OP und Impfung

Der Ausblick fasziniert mich immer noch täglich. Hier kann ich den Kindern nachschauen auf dem Weg zum Bus. Mittlerweile sind die Bäume schon so grün, dass ich nur noch ihre Schatten sehe. Wenn die Sonne scheint. Trotzdem ein schönes Ritual, dass mich an meine Kindheit erinnert. Meine Mutter hat meinem Vater auch immer nach gewunken. Oder sie wollte sicher gehen, dass er weg ist, wer weiß?

Das Projekt Entfernung Gallstein ist am 02.06. zu Mittag erledigt und ehrlich gesagt hätte ich mit dieser Schnelligkeit nun doch nicht gerechnet. ich war in der Chirurgie eines kleinen überschaubare n Ordensspitals, weil ich mich nicht in eine der Bettenburgen legen wollte. Da ich den Stein 2013 schon einmal (halbherzig) los werden wollte und damals vom Chirurgen angeblafft wurde, habe ich wieder mit Widerstand gerechnet. Aber anscheinend sind die 3 cm nun ausreichend und ich bekam einen Termin zur Terminvereinbarung . Der Chirurg super freundlich und super jung fragt mich, ob ich schon am 2.6. könnte, sie hätten da eine Lücke. Ich höre in den Medien derzeit, dass nun alle wegen Corona verschobenen Eingriffe nachgeholt werden und dachte mit viel Glück geht sich das im Herbst aus. Geistesgegenwärtig habe ich zugeschlagen und der Termin ist günstig, weil die Kinder ab 3.6. 4 Tage frei haben und ich so weniger fehle. Heute habe ich die OP Freigabe erhalten: 2,5 Stunden warten für 5 Minuten Gespräch, naja. Ich habe es geschafft 1,5 Jahre Pandemie ohne Nasenabstrich hinter mich zu bringen, heute war dann Prämiere. Hat aber nur kurz gekitzelt. Aufgrund der vielen Termine die letzten Wochen war ich allerdings ohnehin nahezu durchgängig PCR getestet. Wien gurgelt ist da ein großartiges Konzept!

Überhaupt befinde ich mich derzeit in den Gesundheitswochen, es ist mir tatsächlich gelungen einen Impftermin zu ergattern. In einer schlaflosen Nacht letzte Woche, habe ich wie so oft das Impfportal geöffnet und siehe da: die Risikopatienten waren wieder einmal frei geschaltet. Endlich einmal macht mein Übergewicht irgendwie Sinn und am 16.06. erhalte ich meinen ersten Stich. Ich habe mich noch nie so sehr auf eine Impfung gefreut. Ich habe einfach einen heiden Respekt vor dieser Krankheit. Termin beim Orthopäden wegen des Knies ist ebenfalls vereinbart. Da muss Rebecca mit, weil sie laut Schularzt Einlagen braucht. Sie hat heute ihre erste Brille abgeholt. Glücklicherweise war sie sehr begeistert von einer Fassung, deren Kosten die Krankenkassa übernimmt.

Den Mai haben wir in der Steiermark ausklingen lassen, das Wetter bescheiden, wie schon diesen ganzen Frühling. Es hätte aber auch noch öfter regnen können. Nach 9 Monaten wieder einmal ein Wochenende bei diesen lieben Menschen. B. hat mir nach meiner Kündigung in großer Not geholfen, das werde ich nie vergessen. Ich genieße unsere Gespräche immer sehr, ihr Leben erscheint mir aufregender als so manches Buch. Beinahe hätte ich die Zeit zum Heimfahren übersehen. Wäre vielleicht besser gewesen, den Raphael der Zeit seines Lebens das Auto fahren nicht verträgt hat das leider zum ersten Mal eindringlich gezeigt. Zum Glück waren wir in der Nähe einer Raststätte, kurz mal Auto putzen, frische Luft tanken, die Kinder beruhigen und weiter fahren. Da ich B‘s Auto erst am nächsten Tag in ihre Garage stellen musste, gab es zuhause noch eine extra Reinigung.

Ich sollte wohl zum Ende kommen, sonst liest das am Ende kein Mensch mehr. Aber so ist das, wenn man sich schlaflose Nächte verkürzt. Außerdem neige ich ohnehin zum schwafeln, meine Tochter sagt schon oft:“ Mama, bitte nur eine kurze Erklärung“ Apropos Rebecca: die kleine Maus ist 11 geworden. Es ist so unglaublich, langsam wird sie immer weiblicher, es ist faszinierend.

