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Gespräch

Über eine Stunde dauerte das Gespräch zwischen der Beratungslehrerin/Schulpsychologin und mir im Beisein der Lehrerin. Die Arme, blutjung, hat das erste Mal eine eigene Klasse, ist in Raphaels I-Klasse die Sonderpädagogin und extrem bemüht. Aber je mehr ich erzählt habe, umso mehr ist sie im Sessel versunken. Komischerweise ging es in dem Gespräch sehr viel um mich bzw. eben die Situation zuhause. Die Psychologin, die meinen Sohn letztes Jahr ein paar Mal bei sich hatte und ein Asperger Syndrom vermutet, hat gesagt, dass Raphael außergewöhnlich begabt ist, er hat mehrere Begabungen (der IQ, den sie vermutet hat mich ziemlich schockiert) und sie ist schon sehr neugierig auf das Ergebnis der Entwicklungsdiagnostik. Es ist völlig normal bei solchen Kindern, dass sie motorische oder andere Defizite haben. Raphael kann die Autorität seiner Lehrerinnen nicht akzeptieren, er macht nicht was sie sagen (zumindest nicht ohne Protest) und argumentiert dabei wie ein Erwachsener. Sein soziales Verhalten ist nicht angepasst und dann hat er einen Vater zuhause, der ohne Regeln und Grenzen lebt. Eine ungünstige Konstellation. Mich sollte er auch nicht als Vorbild nehmen: ich arbeite 40 Stunden/Woche, ernähre die ganze Familie damit so recht und schlecht, geh einkaufen, mach den Haushalt und kümmere mich um die Kids. Sehr einseitig dieses „Zusammenleben“ und ob die Kinder wirklich verstehen was Eltern WG heißt ist fraglich. Auch für meine Tochter ist das nicht günstig zu sehen, dass der Mann im Haus eigentlich nur macht, was er will, wann er will.

Es wird also Zeit für Veränderung mit aller Konsequenz, der Weg dahin wird schwer und ich habe mich entschieden mir Hilfe zu holen. Also erstmal für mich, dass ich weiterhin stark sein kann, für mich und meine Kinder.

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Anruf

Heute war so ein richtig echter Montag, das einzig schöne war der Sonnenschein, ein Mega Sommer endet in einem Mega Altweibersommer. Das Telefon läutet von 9:00 – 11:00 gefühlt durchgehend. Ich bin seit 1 Woche für 3 Arbeitsplätze inkl. meinem zuständig, d.h. Wenn es um die Häuser meiner Kollegin um meine Häuser oder um einen Wasserschaden geht, bin ich dran. 2 Kolleginnen übernehmen die Anrufe, die Post und was man ihnen halt so zusätzlich sagt. Gerade steht die eine mit einem akuten Problem vor mir – heute um 14:00 Uhr werden Unterlagen gebraucht und es ist 11:15 – läutet mein Handy. Ich geh sofort hin, weil ich damit rechne, dass Rebecca mit der Gipshand nicht zurecht kommt. Es ist die Lehrerin von Raphael, ich denke OMG, jetzt ist er auch noch krank.

Die Lehrerin erklärt, dass Raphael aus disziplinären Gründen sofort abgeholt werden soll, er hat sich heute Vormittag mit 3 Lehrern angelegt und jetzt reicht es. Na bumm, ein 7 Jähriger in der 3. Schulwoche der 2. Klasse des Unterrichts verwiesen. Normal wäre noch bis 13:00 Uhr Schule. Da mir im Büro ja nicht langweilig ist rufe ich um 11:17 und um 11:19 den Vater der Kinder an. Wie so oft nicht erreichbar. Ich lasse alles stehen und liegen, fahre selbst in die Schule und bete, dass der Hort ihn früher nimmt.

