Archiv der Kategorie: Menschen

Harmonie

Ich bin ja schon eine Blog Oma und habe in meinen Anfangszeiten auf twoday auch Blogger Treffen organisiert. Damals habe ich B. kennen gelernt. Ab 2009 war dann eine kreative Pause, mein reales Leben hatte mich voll im Griff. Seit kurzem bin ich wieder aktiv und der Kontakt mit B. ebenfalls. Glorreicherweise hat sie nach mehreren „wir sollten uns wieder einmal treffen“ Posts, ein E-Mail geschrieben und das Treffen kam bald zustande. Witzigerweise wohnt sie ganz in meiner Nähe und praktischerweise hat sie einen 6 Jährigen Sohn. Vor kurzem stand ich also mit den Kindern im Schlepptau vor einer fremden Tür und dieses Treffen war einmalig. Die Kinder haben sich begrüßt, wie alte Kumpels, sie haben sich sofort prächtig verstanden und wirklich lieb miteinander gespielt. Ich bin heute noch sprachlos, wie das sein konnte, wo doch so manch andere Treffen mit bekannten Gesichtern weit weniger harmonisch ablaufen. B und ich tratschten ohne Ende, es war wirklich sehr gemütlich. Wir haben beschlossen, dass soviel Harmonie gefördert werden muss und so bin ich ihrer Einladung aufs Land gefolgt und habe das letzte Wochenende sehr genossen. Selbst das Wetter hat mitgespielt, Sonne pur, die Kinder waren trotz Kälte oft draußen, wir hatten 2 Zimmer, 1 Bad und 1 WC für uns allein (mehr Platz als zuhause), das Frühstücksei habe ich mir selbst aus dem Nest geholt! Es wurden Pizza, Kekse und sogar Brot gebacken, wir haben weiße Kängurus gesehen !, viel gequatscht und gelacht und zu guter letzt wurden wir mit dem Auto bis zur Haustür gebracht!

Der kleine Sohn von B. hat meinen Kindern mitgeteilt , dass sie wie Bruder und Schwester für ihn sind, das fand ich schon sehr herzzerreißend, überhaupt ist der Kleine zum Anbeißen! Mir wurde gesagt, dass die Kids sehr gut erzogen sind und wir überhaupt sehr angenehme Gäste wären, die jederzeit herzlich willkommen sind!

Ich finde das einfach toll, in Wirklichkeit habe ich B. erst 3 Mal getroffen aber durch die Schreiberei und das Mitlesen über Jahre fühlt man sich natürlich verbunden und einander nahe. Dies dann auch in real live zu erleben ist aber schon sehr besonders!

unmoralisches Angebot

fit7

Bei uns in Wien gibt es ein berüchtigtes Sexviertel, das Stuwerviertel, vor 10 Jahren konnte dort keine Frau, egal wie alt, egal wie bekleidet, gehen ohne nicht mindestens 2x unsittlich befragt zu werden. Die Nähe zum Prater hat diese Umstände vor ewigen Zeiten eingeleitet und vor dieser Gegend wurden wir Mädels in der ganzen Stadt gewarnt. Mittlerweile wurden Sackgassen und Einbahnen kreiert, der Straßenstrich außer in bestimmten Zonen verboten und die Zeiten haben sich geändert. Dachte ich, aber das Stuwerviertel lebt!

Ich war letzte Woche auf einer meiner Baustellen in eben dieser Gegend, weil der Gasmann kommen wollte. Termin zwischen 09:00 und 10:00 Uhr und weil ich nicht gleichzeitig in 3 Wohnungen sein kann, bin ich auf der Straße gestanden. Ich habe genüsslich eine Zigarette geraucht, da kommt ein älterer Mann vorbei. Langsamer Gang, schneeweiße Haare, sicher weit über 60. Er raunt mir zu, dass das so schädlich ist, was ich mache. Ich antworte fröhlich, dass ich dafür sonst keine Laster hätte, ich trinke z.B. keinen Alkohol. Er wird neugierig und fragt frech, wie das dann mit der Liebe ist. Ich betrachte die Liebe zwar nicht als Laster, aber da mir langweilig und er offensichtlich einsam ist, antworte ich freizügig, dass ich schon länger keinen Sex hatte, weil man dafür mit 2 kleinen Kindern keine Zeit hat. Erstaunt hebt er die Augenbrauen, wir verabschieden uns.

