29.07.2020

Damit ich dieses Datum auch einmal verewigt habe: meine Mutter hat heute Geburtstag.

Ich werde nach der Arbeit kurz vorbei schauen, eine andere Art des Treffens gibt es nicht. Schon vor Jahren hat sie beschlossen, nichts mehr feiern zu wollen, keinen Geburtstag, keinen Muttertag, kein Weihnachten.

Ich kann mich erinnern, dass ich zu ihrem 40er eine Überraschungsparty organisiert habe. Ich bin den ganzen Tag in der Küche gestanden, habe mir sehr viel Mühe gegeben und Abends hat sie dann gemeint, dass sie sowas nicht mehr braucht. Weil die ganzen falschen Gesichter, die nur immer zu Feiern kommen, gehen ihr am Arsch vorbei.

Irgendwie erklärt diese „verpatzte“ Feier unser Verhältnis ganz gut: ich gebe mir Mühe sie nicht zu enttäuschen und enttäusche sie. Ich versuche ihr eine Freude zu machen und enttäusche sie. Irgendwann mit Mitte 30 hatte ich die Erkenntnis, dass es völlig egal ist, was ich tue, ich werde nie die Tochter sein, die sie sich gewünscht hat. Seither lebt es sich leichter für mich.

Einzig schade finde ich, dass sie ihre eigenen Enkel das letzte Mal vor 3? Jahren gesehen hat. Die haben mehr Bezug zur Oma in Deutschland mit der sie Video telefonieren als zu meiner Mutter, die in der gleichen Stadt lebt. Aber instinktiv ist es besser so, sie kann leider viel Gift streuen, selbst erlebt.

Happy Birthday, Mama!

7 Kommentare zu „29.07.2020“

  1. Zu der Zeit, in der meine Eltern dem Kontakt zu meinem Sohn eine feste Basis hätten geben können, also vor gut 20 Jahren, waren sie anderweitig beschäftigt. Wir sind zu jung, um Großeltern zu sein. Oder auch: Seht zu, wie ihr eure Kinder groß kriegt, mussten wir auch. Und fort waren sie, verreist. Mein Sohn hat nicht einmal bei ihnen übernachtet.

    Vor einigen Jahren beklagten sie sich bei mir, dass mein Sohn sich nicht bei ihnen meldet. Sie haben alles richtig gemacht, davon sind sie überzeugt. Bis heute. Es hat nicht den geringsten Sinn, mit ihnen darüber reden zu wollen. Ihre Vorwürfe habe ich mir verbeten. Ihnen erklärt, dass sie großes Glück haben. Normalerweise breche ich zu jedem Menschen sofort den Kontakt ab, der sich gegen meinen Sohn stellt … ab da war Ruhe.

    Liebe Grüße.

    Gefällt 2 Personen

    1. Man erntet was man sät!
      Bei mir ist es etwas anders, als späte Mutter sind meine Eltern eben nun schon über 70. Meine Mutter wird heute 72 und ist leider chronisch krank. Sie schafft es nicht die Kinder um sich zu haben. Aber mein Vater gleicht das super aus.
      Liebe Grüße aus Wien!

      Gefällt 2 Personen

  2. Deine Mutter-Erfahrungen, besonders was die eigene Existenz als fortlaufende Enttäuschung betrifft, decken sich mit meinen. Auch ich hab irgendwann aufgehört, etwas richtig machen zu wollen. Meinen Frieden hab ich mit ihr gemacht, doch was ich für sie tue, mach ich aus Verantwortungsgefühl heraus. Wahre Nähe wird es nicht geben und interessiert mich auch nicht mehr.

    Gefällt 2 Personen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s