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hast du es dir so vorgestellt?

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nach der Geburt meiner Tochter bin ich das mehrmals gefragt worden:
hast du dir das Mutter sein so vorgestellt?
Einerseits natürlich berechtigt, denn ich habe mir 20 Jahre Kinder gewünscht. Ich glaube der Wunsch wurde geweckt, als ich mit 5,5 Jahren meinen neugeborenen Bruder sah, er war das schönste Baby ever!
Anderseits eine etwas merkwürdige Frage. Wenn man sich ein neues Auto kauft und dann sowas gefragt wird, kann man sagen, ja perfekt oder nein, ich schaue, dass ich das Auto schnell wieder los werde. Das klappt bei der Mutterschaft nicht ganz so.
Mein Kinderwunsch war durch nichts zu erschüttern und heute noch bin ich manchmal fassungslos, wie knapp der Wunsch erfüllt wurde. Immerhin war ich bei der ersten Schwangerschaft schon 40. Und trotzdem mega fruchtbar, wie die 2. Schwangerschaft 4 Monate nach der 1. Geburt beweist.
und nun zur Antwort:
Nein natürlich nicht, denn nichts und Niemand kann dich vorbereiten auf das, was schon während der Schwangerschaft mit dir passiert. Es kann dich nicht einmal die erste Schwangerschaft auf die zweite vorbereiten, denn obwohl ich die Kinder 2010 + 2011 jeweils im gleichen Sternzeichen geboren habe, also zur gleichen Zeit schwanger war, waren die Schwangerschaften so unterschiedlich, wie heute die Kinder.
Auch habe ich mir nicht vorgestellt in einer Eltern-WG zu landen, natürlich habe ich mir eine funktionierende Partnerschaft gewünscht. Denn, wie man es nicht macht, habe ich jahrelang bei meinen Eltern gesehen, die trotzdem heuer 46 Jahre verheiratet sind.
Die Voraussetzungen könnten besser sein, das Geld ist knapp, die Wohnsituation immer noch ungeklärt, aber wir sind irgendwie eine Familie, wir halten zusammen, seit Mama und Papa kein Paar mehr sind, gibt es kaum Streit und ich habe wirklich das Gefühl, dass es den Kindern gut geht.
Ich habe permanent Angst mit meinem 40 Stunden Job zu wenig Zeit mit den Kids zu verbringen, aber ich bin nun einmal der Ernährer, der Alleinverdiener und ich versuche die Zeit, die mir bleibt so intensiv, wie möglich zu nutzen. Wir erzählen jeden Tag beim Abendessen von unseren Erlebnissen auch wenn die Kinder dann mal mit vollem Mund reden 🙂 Wir kuscheln jeden Tag vor dem Einschlafen und natürlich kracht es schon mal, aber streiten will auch gelernt sein.
Aber das Allerbeste, das Schönste und Tollste ist diese bedingungslose Liebe, dieses Vertrauen, dass die Kinder haben und zeigen.
Jede Schwangerschaft und Geburt ist ein Wunder und unsere Kinder sind der größte Schatz auf Erden!
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Indoor Spielplatz 

Was für ein harmloses Wort für einen Ort des Grauens! Dann noch die klingenden Namen Family fun und boggie park in Wien oder happy hop in Tirol. Anfangs dachte ich noch, was für eine feine Idee einen großen Platz für Kinder, wo sie bei schlechtem Wetter toben können. Bis ich das erste mal mitten drin steckte und mir nach 30 Minuten der Kopf brummte. Es ist laut, es ist heiß und es stinkt nach Schweiß und Socken, im Baby Bereich auch schon mal nach voller Windel. Aber wie bei so vielem anderen auch, stehe ich mit meiner Meinung allein auf weiter Flur, die Kids lieben es und bei 2:1 bin ich regelmäßig überstimmt. Wir haben nur ausgemacht, dass wir bei gutem Wetter draußen spielen und so besuchen wir die Lärmhalle höchstens im Winter und zu diversen Kindergeburtstagen.

Da haben wir im Mai bei strahlendem Sonnenschein die sonderbare Erfahrung gemacht, dass der Indoorspielplatz fast leer war und außerdem einen outdoor Bereich eröffnet hat. Es war direkt angenehm dort, die Tore waren offen, eine leichte Brise ging durch die Halle und mein Sohn hat einen „geheimen“ Ort gefunden. Versteckt hinter einem dunklen Durchgang, wo im Winter eine grelle Disko war, war ein Bällebad in schaurig dunkler Beleuchtung und dort war es tatsächlich mucksmäuschenstill!

Meinungsfreiheit?

Ich habe eine strenge Erziehung genossen, meine Mutter vom Land, mein Vater Wiener und Patriarch. Legendär seine Worte: „Die beste Demokratie wäre eine Monarchie mit mir als König.“
Mit 16 war ich erstmals allein im Kino, die Vorstellung erst um 22:00 Uhr zu Ende und danach natürlich gleich nachhause. Ich musste zur Strafe in der Ecke stehen und bei besonders schlimmen Vergehen in der Ecke knien.
Trotzdem durfte ich meine Meinung sagen, habe unzählige Diskussionen mit meinem Vater geführt und wurde eine Person mit eigener Meinung. Durch meine erste Beziehung mit einem fast 20 Jahre älteren Mann, habe ich dann auch gelernt, diese meine Meinung laut zu sagen und zu vertreten. Durch Reisen um die Welt habe ich mein heutiges Selbstbewusstsein entwickelt und in den Jahren nach dieser Beziehung habe ich mich ausgetobt.
Auch, wenn meine Erziehungsmethoden weit entfernt von der „g`sunden Watschen“ der 70er Jahre ist, denke ich, dass ich meinen Kindern eine solide Basis an Liebe, Vertrauen und Kritikfähigkeit mit auf den Lebensweg gebe. Das Resultat werden wir erst später sehen.
In die Welt der modernen Medien mit Handy, Internetzugang rund um die Uhr und überall (ausser im Zug der ÖBB von Jenbach nach Salzburg) und Youtube Videos (wo Amokläufe in Echtzeit übertragen werden) bin ich langsam hineingewachsen. In der Oberstufe in meinem Gym in Wien gab es ein Freifach namens EDV ohne Benotung. Ich nutze diese Medien heute auch, sofern es meine karge Freizeit zu lässt oder mir praktisch erscheint (qando), aber ich kann einfach nicht verstehen, warum manche Menschen denken, dass sie im www Narrenfreiheit haben. Wie kann es sein, dass dort Beschimpfungen bis hin zu Todesdrohungen an der Tagesordnung sind? Das neue Wort, dass ich auch erst lernen musste dafür „shitstorm“ erscheint mir harmlos um manche solcher Texte zu beschreiben. Wie kann ich einen fremden Menschen für seine Meinung derart verurteilen, dass ich ihm den Tod oder etwas ähnlich Schlimmes wünsche? Wer zwingt diese Leute dort zu lesen, wenn sie den Inhalt nicht mögen oder eventuell nicht verstehen? Ich bin viel zu unwichtig und viel zu wenig präsent um jemals einem solchen Angriff ausgesetzt gewesen zu sein, aber in verschiedenen kleinen Foren habe ich solche Auseinandersetzungen schon mit gelesen.
Und es drängt sich mir der Gedanke auf, dass es um die viel geliebte Meinungsfreiheit im world wide web nicht weit her ist!