Sommer 2022

Auf einmal ist Sommer und wir stecken in der ersten Hitzewelle. Aktuell um 23:37 Uhr draußen 18 Grad und drinnen 27. Aus diesem Grund hat Raphael eine drastische Entscheidung getroffen und seine schönen, langen Haare auf 2mm reduziert. Ich war so schockiert, dass ich die Tränen nicht verbergen konnte. Vor mir stand ein völlig fremdes Kind. Kurz war er verunsichert um mir dann mit seinen knapp 11 Jahren tröstend zu flüstern:“Mama, die wachsen bei mir ur schnell.“ Mittlerweile ist er super glücklich, weil die aufwendige Pflege weg fällt und er wirklich nur positives Feedback bekommt.

Später an dem Tag hatte ich 38 Grad Fieber. Ich habe so gut, wie nie Fieber und das erklärt dann wohl meine Gefühlsduselei. Mein erster Urlaubstag im neuen Job und ich habe eine fiese Verkühlung. Zum Glück PCR negativ. Geblieben ist jetzt noch der Husten (wie immer), aber alles besser als Corona (geht immer noch im Kiga/Hort um) oder diese lästigen Infektionen, wie Mund-Hand-Fuß oder Mengina (?), jedenfalls diese meldepflichtigen Krankheiten, die im Job unsere kleinen Gäste und Kolleg:innen reduzieren. Die Personalknappheit rauscht seit gefühlt Jahren durch die Medien, ist aber in echt noch viel schlimmer als dargestellt. Immerhin habe ich dadurch im Haus jetzt wirklich jede Arbeit kennen gelernt. Küchendienst ist auch nicht schlecht und fast, wie zuhause. Kaum ist der Geschirrspüler in Betrieb, ist die Waschmaschine fertig.

Das Sozialamt hat nach 3 Monaten fertig gerechnet, nachgezahlt und gleich ausgerechnet, dass mein Einkommen zu gering ist und ich weiterhin unterstützt werde. Mal sehen wie lange das diesmal passt. Das Finanzamt hat anerkannt, dass mein Sohn noch lebt, nachgezahlt und vorerst nur die Unterstützung für den Autismus gestrichen. Die ärztliche Überprüfung war aber mittlerweile schon und eine Bestätigung der Autismusbegleitung habe ich auch bereits erhalten, sollte also passen.

Meiner Mutter geht es immer gleich schlecht, sie wird immer weniger, ist aber geistig voll da. Schwer das in Worte zu fassen. Mein Bruder und mein Vater pflegen sie. Mein Bruder ist seit 40 Jahren Epileptiker und ich habe meiner Mutter letztens versprochen mich um ihn zu kümmern. Eigentlich selbstverständlich, aber ich glaube, sie musste es hören. Mein Vater hat 3 Herzinfarkte hinter sich und leider jetzt die Diagnose Prostatakrebs. Als absolutes Papakind seit ich denken kann, habe ich das zur Kenntnis genommen und direkt ganz weit hinten in meinem Bewusstsein verdrängt. Er selbst ist guter Dinge, dass der Krebs rechtzeitig erkannt wurde und mittels Bestrahlung in den Griff bekommen werden kann. Jetzt stehen erstmal etliche Folgeuntersuchungen an.

Die Kinder haben noch 3 echte Schultage und nächste Woche nur noch Ausflüge. Das Schuljahr ist geschafft und sie haben wieder einmal unglaubliche 9 Wochen Ferien vor sich. Diesmal kann ich nur 1 Woche mit ihnen verbringen, mehr Urlaub habe ich einfach noch nicht. Mittlerweile ist ihnen alles Recht, solange sie ausschlafen können und nichts lernen müssen.