08/15

Im Zuge einer Dokumentation nach dem Tod von Hugo Portisch bin ich auf dieses Buch gestoßen. Zur Einweihung der verlängerten Büchereijahreskarte habe ich es mir am 1. Tag der Öffnung nach dem Ostlockdown in Wien geholt. 1954 erschienen, superkleine Schrift, 1 Million Seiten, 100 Kilo schwer. Kurz war ich unsicher, ob das was wird mit uns. Aber der neuen Lesebrille sei Dank geht es gut voran. Das Buch fesselt mich, obwohl mich der militärische Alltag in einer Kaserne im Jahr 1938 bisher nicht wirklich interessiert hat. Es ist ein gutes Gefühl mich seit den mächtigen Turbulenzen im Vorjahr wieder einmal in einem Buch zu verlieren. 08/15 war von klein auf eine gängige Redewendung für mich, dass dies eigentlich eine Bezeichnung für ein Maschinengewehr ist, war mir neu.

Am 2.05. wurde der Osterlockdown, der in den Ostlockdown überging in Wien und Niederösterreich beendet. Das Burgenland hat früher geöffnet. Rebecca geht seit 2 Wochen im Schichtbetrieb zur Schule, Raphael seit 3 oder 4 Wochen (ich habe den Überblick verloren) jeden Tag. Vorarlberg hat seit zig Wochen allerhand inkl. Gastro offen, ich schwöre, ich kenne mich nicht mehr aus. Ist auch egal, ich gehe sowieso nirgendwo besonders hin. Seit Wien gurgelt teste ich regelmäßig, super unkompliziert, super schnell, bisher immer negativ. In Tirol sind über ein Jahr nach Ischgl nun doch 2 Politiker zurück getreten. Es gibt einen neuen Skandal, aber hier wird im Wochentakt irgendwas bekannt, man stumpft ab mit der Zeit. Hätte ich nicht gedacht, ich habe mich immer schon für das politische Geschehen interessiert, aber diese Zeit hinterlässt auch in diesem Sinn spuren. Als letzte Woche die 9. (!) Frau in diesem Jahr umgebracht wurde, wurde eilig ein Sicherheitsgipfel einberufen. Da werden dann Dinge besprochen, die es längst geben sollte, es ist schwierig.

Mir ist eingefallen, dass ich in meiner Kindheit eine Frau kannte, die am Tag der Scheidung vom Ex umgebracht wurde. An sie habe ich schon lange nicht mehr gedacht. Offensichtlich bin ich aufgrund der Arbeitslosigkeit geistig unterfordert, denn an R., der heuer so plötzlich verstorben ist, denke ich auch immer wieder.

Ich hatte einen Termin, sogar Face to Face in einer Organisation, die mit dem AMS zusammen arbeitet und Wege finden soll, dass Menschen wieder einen Job finden. Ich habe meine Idee der Umschulung vorgetragen und die Dame war Feuer und Flamme. Wenigstens hat sie nicht gleich Nein gesagt, wir werden beim nächsten Termin (telefonisch) die erforderlichen Schritte erörtern. Ich bin vorsichtig optimistisch.

Am Montag war ich endlich bei der Hausärztin und habe die Überweisungen für Ultraschall Galle und Leiste bekommen. Das Knie muss der Orthopäde anschauen. Sie hat mir auch eine Bescheinigung für Risiko wegen der Corona Impfung ausgestellt. Zu meinem Kommentar, dass sich das Übergewicht jetzt 1x im Leben auszahlt, hat sie (selbst gut gebaut) gegrinst. Sehr aufgeregt habe ich sofort meine Anmeldung beim Impfservice korrigiert, aber natürlich keinen Impftermin erhalten,…. Ich werde verständigt,….

Heute war ich also beim Ultraschall und auf dem Weg dorthin ist mir eingefallen, dass ich bereits 2 Einladungen zur Mammographie verfallen lassen habe. Es wäre also sinnvoll, wenn ich schon in so ein Institut fahre auch das gleich zu erledigen. Siehe da, die E Card war auch tatsächlich frei geschalten und konnte das erledigt werden. Die Brust ist ok, es liegt kein Leistenbruch vor (weitere Abklärung beim Orthopäden) und der Gallstein hat den Arzt entzückt, na bumm, der ist groß. Mittlerweile habe ich im Befund gesehen, dass er 3,2 cm groß ist und da meine Hausärztin die Überweisung in eine chirurgische Ambulanz gleich geschrieben hat, ist das der nächste Weg. Vorher wird wieder gegurgelt,….