Archiv der Kategorie: Alltag

Mama Hero

 

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Wenn es in Wien, ob angesagt oder nicht, mehr als 10 cm schneit, geht die Welt unter. So auch heute am 01.02.2017, wo kein Mensch mehr Schnee braucht, schon gar nicht in der Großstadt. Also heute 20 Minuten auf den Bus gewartet, der nicht gekommen ist. Kaum zu glauben, dass ich vom innerstädtischen Bereich in Wien spreche. Aber ich kenne das ja schon, also rein in einen Leihwagen. Dieser ist mit 15 cm Neuschnee beladen, im Auto kein Besen, kurzerhand das Pannendreieck zum abkehren genommen. Langsam wird die Zeit knapp (obwohl wir ursprünglich zu früh dran waren), denn ich muss erst in den Kindergarten und dann zur Schule- Aber mit dem Auto sind wir trotz Schneechaos in 5 Minuten im Kindergarten und dann wurde ich zum Mama Hero.

Eine junge Frau versucht verzweifelt aus einem Parkplatz zu kommen, aber sie ist vorne und hinten vom Schnee blockiert. Ich stelle die Kids am Gehsteig ab und schiebe das Auto hinten an. Zum Glück ist die Lady schlau und lässt den Wagen immer wieder vor und zu zurück rutschen, mit Schwung schaffen wir es nach einigen Versuchen. Ich bin nicht ausgerutscht dabei und sie hat mich auch nicht mit Schnee verschüttet. Sie bedankt sich lautstark und herzlich, aber das war nichts gegen den Anblick meiner Kinder, als ich mich umdrehe. Sie stehen da mit großen Augen und offenen Mündern: “ Wouw Mama, bist DU stark!“

In solchen Momenten könnte ich platzen vor Freude, weil diese Emotion der Kinder so offen und ehrlich ist. Rebecca hat mich mit 4 Jahren gefragt, warum wir Haare waschen müssen. Ich erzähle, dass die Haare schmutzig werden auch, wenn man das nicht so offen sieht, wie bei den Fingern. Aber die Haare werden staubig und fettig und man muss sie eben rechtzeitig waschen. Damals hat sich mich bewundert gefragt, warum ich soviel weiß. Ich genieße diese Augenblicke, weil ich natürlich weiß, dass ich nicht alles weiß. Aber in den Augen der Kinder bin ich immer wieder Mama Hero!

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Straßenbahngeschichten

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Wien ist anders, so steht es schon an der Ortseinfahrt. Als Ureinwohnerin kann ich nur bestätigen, dass dieser fremdenverkehrstechnisch markige Spruch tatsächlich stimmt.

Oder ist bei Euch in der Gegend schon oft eine Straßenbahn gestohlen worden? Als ich die Nachricht das erste Mal gelesen habe, konnte ich es nicht glauben. Aber es war tatsächlich so. Als der Dienst habende Straßenbahnfahrer von seiner Pinkelpause zurückkommt, ist sein Zug weg. Der Dieb konnte nur durch Abschalten des Stromkreises 2 Haltestellen später gestoppt werden. Es war eine entlassener ehemaliger Fahrer, der sich nichts dabei dachte. Ja, so geht`s zu in Wien.

Da ich leider seit 3 Jahren kein Auto mehr habe, bin ich tagtäglich in den Öffis unterwegs und kann daher auf meinen Wegen durch die Stadt nicht über Langeweile klagen. Allerdings fände ich den größten Stau im eigenen Auto immer noch bequemer, als die täglichen Erlebnisse in der Straßenbahn.

Vor vielen Jahren als ich noch allein im 10. Bezirk gewohnt habe, musste ich auf dem Heimweg, täglich, gute 20 Minuten mit der Straßenbahn bis zur Endstation nachhause gefahren. Das war geradezu einladend für ein kleines Nickerchen zwischendurch. Immer wieder bin ich rechtzeitig vor der Endstation aufgewacht, aber einmal eben nicht. Der Zug hat sich geleert und ich war immer noch im Land der Träume. „ENDSTATION! AUSSTEIGEN!“ hat der Fahrer mir zärtlich ins Ohr gebrüllt und mein Herz hat bis zur Wohnungstür gebraucht um sich zu beruhigen.

