Herausforderungen

Schon lange habe ich keinen fast durchgängigen Regenbogen mehr gesehen. Da sind wir schon bei der ersten Herausforderung: das Wetter! Jahreszeitenbedingt macht es, was es will und spielt mehrmals am Tag alle Stückeln. Das gewinnt massiv an Bedeutung, wenn du vor dem Mittagessen mit den Kiga Kindern in den Garten gehen willst und bang die Wolken studierst. Diese Woche hatten wir im Hort Glück. Das ganze Haus (Kiga und Kleinkinder) waren schon draußen ab 14 Uhr. Wir beginnen da aber erst mit der Hausaufgabenstunde. 20 Minuten später ging die Welt unter, Starkregen, Blitz, Donner und Alle mussten wieder rein, während wir uns das trara gleich erspart haben.

Der Job an sich ist auch sehr fordernd. Es ist so krass anders, als alles, was ich die letzten 30 Jahre gemacht habe. Und trotzdem auch so unendlich befriedigend. Ich war jetzt schon 2x morgens eine gute halbe Stunde ganz allein mit den ganz Kleinen. Mittlerweile kennen mich die meisten Kinder im Haus und es läuft ganz gut. Ansonsten bin ich vormittags bei den 3-6 Jährigen und ab und zu habe ich jetzt schon kleine Arbeitsaufträge mit ihnen gemacht. Am wohlsten fühle ich mich aber im Hort bei den 6–10 Jährigen, es war einfach die richtige Entscheidung. Keine im Haus möchte mit mir tauschen, aber für mich passt es! Auch mein australischer Kollege ist top, wir ergänzen uns richtig gut. Beim Abholen von der Schule hat mich heute eine Lehrerin angesprochen, ob ich die Sylvia bin. Weil N. so viel von mir redet, nur positiv, ich sei die Beste der letzten 2 Jahre. N. Ist in der 4. Klasse, hat ständig die Klappe offen, hinterfragt alles (aber mit guten Argumenten) und ist trotzdem eher liebenswert, als unangenehm dabei. So ein Kompliment von einer 10 Jährigen macht echt große Freude. Diese Woche kann ich auch erstmals sagen, dass das Knie deutlich belastbarer ist und ich hoffe wirklich das bleibt so.

Mein Endgegner sind definitiv die Finanzen. Die Mindestsicherung wurde die letzten beiden Monate wieder jeweils um 600 Euro zu wenig überwiesen. Das Spielchen spielen wir jetzt zum 3. Mal. Das AMS meldet den Kindsvater ab, die MA40 reduziert die Überweisung, wir melden wieder an, die MA40 zahlt nach. Üblicherweise dauert das 6 Wochen, jetzt sind sieben Wochen um und mir fehlen immer noch 1.200 Euro. Jetzt wird das Amt gänzlich verwirrt sein, weil ich wieder ein Einkommen habe. Aber der größte Ärger ist grad das Finanzamt. Vor ein paar Wochen bekomme ich eine Einladung zu einer ärztlichen Untersuchung für den Sohn. Es soll geprüft werden, ob sein Autismus noch vorhanden ist und die erhöhte Kinderbeihilfe somit gerechtfertigt ist, oder nicht. Der Termin war 3 Tage nach meiner OP und ich hätte ihn besucht, wenn nicht gerade an dem Tag beide Kinder Antigen positiv gewesen wären. Ich habe den Arzt schriftlich und mündlich informiert. Auch die Behörde, die den Termin ausgeschrieben hat. Alles kein Problem, sie bekommen einen neuen Termin, das dauert halt. Heute wurde die Kinderbeihilfe für die Tochter überwiesen, für den Sohn nicht. Es wurde nicht die Differenz zur Erhöhung gestrichen, sondern sein komplettes Kindergeld, als ob er nicht mehr existieren würde! Jetzt fehlen mir zusätzlich 300 Euro, was besonders bitter ist, weil die Kinder im Mai und Juni Geburtstag haben. Ich bin es gewohnt am untersten Limit zu leben, aber diese Steine, die ständig noch zusätzlich im Weg stehen, machen die Sache langsam ziemlich trostlos.