingstsonntag und ein weiterer sonniger Tag. Ich hatte einen Katheder und habe immer wieder meine Beine berührt, weil es komisch war sie nicht zu spüren. Rebecca war eine Stunde alt und wurde für kurze Zeit in einem Kasten gewärmt, ihr Vater war bei ihr. Das Baby, welches ich mir 20 Jahre gewünscht habe, war geboren. Es war unwirklich sie nicht mehr in mir zu spüren. Ich wusste nicht, dass ich 12 Monate und 3 Wochen später wieder dort liegen würde, weil ihr Bruder geboren wurde. Ich wusste so vieles nicht, aber eines war klar: der größte Wunsch meines Lebens hatte sich erfüllt!

Es waren turbulente 10 Jahre und allein, wenn man an Corona denkt, wird das Leben nicht einfacher. Aber eben auch diese Krise zeigt, dass wir gemeinsam so vieles schaffen. In den letzten Wochen ist die Kleine sehr gereift, ganz ohne diese vielen Einflüsse von außen. Sie hat gelernt ihre Aufgaben für 2 Wochen selbst einzuteilen und fertig zu werden. Sie sagt nicht einfach nur: das kann ich nicht, sie versucht Lösungen zu finden. Sie ist extrem selbständig und ich versuche sie zu bestärken, obwohl das nicht leicht für mich ist. Wenn ich dann doch Grenzen aufzeige, ist es für sie nicht leicht, aber wir finden immer einen Weg! Sie hat so unglaublich viel von ihrem Vater, was gut ist, aber naja,…

Diese letzten 10 Jahre waren ein Wimpernschlag in meinem Leben und doch so lang! Am 23.05.2030 ist sie erwachsen und ich stehe knapp vor der Pension. Diesen Beitrag werde ich dann Kraft meiner Gedanken ins Internet posten und Eure Avatare werden als Hologramm in meinem Wohnzimmer tanzen. 🙃

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21.5.2020

Feiertag, endlich wieder schulfrei,….

Die Kinder waren also Montag und Dienstag nach 9 Wochen wieder in der Schule. Es war sonnig, etwas frisch, aber angenehm und ich habe die Kinder am 1. Schultag begleitet. Die Maske im Bus, das kennen sie schon und muss halt jetzt in der Schule auch getragen werden. Viele Lehrer und sogar die Frau Direktor sind Spalier gestanden, es hätte feierlich sein können, wäre es nicht traurig gewesen. Statt über 300 Kindern kamen nur die Hälfte und die wurden noch einmal getrennt, weil ein zweiter Eingang geschaffen wurde. Das Resümee nach dem ersten Tag? Meinen Kindern hat es gefallen. Sie sind auch motiviert um kurz nach 6 Uhr aus dem Bett gefallen. Sie waren abends anders müde und haben viel besser geschlafen. Aber alles ist anders, irgendwie komisch. Raphael findet richtig gut, dass endlich jeder einen fixen Sitzplatz hat, das wollte er immer schon. Überraschenderweise wurde er mit seinem besten Freund eingeteilt, obwohl es sonst immer hieß, dass sie soviel Ärger machen. Er findet gut, dass weniger Kinder in der Klasse sind und dass er weiterhin Lerninhalte mit Kopfhörer am PC sehen darf. Nicht gut ist, dass es keine Pausen gibt. Nur eine große, wo sie im Garten sind. Der Garten wurde in 3 Zonen eingeteilt, Sportplatz, Klettergerüst und Schaukel. Die Schule teilt die Pausen auf die 3 Zonen auf. Raphi musste am ersten Tag Sport machen. Sport! 😂

Rebecca ist auch mit allen Mädels zusammen, das finde ich schön, denn sie sehen sich bald gar nicht mehr. Es gab richtig viel Zickenterror im März, aber der Lehrer hat sie trotzdem zusammen eingeteilt und es tut ihnen gut, noch einmal Zeit zusammen zu verbringen. Rebecca erzählt, dass der Lehrer sich am Meisten verändert hat, er trägt jetzt Bart und schaut viel männlicher aus. Herrlich die Kleine! Die Lehrer planen eine kleine Abschiedsfeier für die 4. Klassen, vermutlich nur im eigenen Klassenverband. Mal sehen. Dafür hat sie den Hort verweigert. Kaum Jemand ist dort und sie dürfen die Gruppe nicht verlassen. Außer im Garten gibt es keine Treffen. Stinklangweilig für eine bald 10 Jährige. Ich habe sie also abgemeldet, 3 Monate früher als geplant. Was soll’s, so lernt sie gleich, dass sie auch einmal alleine sein kann. Papa wird nicht immer zuhause sein. Nächster Schultag ist der 28.5, bis dahin lernen sie wieder zuhause. Diese neue Realität ist immer noch nicht meine und auch ganz sicher nicht die der Kinder.