Rebecca war ca. 3 Jahre alt, als wir in einer Straßenbahn eine voll verschleierte Frau (inkl. Handschuhe) gesehen haben, und sie lautstark gefragt hat:“ Mama, warum ist die Frau verkleidet?“

Diese Woche bin ich im Außendienst gegen 9:00 Uhr in eine Straßenbahn eingestiegen, die sehr voll war. Üblicherweise warte ich dann den nächsten Zug ab, aber zum Warten war mir zu kalt. Ich hatte nur meine Handtasche mit, kein schweres Gebäck, keine Kinder, nur ich, als mich eine junge Frau fragte:“ Möchten Sie sich setzen?“ Die Gefühle, die mich schlagartig getroffen haben, waren vielfältig:
Wie nett und höflich, dass es sowas noch gibt
OMG, bin ich echt schon sooo alt, dass ich das gefragt werde?
Oder schaue ich nur so aus?

Es war das erste Mal, dass ich aufgrund meines Alters gefragt wurde, ob ich mich setzen will und das, obwohl jeder sagt, dass mich die kurzen Haare viel jünger machen. Ich fürchte, ich werde mich daran gewöhnen müssen.

 

 

Dunkelheit

dsc04364So schön der Herbst in seiner Buntheit ist, so sehr graut mir vor dem Dunkel danach. Pünktlich zu meinem Geburtstag am 9. November beginnt das grau-in-grau, die Nebelsuppe und Kälte, jedes Jahr das gleiche, seit bald 46 Jahren.

Morgens, wenn man das Haus verlässt graut der/dem Morgen und Abends, wenn man heim kommt ist es längst Dunkel. Heuer haben wir den Herbst wirklich in vollen Zügen genossen, wir waren mehrmals Drachen steigen, jedes Wochenende draußen, das Wetter war toll und ich habe gedacht, dass die Batterien für die nächste Zeit aufgeladen sind. Aber irgendwie spüre ich diese Melancholie, dieses dunkel in mir und ich bin auch wirklich elendig müde die letzten Tage. Ich würde mich gern ins Bett verkriechen und sagen wir so im März könnt Ihr mich wieder wecken. Wie machen das die Menschen in Norwegen?

Ich mag auch den Winter, solange ich warm genug eingepackt bin, dass ich nicht friere und die Sonne scheint, kann auch diese Jahreszeit schön sein. Danach zuhause ein heißes Wannenbad, Tee, Kekse und ein Buch, was will man mehr? Nur die Wahrscheinlichkeit, dass es gerade an den Tagen, wo ich Zeit habe, das coole Winterwetter gibt, ist halt leider sehr gering.

So bleibt mir nur, wie jedes Jahr, die Kerzen auszupacken, die Keksrezepte zu sortieren, die Brettspiele zu entstauben, die DVD`s zu sortieren und die Tage bis zum nächsten Frühling zu zählen. Die Zeit vergeht eh so schnell, je älter ich werde,…

Tilak beim Arzt

Vor 2 Wochen bin ich mit laufender Nase aufgewacht, über Nacht Schnupfen bekommen. Ok, der Jahreszeit angepasst. Letzte Woche hatte ich 3 Tage übelste Halsschmerzen, dagegen Strepsils genommen, siehe da: Halsweh weg und die Stimme gleich mit!

Gestern war ich zur Sicherheit bei einer Ärztin, eine neue, mein üblicher Arzt und ich werden keine Freunde mehr. Ich krächze ihr entgegen und folgender Dialog findet statt:

Sie: ok, alles klar, Kehlkopfentzündung, 1 Woche mindestens Krankenstand.

Ich: ich geh nicht in Krankenstand!

Sie: was arbeiten sie?

Ich: ich bin Hausverwalterin 

Sie: und da müssen’s nicht reden?

Ich: Oja, aber ich kann das dosieren

Sie schaut erstmal in meinen Hals, stellt fest dass er nur entzunden ist, aber nicht eitrig, also wenn kein Fieber dann halt doch Arbeit, aber Stimmbänder schonen. Sie verschreibt mir Parkemet 500 in einer Dosis, die ich nicht einmal bei Schmerzen nehme, sie wird langsam schnippisch und meint, dass ich wohl bei ihr sei, weil ich ihren Rat wollte.
Wir einigen uns, dass ich es 1 Woche so versuche mit Hals warm halten, wenig reden, viel trinken und wenn die Stimme nächste Woche nicht deutlich besser ist, bekomme ich Krankenstand mit Sprechverbot verpasst! Und das mir, die Selbstgespräche führt und 2 kleine Kinder hat.

Als ich gehe hämmert sie wie wild in die Tasten, ich denke sie schreibt eine Notiz, dass ich schwierig bin und ich verlasse die Ordination mit dem Gefühl keinen neuen Hausarzt fürs Leben gefunden zu haben! Zum Glück bin ich so gut, wie nie krank.

Übrigens lautet die Diagnose meines Sohnes:

Mama, deine Stimmkabel sind krank