Freude verloren

Ich muss das jetzt schnell los werden um die Gedanken zu sortieren. Mir scheint, dass ich durch die Anspannung der letzten Monate meine Fähigkeit zur Freude verloren habe. Ich war immer ein emotionaler Mensch, Skorpion durch und durch. Wenn ich Grund zur Freude habe, renne ich grinsend durch die Gegend. Ich fühle das auch körperlich, es kribbelt überall, ich bekomme rote Wangen. Und das wurde auch nicht anders, als ich älter wurde.

Aber jetzt? Es ist so anders, dieses Gefühl ist einfach weg. Ich habe die Wohnung zugesprochen bekommen und war erstmal nur erleichtert. Ja klar, ich habe ja noch keinen Mietvertrag, aber ich kenne mich anders. Gestern habe ich eine offizielle, finanzielle Zuwendung bekommen. Ich habe das im Dezember eingereicht und nie was gehört, ich habe also nicht mehr damit gerechnet. Ich war überrascht, weil ich es jetzt einfach am Konto gesehen habe. Ich habe Rechnungen bezahlt und die Übersiedlung ist nun gesichert. Aber abends habe ich trotzdem geheult, wie ein Schlosshund. Wenn ich mich freue fühlte sich das immer anders an.

Heute habe ich ein Jobangebot bekommen. Privat, durch Mundpropaganda, als Hausverwalter, also, das was ich wirklich kann. Dem Arbeitgeber ist bekannt, warum ich in meiner alten Firma nach 17 Jahren gekündigt wurde und er will mich trotzdem sprechen. Ich bin fassungslos, überfordert und vieles anderes. Aber Freude fühlte sich anders an,…..

12 Kommentare zu „Freude verloren“

  1. Deine Reaktion ist völlig normal. Vielen geht es so. Es wird nur totgeschwiegen. Obwohl ich keinerlei Sorgen habe, spüre ich diese Stimmung. Viele sind depressiv. Diese Zeit tut den Menschen nicht gut. Versuch zu meditieren oder andere positive Gedanken zu finden. Mir hilft die Natur. Das draußen sein und das abschotten von den Vermummten und der Panikmache. Aber im Berufsleben kann man das leider nicht. Seit Mai vergangenen Jahres lese ich keine Zeitungen mehr und höre kein Radio. Das zieht alles nur runter. Ich wünsche Dir Gelassenheit und inneren Frieden. Trotzdem. Oder gerade deswegen. Herzliche Grüße Lore

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  2. Ich denke es ist einfach Überforderung.
    Erst eine Misere nach der Nächsten und jetzt so viel Glück auf einmal. Damit muss man erst einmal klar kommen. Warte ab, das Gefühl wird sich einstellen. Wenn du erst in der Wohnung stehst mit dem Schlüssel in der Hand…
    So schnell kann das Herz dem Verstand nicht folgen oder umgekehrt. Es wird, lass dir Zeit…
    Alles Liebe, Nati
    P.S. Ich freue mich sehr für dich/euch. 🍀

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    1. Ja, überfordert bin ich auf jeden Fall! Ich versuche mir auch vorzustellen, wie das in der neuen Wohnung wird, wenn alles an seinem Platz ist. Aber das sind rationale Gedanken, die Gefühle dazu fehlen irgendwie. Danke und auch dir alles Liebe!

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      1. Ich denke es ist völlig normal wenn man eine ganze Weile nur funktioniert hat.
        Die Tränen haben zumindest schon einmal etwas gelöst in dir und der Rest kommt Stück für Stück nach. 🍀
        Danke dir.

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  3. Ich zähle mich auch zu den eher emotionalen Menschen dieser Welt. Ich habe selbst erlebt, wie ich nicht mehr „so wie sonst“ fühlen konnte, weil alles einfach zu viel war.
    Mein Umfeld hält mich (wie auch ich mich) für den Fels in der Brandung und doch wurde der Untergrund mal über einen längeren Zeitraum unterspült.
    Gerade, wenn sich manches wieder löst und erste Erleichterung einsetzt, dann erst machen bei mir die Schleusen auf (zu einem Zeitpunkt, an dem ich mich eigentlich sonst freuen würde). Dann scheint mein Unterbewusstsein zu wissen, dass es sich jetzt mal melden darf. Klingt esoterisch, meine ich aber nicht so. Ich halte es für eine Schutzfunktion des Körpers/Geistes. Das muss irgendwann mal raus.
    Wenn sich das Leben dann Stück für Stück wieder neu zusammensetzt und irgendwann wieder Routine da ist, dann ist man wieder mehr „ich selbst“.
    Corona als kollektiver Ausnahmezustand trägt auch noch dazu bei. Auch wenn mir das bewusst ist, fürchte ich mich ein wenig, was mir „nur“ nach Corona so alles zu schaffen macht. Nicht vorstellbar, was du gerade erlebst.

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    1. Vielen Dank für deine Worte! Ich habe noch einiges vor mir, gerade der Umzug macht mir Sorgen. Aber ich weiß, dass es irgendwann wieder Normalität geben wird und ich denke mir auch schon länger: wenn einmal alles überstanden und erledigt ist, dann muss ich aufpassen in keine Depression zu schlittern.

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