Oben im Bild ist „unser“ Sammy, mittlerweile schon recht groß geworden. Ich bin sehr glücklich, dass ich einen guten Platz für unsere Katzenbabys gefunden habe. Aber auch unendlich traurig, dass ich sie weggeben musste. Und der Grund dafür hustet gerade in seinem Zimmer. Es fällt manchmal schwer damit zurecht zu kommen.

Meinen Familientherapeuten habe ich seit Jänner nicht mehr gesehen. Damals hatten wir Katzenbabys und eine Übersiedlung im Sommer war geplant. Die Kinder und ich wollten in eine schön renovierte Wohnung ziehen, jedes Kind hätte ein Zimmer bekommen, der Vater der Kinder wollte nach Deutschland zurück. Dann kam Corona. Auswandern wird heuer nichts mehr, die Wohnung wird nicht ewig auf uns warten, geblieben ist nichts von unseren Plänen. Das fühlt sich falsch an. Aber ich kann derzeit nichts daran ändern, ich habe keine Kraft dafür. Ich bin froh, wenn ich den normalen Alltag hinbekomme. Schlafstörungen begleiten mich seit Mitte März. Ich freue mich, wenn ich wieder eine Stunde mit dem Therapeuten sprechen kann. Weil das immer gut tut.

17.5.2020

Seit einer Woche fahren die Öffis im normalen Takt und jedesmal, wenn ich den Text sehe, denke ich mir: ich war nie weg,…

Gestern hatten wir das erste Mal seit über 9 Wochen Besuch, ein Schulfreund von Raphael mit seinen Eltern. Die Mutter hat kurz vor Ausbruch der Pandemie einen Bandscheibenvorfall erlitten und kann nun mit der notwendigen Therapie erst in 2 Wochen beginnen. 3 Monate permanente Schmerzen, ich kann und will mir das nicht vorstellen.

Ich war an meinem letzten „Kinder-Betreuungs-Mittwoch“ mit Rebecca bei der Hausärztin. Sie klagt seit einigen Tagen über Schmerzen im Sprunggelenk, aber das tut anders weh als wachsen. Also begann um 14 Uhr ein Marathon der bis 17:30 Uhr dauerte. Von der Hausärztin zum Röntgen und dann heim, alles mit den Öffis, bedeutet 3,5 Stunden nahezu lückenlos mit Maske. Ein Horror! Wenigstens war es relativ kühl, aber mein Kreislauf spielt trotzdem verrückt. Ich bekomme zu wenig Luft und auch wenn ich mir bewusst mache, dass das nur psychisch ist und genug Luft durch den Stofffetzen kommt, hilft mir das kaum, wenn der Schweiß auf der Stirn plötzlich kalt wird und die Ohren zu klingeln beginnen. Abends hatte ich Kopfschmerzen und mir war übel. Ich habe ernsthaft Schwierigkeiten mit dieser Maskenpflicht. Morgen wurden wir beim Orthopäden eingeschoben, mal sehen woher die Schmerzen in Rebeccas Bein kommen.

Kurzes Drama gab es auch im Büro, die Kollegin hielt das fern von mir, aber der Kollege hat mich durch einen Screenshot geschockt. Dabei ging es ihm um ein EDV Problem, unabhängig vom Inhalt. EDV Probleme sind mir grundsätzlich suspekt, weil ich nie verstehe worum es da geht. Aber die Überschrift: Gasleck in Top 8 mit Nagel geschlossen, da ist mein Herz kurz gehüpft. Die Kollegin, die mich eben nicht beunruhigen wollte, hatte sich schon darum gekümmert.

Gestern Abend haben nach 9 Wochen die Kirchenglocken wieder geläutet und ich fand das extrem beruhigend. Ich bin gläubig, wenn ich auch nicht irgendwelche strengen Regeln befolge und die Glocken der Mexikoplatzkirche begleiten mich seit 9 Jahren durch das Wochenende. Seit 15.5. dürfen die Gottesdienste wieder besucht werden, halt auch mit Abstand usw, aber grosses Gedränge, wie in meiner Jugend, gab es die letzten Jahre ohnehin nicht bei der Sonntagsmesse.