Mein Sohn wirkt nicht sonderlich zerknirscht, steht extra (aber nicht alleine) am Gang. Er muss sagen was war, flüstert vor sich hin, letztlich erzählt die Lehrerin, sieht dass ich unter Druck stehe, entschuldigt sich. Aber ich muss das verstehen, wir wollen das gleich am Anfang in den Griff bekommen. Wir sollen extra ein Gespräch ausmachen.

Ich hetze in den Hort, störe bei der Teambesprechung, frage ob Raphael schon früher kommen darf, krank ist er nicht, aber Ungehorsam. Ja klar kein Problem. Heute Abend erzählt er, dass er lange alleine in der Kanzlei sitzen musste, auch wie andere Kinder schon da waren.

Ich hetze zurück ins Büro, frage die Kollegin um 12:30, das war irgendwas wichtiges vorhin, oder? Achja die Papiere bis 14 Uhr, naja ging sich ja aus.

Ich warte seit 6 Monaten und 4 Tagen auf einen Termin zur Entwicklungsdiagnose im Autismus Zentrum Wien, weil im 1. Schuljahr dieser Verdacht bei Raphael geäußert wurde. Da das Geld knapp ist, muss ich mit Krankenschein arbeiten, privat ginge wohl schneller. Und Asperger Syndrom ist ja auch nicht unbedingt lebensbedrohlich, aber langsam hätte ich gern gewusst, wie ich meinem Sohn den Schulalltag angenehmer gestalten kann, ohne dass er immer mit dem Kopf gegen die Wand rennen muss. Komischerweise geht er mit eigenen Worten gern zur Schule und mag die Lehrerinnen (Außer Religion).

Übrigens kam um 16:00 der Anruf des Vaters der Kinder: du hast angerufen?

Aufregung

Der Plan heute war um 13:00 Wohnungsübernahme, danach ein zukünftiges Haus anschauen, gemütlich heim fahren, dann in Ruhe einkaufen, um 18:00 mit der Mutter von Raphaels Freund auf einen Kaffee und um 19:00 die Kinder von Geb. Party abholen. Gefeiert hat Raphaels „Verlobte“, ein blonder Engel, der am gleichen Tag wie er im gleichen Krankenhaus entbunden wurde! Ihre Mutter lag mit mir im Zimmer, ich hab das allerdings vergessen. Vor 3 Jahren kam sie in Raphaels Kiga Gruppe und die Mutter konnte sich an mich erinnern. Seither sind die Beiden unzertrennlich und gehen nun auch in die gleiche Schule und die gleiche Klasse. Als auch Rebecca auf der Einladung stand hab ich mich noch gewundert, fand das aber voll nett und passt.

Wie das so ist mit Plänen und erstens kommt es anders als man zweitens denkt:

Statt 13 Uhr Termin Verschiebung 14 Uhr – Ok, ich hatte ohnehin mehr zu tun als der Tag Stunden hat. Um 14 Uhr vor Ort, leider immer noch nicht fertig, halbe Stunde überlegt, dann Lösung gefunden. Ok mittlerweile fast 15 Uhr, normal am Freitag Schluss mit Arbeit. Aber ich habe Chefin Hausbesichtigung versprochen, wir brauchen die Fotos nächste Woche, egal mach ich halt weiter. Um 16:30 endlich zuhause, jetzt ist nix mehr mit „in Ruhe“, wie geplant, ich muss ja noch einkaufen und dann um 18 Uhr treffen zum Quatschen. Um 17:10 betrete ich das Einkaufszentrum, wo auch die Geb.party statt findet und der Vater vom Geb. Kind ruft an. Ganz schlecht, wenn die Party von 16-19 Uhr dauert. Rebecca ist gestürzt und weint seit 10 Minuten. Ohne sie noch gesehen zu haben, weiß ich, da stimmt was nicht. Meine Kinder sind beide nicht wehleidig. Rebecca ist völlig fertig, am Arm ist nichts zu sehen aber sie weint und weint. Der Vater will sein Auto holen und uns ins Spital bringen, ich will die Party nicht sprengen und entscheide die Rettung zu rufen. Für Raphael organisiere ich die Heimfahrt, der Vater der Kinder zum Glück zuhause. Quatschtermin absagen, Schuhe und Jacke von Rebecca holen. Kurzfristig verliere ich die Nerven, ich finde ihre Sachen nicht. Dann fällt mir ein Geb Party Kinder haben die Sachen woanders. Wieder zurück zu ihr, sie weint immer noch. Ich frage ob das weinen nicht anstrengend ist, vielleicht will sie ihre Kräfte schonen, sie hört tatsächlich auf. Nach 20 Minuten kommt endlich die Rettung. Die Sanitäter sind extrem nett und gehen voll auf die Kleine ein. Ich bin wieder überfordert, im indoor Spielplatz ist es Hölle laut, mit dem linken Ohr versuche ich der Erstversorgung zu folgen, mit dem rechten Ohr muss ich Fragen zu unseren Daten beantworten. Um 18:10 raus zum Rettungsauto, dort positiv überrascht, ich darf zwischen 2 Krankenhäusern wählen, ich nehme das in der U Bahn Nähe. Nach kurzer Fahrt dort angekommen, ein langer Weg, wir gehen durch eine völlig überfüllte Unfallambulanz, inkl. verletzter Polizist und 5 Kollegen. Zum Glück gehen wir nur durch, da ich in 8 Jahren als Mutter genau 3 mal mit den Kids im Krankenhaus war, weiß ich nicht, dass dieses eine Kinder Ambulanz hat. Rebecca flüstert, ob ich die Polizei gesehen habe, Ja Polizisten werden auch krank,..

Dann der übliche Krankenhaus Mist. Rebecca erzählt ihre Geschichte in Zimmer 1, die Frau dort schreibt mit, 30 Minuten später erzählt sie die Geschichte in Zimmer 5 wieder, die neue Frau schreibt wieder mit! Dann zum Röntgen, diese Frau fragt nichts, dann wieder vor Zimmer 5. Mittlerweile ist es 20 Uhr, wir warten auf die Diagnose. Der Arm ist knapp oberhalb des Ellbogens gebrochen und wird gegipst. Da der Vater vom Geb.kind so nett war uns zu holen und heim zu bringen, sind wir gegen 21 Uhr zuhause.

Fazit: der Tag lief anders als geplant, aber ich war genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort und habe die richtige Entscheidung getroffen. Das Kind mit dem gebrochenen Arm privat zu transportieren hätte ihr unnötig Schmerzen bereitet.

Nachwuchs

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Meine junge Kollegin, die im Jänner geheiratet hat, ist seit 8 Uhr im Krankenhaus, die Geburt wurde eingeleitet. Wir mögen sie Alle sehr, ich mag sie besonders. Die Hochzeit war sehr schön, die Beiden sind einander innig verbunden, er ist der Bruder ihrer besten Freundin. Das Baby, dass wahrscheinlich heute noch schlüpft, war bei der Hochzeit schon als kleine Stecknadel im Bauch dabei. In meinem Leben lief/läuft so einiges nicht rund und ich finde es einfach super schön, dass bei ihr alles so harmonisch ist. Der Nachwuchs wird ihr Leben auf den Kopf stellen, aber sie werden auch das ganz sicher topp schaffen. In diesen Tagen denke ich oft an die Geburt meiner Kinder, in welchem Glücksrausch ich war, als ich endlich mit knapp 40 Jahren schwanger wurde. Als ich eine Woche nach dem Geburtstermin immer noch keine Wehen hatte und die Kleine geholt wurde. Als ich 4 Monate nach der Geburt feststellte, dass ich schon wieder schwanger war. Die gesamte 2. Schwangerschaft habe ich allein verbracht, nur mit der kleinen Schwester und dem Baby im Bauch. Heute lebe ich mit dem Vater der Kinder in einer Eltern WG unter einem Dach, aber ich bereue nichts. Mein Lebenstraum eigene Kinder zu haben wurde erfüllt und dafür bin ich ewig dankbar. Derzeit kommen die Kinder morgens aus ihren Betten, noch warm vom schlafen und kuscheln sich an mich und meinen Kaffee und erzählen von Träumen, dem neuen Tag oder was sie anziehen möchten. Ich wünsche meiner Kollegin viel Kraft für die Geburt und dass die jungen Eltern viele glückliche Momente mit ihrem Baby haben!