Ich gehe einem Handwerker nach, der aber leider nicht der Gasmann, sondern der UPC Mann ist und merke, dass der ältere Mann nicht weit gegangen ist. Er ist in meine Baustelle gekrochen und hat begonnen in ein Penny Sackerl Holz zu klauben. Auf meine Frage, was er denn da tut, meint er nur schulterzuckend, dass er mit Holz heizt und die Teile von dieser Baustelle eh zu groß sind. Später hat mir der Vorarbeiter erklärt, dass das nichts ausmacht, weil das ohnehin Sperrholz ist, das entsorgt wird.

Jedenfalls kommt der Herr mit seinem Sackerl voll Holz dann noch einmal an mir vorbei und fragt keinesfalls schüchtern: “ Und Sie sind sicher, dass Sie keine Zeit haben?“
Ich habe lachend erwidert, dass ich ganz sicher bin und sein „Schade“ gerade noch gehört, als mein Handy sich gemeldet hat. Was sagt man dazu ? Das Stuwerviertel lebt und da bekommt eine nicht mehr ganz taufrische Frau mitten am helllichten Tag ein unmoralisches Angebot!

Freundschaft

Opa’s Garten
Ich bin die ersten 20 Jahre meines Lebens schüchtern und introvertiert gewesen, eine kleine graue Maus, den Blick zu Boden gerichtet, gesprächig nur unter Leuten, die ich gut kannte.

Danach habe ich mein heutiges Selbstbewusstsein entwickelt und würde mich jetzt als kommunikativ und offen bezeichnen. Dadurch hat sich natürlich auch der Kreis der Freunde erweitert.

Ich pflege ganz unterschiedliche Freundschaften, von meiner besten Freundin, die ich seit der Volksschule kenne zu Internet Freundschaften, wie jener Welser, der uns inkl. Tochter Ende August wieder einmal übers Wochenende besuchen kommen wird.

A. habe ich im Krankenhaus kennen gelernt, ich war in der 41. Schwangerschaftswoche und hatte gerade das Bett neben ihr erobert, als sie direkt vom Kreißsaal kam, 15 Jahre jünger als ich und voller Glückshormone. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden und beschlossen in Kontakt zu bleiben, unsere Töchter (fast gleich alt) sind nun auch Freunde geworden.

Familie kann man sich nicht aussuchen, Freunde schon

Nach diesem Motto haben sich auch einige Freundschaften im Sand verlaufen, manchmal bewusst so gesteuert, bei Einigen weiß ich bis heute nicht, warum der Kontakt abbrechen musste.

Diese Thema ist auch im Kindergarten schon sehr präsent, allerdings gehen die Kleinen damit etwas entspannter um: es gab eine Phase, wo meine Tochter jeden 2. Tag berichtet hat, wer aller keine Freunde mehr sind und wer schon.

Trotz aller mehr oder weniger vertrauten Personen in meinem Leben begleitet mich ein Phänomen seit Anfang an: wenn es um Gefühle geht, meine tiefstes Inneres, dann tu ich mir beim Schreiben viel leichter, als beim Reden!

Ein langes Leben


Gemeinhin wünscht man sich zum Geburtstag alles Gute und ein langes Leben. Als ich mich am 6.7. von der einzigen fast Schwiegermutter, die ich je hatte verabschiedet habe, hat sich der langes Leben Wunsch relativiert. Da lag sie also im Bett, 45 Kilo Restmensch, ein Auge unnatürlich offen und trüb, das andere Auge tränend und zuckend. Wir haben uns seit 5 Jahren nicht mehr gesehen, davor war sie 15 Jahre Teil meines Lebens, erkannt hat sie mich nicht. Damit war zu rechnen, aber, dass ich sie nicht mehr erkennen werde, hat mich doch schockiert! Ich habe ihre Hand unter der Decke hervor geholt und an den Fingernägeln, die Mutter meiner ersten großen Liebe erkannt. 45 Minuten war ich bei ihr, streicheln, reden, beten und nachdenken über den Wunsch für ein langes Leben.