Morgen gehen die Kinder zum ersten Mal wieder in die Schule! Seit 16.03. waren sie zuhause, und wenn ich die Nachrichten der Schule und vom Hort so lese, hat die Schule.neu nicht mehr viel mit der Schule zu tun, die die Kids vorher kannten. Ich bin neugierig wie das wird!

10. Mai 2020

Wir sind wieder öfter draußen unterwegs, das Foto zeigt einen Platz in der riesigen Wohnanlage, in der wir wohnen. Fotografiert hat meine Tochter, sie macht ab und zu auch sinnvolle Dinge mit dem Handy 😎

Ich habe eben über das Limbische System gelesen, wo sich unser Angstzentrum befindet, wo aber auch unsere Wut kontrolliert wird. Das erklärt warum mein Angstschmerz auch auftaucht, wenn ich extrem wütend bin. Wobei ich richtig krasse Wut, die ich körperlich eben auch spüre, überhaupt erst seit ca. 20 Jahren kenne. Dabei bin ich ein emotionaler Mensch, aber früher war ich halt zornig oder aufgebracht, aber richtig wütend, das kannte ich nicht. Damit einher geht das Hassgefühl. Bis zu meinem 30. Lebensjahr habe ich nur einen Menschen abgrundtief gehasst. Das Gefühl allerdings bereits in der Kindheit entwickelt: die Lebensgefährtin meines Großvaters. Sie starb allein und wurde erst Tage später gefunden, ich war wohl nicht die Einzige mit diesen Gefühlen. Hass ist immer noch sehr selten mein Begleiter und auch den Kindern sage ich immer wieder, dass das kein schönes Wort ist. Aber Wut, naja das kommt schon immer wieder.

Heute ist Muttertag und da ist es gar nicht so abwegig über diese negativen Emotionen zu sprechen. Weil ich damit aufgewachsen bin und weil mich das sicher geprägt hat. Meiner Tochter gestern beim Kuchen backen und verzieren zu zuschauen, heilt viele alte Narben.

Das war mein erster Beitrag seit sehr langer Zeit, wo ich keine Gedanken zu Corona beschrieben habe. Der guten Ordnung halber sei gesagt: Corona ist noch da, die Pandemie noch nicht überwunden.

9.5.2020

Über eine Woche ohne Ausgangsbeschränkungen haben wir hinter uns, ich habe trotzdem die Wohnungsübergabe kontaktlos gemacht. So ein Holzboden ist mittlerweile selten, ich bin noch unschlüssig was ich damit mache. Die Elektrik und Heizung muss neu gemacht werden, der Schimmel natürlich weg. Das schöne ist, dass ich freie Hand habe.

Die letzte Woche sind die Kinder aufgeblüht, Rebecca hat eine Freundin getroffen, sie war wieder unterwegs. Der Vater der Kinder war mit ihnen draußen, 3-4 Stunden, bis zu 10 km, bei irgendeinem online Spiel irgendwelche Portale finden. Da kommen interessante Bilder, eine Gedenktafel an die Russen aus der Besatzungszeit am Handelskai, die Kinder im immer noch gesperrten Wurstelprater, völlig allein. Morgen fahren sie in den Kurpark Oberlaa.

Im Büro nimmt die Arbeit kein Ende und dann hat noch die Kollegin Buchhaltung gekündigt. Mutig bei über 500.000 Arbeitslosen in Österreich derzeit. Jetzt will die Chefin über den Sommer schauen, wie es ohne Hilfe klappt. Sie macht seit 30 Jahren die Buchhaltung und sie weiß, dass ich auch viel davon kann. Langweilig wird mir in nächster Zeit nicht.

Mit der Ex Kollegin bin ich verbunden, sie hat sehr spontan unser Katzenbabys im Februar übernommen. Eine schwere Zeit für mich, die den inneren Kontakt zum Vater der Kinder endgültig gebrochen hat. Es war schwer ihn seither nicht abgrundtief zu hassen. Manchmal ist es immer noch schwer. Damals hat mich aufrecht gehalten, dass er heuer nach Deutschland zurück geht, dann kam Corona. Ehrlicherweise ist es praktisch, dass er jetzt da ist, auch im Hinblick auf die Sommerbetreuung. Naja, ich stecke meine Gefühle zurück, so gut ich kann, aber ich freue mich sehr meinen Therapeuten irgendwann wieder zu sehen.