Regen?

Wir warten hier alle auf den erlösenden Regen, nach der 5. Hitzewelle des Jahres und nach 31 Tropennächten in Wien. Ich habe eine Woche Arbeit nach dem Urlaub hinter mir und bin schon wieder urlaubsreif,… Es macht halt auch keinen Spaß bei 30 Grad im Büro (um 8 Uhr morgens) zu schwitzen. Ab Mittag ist denken Glückssache. Der Telefonhörer klebt am Ohr und ich stottere:“Na, wie heißen diese Dinger am Boden, am Rand, ahja: Sesselleisten“

Die Kinder haben noch eine Woche Galgenfrist bis die Schule beginnt. Und damit der Alltag und die tägliche Sorge, ob eh alles passt, die Aufgabe erledigt ist und Beide alles haben, was sie brauchen. Auf in den Herbst und in ein neues Schuljahr!

Urlaub 2018

Als ich im Frühling festgestellt habe, dass ich erst ab 30.7. in Urlaub gehen kann, war ich frustriert. In den letzten Jahren waren die heißen Badetage immer im Juni und Juli zu finden. Aus diesem Frust habe ich mir zum ersten Mal nach über 15 Jahren 3 Wochen Urlaub gegönnt – was soll ich sagen: ich bin in der Urlaubshalbzeit und so tiefenentspannt, wie schon lang nicht mehr! Während ich im Juni äußerst widerwillig in der alten Donau war, habe ich das Wasser heute mehr als angenehm empfunden. Gefühlt waren die Kinder den ganzen Tag im Wasser, so wie gestern und morgen und überhaupt. Und während ich normalerweise morgen die Tage bis Montag (Arbeitsbeginn) zählen würde, liegt noch eine volle Urlaubswoche vor mir! Grenzgenial!

Handyman

Als mein Handy letzte Woche im Büro am WC auf den Fliesenboden gefallen ist, habe ich am Geräusch erkannt, dass das teuer wird. Ich hab also gegoogelt, Preise verglichen, 3 Geschäfte beim Büro abgeklappert und bin dann doch zuhause beim „Handy Vienna“ gelandet. Ich kenne das Geschäft seit Jahren vom vorbei gehen. Drinnen war der Eigentümer selbst, lautstarke türkische Musik (?), er am telefonieren, im ersten Moment wollte ich gleich wieder gehen. Es stellte sich heraus, dass der Mann Alles hat und Alles kann. Ich zögere wegen dem Preis für das Original Display und entscheide mich für den Nachbau. Er holt es aus dem Lager, legt es neben mein 6 Monate altes Handy und zögert. Ich kann richtig sehen wie ihn der Gedanke schmerzt das Gerät so zu verunstalten. Er kann mir 20 Euro nachlassen wenn er Jemand findet, der ihm das alte Display abkauft. 10 Minuten und 3 Telefonate später haben wir einen Deal. Das war noch lang nicht alles, er klebt mir eine Schutzfolie über die Splitter, weil er mich damit nicht heim gehen lassen kann! Pfeif auf die 10 Euro sagt er im Wiener Dialekt! Am nächsten Tag während der Reparatur erzählt er von seinen Projekten, 2018 hat er in Uganda geholfen eine Moschee zu bauen, 2017 hat er in Sri Lanka im Dorf Ziegen verteilt, davon können sie leben dort. Ich sehe die Bilder zu seinen Worten im Internet und denke mir, während in Europa wieder die Grenzen eröffnet werden und irgendwo Lager errichtet werden, geht der Handyman einfach hin und hilft!