1 Jahr Pandemie

Seit Wochen wird in den Medien der Jahrestag der Pandemie beschrieben. Für mich war das einerseits der 13.03.2020 die Pressekonferenz, wo quasi alles begann und andererseits der 16.03.2020, der erste Tag im kompletten Lockdown und mein Beginn der täglichen Aufzeichnungen hier. Ein Jahr später habe ich es an keinem der beiden Tage geschafft aktuell zu schreiben. Ich bin oft so ausgelaugt und müde, dass ich keinen geraden Satz raus bringe, geschweige denn einen ganzen Text.

Ich sitze also nach dem 1. Corona Jahr in meiner neuen Wohnung und frage mich immer noch, wie ich allein die Übersiedlung überhaupt geschafft habe. Natürlich kann ich mich an diese Tage der kompletten Erschöpfung erinnern und gewisse Schmerzen habe ich immer noch. Aber es erscheint mir wie ein Wunder, dass es wirklich funktioniert hat. Dass sich, wie so oft, eins ins andere gefügt hat. Ich habe immer noch kein Wasser in der Küche, aber zumindest der Herd funktioniert schon. Die Kinder gehen, coronabedingt mehr oder weniger regelmäßig, zur Schule. Sie haben ihre Schularbeiten geschrieben, wir haben mitten im Chaos dafür gelernt. Ich habe den Keller schon 2x umgeräumt, nächste Woche werden wir die Fahrräder holen. Es fühlt sich noch nicht nach Alltag an, aber das liegt auch an dieser ganz speziellen Zeit.

Ich war am Friedhof (Foto) und habe der Tochter meines Ex geholfen die Blumen zu entfernen. Die Urnenbestattung war eine gute Idee, er liegt jetzt seinen Eltern zu Füßen. Wir haben kurz geplaudert, sie kämpft mit ihren Gefühlen. Sie redet gern mit mir, ich bin die letzte, die ihren Vater genauso gut kannte, wie sie selbst. Es ist ein komisches Gefühl dieses Grab zu besuchen, wo ich dabei war, als seine Eltern begraben wurden. Wo ich bei der Pflege mitgeholfen habe soviele Jahre. Er hatte ein Ritual: bevor er ins Ausland geflogen ist, hat er seine Großmutter besucht. Ich war oft mit ihm da.

Ich habe einen Floh im Ohr betreffend meine berufliche Zukunft. Es gibt den Beruf des Freizeitpädagogen. Man wird zur Betreuung der Kinder im Hort (am Nachmittag nach der Schule) ausgebildet. Die Ausbildung dauert 2 Semester und wird angeblich vom AMS gefördert, besonders für 50+ Menschen. Da ich meine komplette Schulzeit Lehrerin werden wollte, würde sich hier zum Schluss der Kreis schließen. Noch ist es nur so eine Idee, aber darüber nachzudenken gefällt mir.

Der Frühling hat mit Minusgraden und Schneefall begonnen. Das nervt gewaltig, aber die Tage werden länger und bald wird es auch wieder wärmer. In den ersten 4 Wochen hier am neuen Standort habe ich schon unzählige schöne Sonnenaufgänge gesehen. Der Blick aus dem Fenster fesselt mich immer noch. Derzeit gibt es Gleisbauarbeiten zu sehen und zu hören, aber es stört mich einfach gar nicht. Ich höre keine Menschenmassen, quietschende Autos oder Motorräder, wie am Mexikoplatz und das ist wunderbar!

Eingewöhnung

Langsam nimmt die Wohnung Form an. Auch nach 2 Wochen habe ich mich nicht an diesen grandiosen Ausblick gewöhnt. Aus dem Fenster zu schauen ist zu jeder Tages- und Nachtzeit genial. Gerade in kleinen Wohnungen schaut man gern aus dem Fenster. Wenn man dann statt einer Hausfront in die Ferne schaut, kann das was! Wir sprechen mittlerweile die Ansagen der U4 mit 😎

Ich war bei Ikea, weil ich dringend Möbel für die Küche brauchte. Nur das Notwendigste um den Herd und die Spüle anzuschließen. Wir mussten in die SCS, nur dort waren die Teile lagernd. Ich war erschüttert, wie es dort zuging! Vor Ikea eine Schlange von über 100 Leuten, die nachher drinnen Probe sitzen oder liegen und herum schlendern. Das mag ich schon ohne Pandemie nicht. Meine Begleitung habe ich draußen gelassen, er war noch nie im größten Einkaufszentrum weit und breit. Er hat nachher erzählt, dass es viele Schlangen gab, z.B. vor Zara. Nach 30 Jahren in Hamburg wollte er ein Matjesbrötchen kaufen, hat aber wegen der Menschentrauben bei Nordsee aufgegeben. Interessant auch, dass bei Ikea mit Securitys Menschen gezählt und gestoppt werden, im Bauhaus aber nicht. Dort habe ich dann 2 Arbeitsplatten erstanden. Zum Glück habe ich jetzt ohnehin kein Geld mehr um mich irgendwo anstellen zu können.

Die Kinder haben sich schnell eingewöhnt! Sie schlafen viel besser und ich habe das Gefühl, dass sie sich wohl fühlen, trotz dem Chaos hier. Wir haben nebenbei für Geotest und Englisch SA (Rebecca) und Mathe SA (Raphael) gelernt. Auch das hat gut geklappt. Der Ausblick auf den Bahnhof beim Lernen lässt mich viel ruhiger sein. Sie haben schon Freunde besucht von hier aus, der Weg ist halt länger. Rebecca ist zum 1. Mal mit Umsteigen U Bahn gefahren und auch das funktioniert tadellos. Der große Innenhof mit Spielplatz wurde auch schon eingeweiht. Rebecca hat mich auf allen Einkäufen begleitet und kennt jetzt alle Supermärkte hier, nicht unpraktisch.

Am Mittwoch habe ich mir eine Auszeit gegönnt. Ich war den ganzen Tag bei meiner Freundin. Wir saßen eingewickelt in Schaffell und Decken in der Sonne und haben gequatscht. Es ist unfassbar wichtig solche Momente zu haben und abends war ich ausnahmsweise nicht total erschöpft, sondern angenehm müde. Ich schaffe es mittlerweile 6 Stunden am Stück zu schlafen. Auch das ist extrem angenehm!

Jetzt wird die Küche aufgebaut, nächste Woche muss ich den Keller umräumen und praktikabel schlichten. Und zum Augenarzt. Vielleicht noch zum praktischen Arzt wegen Knie und Gallsteinen.