Morgen ist Muttertag. Mit Blumen aber ohne Restaurantbesuch. Ich werde zu meinen Eltern fahren und kurz an einem Ort sein, wo alles noch so ist, wie immer. Nicht das Schlechteste in diesen turbulenten Zeiten.

4. Mai 2020

Rebeccas Schulplan ist heute gekommen, nach 9 Wochen zuhause, wird sie bis zur letzten Schulwoche, die noch nicht eingeteilt wurde, 12 Mal zur Schule gehen, danach 9 Wochen Sommerferien und dann Schulwechsel ins Gymnasium. Ein Irrsinn eigentlich und immer noch unfassbar. Sämtliche Schulfeste sind natürlich abgesagt, Unterricht findet unabhängig vom ursprünglichen Stundenplan nur von 8:00-12:00 Uhr statt, kein Sportunterricht mehr. Aus sicherer Quelle (sowas wollte ich immer schon einmal schreiben 😎) weiß ich, dass Geschwisterkinder gleich eingeteilt werden. Also werden sie wenigstens gemeinsam in diese komische Welt gehen. Ich bin schon sehr gespannt, was sie erzählen werden. Rebecca trifft morgen erstmals eine Freundin wieder und freut sich sehr darauf.

Beim Heim fahren am Abend waren die Öffis heute deutlich voller als die letzten 7 Wochen, aber immer noch kein Vergleich zu früher. Dieser Geister Stadt Grusel Effekt könnte wegfallen, wenn nicht alle maskiert wären. Ich schwöre: daran gewöhne ich mich nie! Weder bei den Anderen noch bei mir. Heute Abend hatte es 20 Grad draußen, ich komme um unter dem Ding. Heute Morgen war es deutlich kühler, Grund genug für die Bim einzuheizen. Same procedure as every year, ich dachte mich trifft der Schlag! Sorry, Herr Bundeskanzler, die neue Realität ist die meine nicht!

3. Mai 2020

3 freie Tage hinter uns und gleichzeitig waren es die ersten 3 Tage in Freiheit nach 45 Tagen Ausgangsbeschränkungen. Ich habe die Zeit genützt und war am 1.Mai den halben Tag faul im Bett. War auch einmal angenehm.

In Wien waren Viele so begeistert von ihrer neuen Freiheit, dass sie demonstrierten oder in Massen Rad fahren waren. Es gab massiv viel Polizei, auf Twitter wird von einem neuen Polizeigewalt Video berichtet, die Bilder sind deutlich, aber man weiß halt nie, was vorher war. In Berlin wurde ein Kamerateam von einer ZDF Satireshow krankenhausreif geprügelt. Die Emotionen, die wochenlang zuhause eingesperrt waren, treffen auf andere und explodieren. Das wird auch nicht besser in nächster Zeit, wegen Arbeitslosigkeit usw. Ich war bewusst nicht groß unterwegs, mir haben die Massen auf der Straße beim Einkaufen am Samstag gereicht. Wir waren heute ein bisschen spazieren, und gut ist es.

Es gibt abseits von Corona auch wieder Nachrichten. Der Garten meines Vaters zum Beispiel gleicht einer Steppenlandschaft, es gab einfach keinen Regen in diesem Frühjahr. Er nimmt es sportlich: dann muas i ned Rasen mähen. Schnee hatten wir das 2. Mal in Folge Null in Wien. Bei der Abrechnung werden manche Eigentümer jammern, dass die Schneeräumung für Null Aufwand zu teuer ist. Da es diesen Winter auch nicht richtig kalt war, brauchten sie nicht einmal nennenswert Streusplitt.

Ja und die Sensation der Woche: HC Strache tritt bei der Wien Wahl als Bürgermeister Kandidat an. Also im Prinzip war das schon seit Wochen klar, aber jetzt ist es offiziell. Ich würde mich in Grund und Boden schämen nach Ibiza, aber der arme Mann wurde unter Drogen gesetzt blablabla. Ich finde das deutlich schlimmer als die Kandidatur von Herrn Lugner damals, aber was will man erwarten in einer Welt, in der Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten ist.