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Good bye Mitch!

Heute war also der letzte Arbeitstag meines Kollegen. Bei seiner Kündigung hat er gleich dazu gesagt, dass er uns am 9.9. besuchen wird, weil er sich von den Hort Kindern verabschieden möchte. Es wäre unfair einfach nicht mehr zu kommen. Also machen wir an diesem Tag das Abschiedsfest.

Diese Woche hatten wir den niedrigsten Personalstand, seit ich dort arbeite. Somit war es mir nur am Montag vergönnt, noch einmal mit ihm zusammen zu arbeiten. Wobei die Arbeit im Kiga anders ist als im Hort. Trotzdem ist mir sofort wieder diese Harmonie aufgefallen, ich beginne einen Handgriff und sehe im Augenwinkel, dass er ihn zu Ende machen wird. Wir sind im Garten und ich denke, dass wir eine Trinkstelle eröffnen sollten und er sagt:“ I‘m going to the kitchen, we need water.“

Im Praktikum habe ich ihn als freundlich und witzig kennen gelernt. Ansonsten war ich auf die Pädagogin konzentriert, die mir Aufgaben gegeben hat. Als ich im April zu arbeiten begonnen habe, kannte ich natürlich grob die Grundsätze, war aber trotzdem unsicher. Als Quereinsteigerin mit 50+ Er hat mich vom ersten Tag an aufgebaut und unterstützt. Ich war erst 2 Wochen davor im Knie operiert und er hat anfangs sehr oft die Kinderabholung gemacht.

Es gibt im ganzen Haus kein Kind, das ihn nicht liebt. Er tröstet, er schlichtet Streit, er wickelt, er verarztet. Immer auf Augenhöhe mit den Kindern. Dabei hat er als Snowboarder und Ski Lehrer vor 7 Jahren in Tirol Österreich kennen gelernt. Jetzt geht es also zurück nach Australien. Ich wünsche ihm von Herzen alles Gute! Und werde ihn selbst im Herzen tragen. Es gab wenige Menschen bisher mit denen ich derart gut harmoniert habe.

Schlaflos

Jetzt wohnen wir seit 17 Monaten hier, aber an diesem wunderbaren Ausblick kann ich mich immer noch nicht satt sehen. Die Wohnung ist viel zu klein, der Lift war jetzt 3 Wochen außer Betrieb, wir haben weder Geschirrspüler noch Waschmaschine, aber die Lage direkt an Schnellbahn und U-Bahn und der Ausblick sind genial!

Seit meiner Jugend habe ich schlaflose Phasen. Ich kann mich erinnern, dass ich mit 15 in der Nacht aus dem Fenster auf den Wilhelminenberg geschaut und mich gefragt habe, was nach dem Tod kommt. So lästig das ist, weiß ich mittlerweile, dass es irgendwann wieder besser wird. Und sei es nur aus Erschöpfung. Trotzdem habe ich mich gestern lange gefragt, warum die Polster, die meistens super bequem und handlich sind, in solchen Nächten einfach nicht und nicht passen wollen.

So wurde mir neulich Nacht bewusst, dass ich als einzige Kollegin von 15 Personen, seit 11.4. kein einziges Mal krank war. Und ich bin bei weitem die Älteste im Haus. Und sie waren wirklich krank. Naja, es gibt wahrscheinlich auch nicht viele Menschen, die 17 Monate Arbeitslosigkeit für 2 OPs und eine Umschulung nutzen.

Mein Vater hat letzte Woche seine Bestrahlung begonnen. Ich habe jeden Tag an ihn gedacht, mich aber nicht nachfragen getraut. Wenn er nicht anruft, passt es halbwegs. Gestern rief er an und erzählte, dass ihn die Nebenwirkungen am Wochenende wie ein Blitzschlag getroffen haben. Ich habe ihm von meiner Vogel-Strauß-Taktik erzählt und er hat gelacht.“Jo eh! Wenn’s Oarsch is, möd i mi scho!“

Mein australischer Kollege im Hort hat gekündigt, weil er zurück nachhause geht. Die Nachricht hat mich sehr getroffen, seit Wochen träume ich von seinem Abschied. Ich habe ihm einmal gesagt, dass ich noch nie in meinem Leben einen Mann, wie ihn kennen gelernt habe. Was vermutlich daran liegt, dass ich keine australischen Männer kenne. Unsere Zusammenarbeit war derart harmonisch, dass es fast unheimlich war. Oft haben wir ohne Absprache das gleiche Ziel verfolgt. Wenn ich eine Arbeit begonnen habe, hat er sie zu Ende geführt. Dazu kommt, das es wirklich kein einziges Kind im ganzen Haus gibt, dass ihn nicht liebt! Wenn er vorbei kommt um Hallo zu sagen, läuft die halbe Gruppe zu ihm. Das mag an seiner ruhigen Art liegen. Oder, weil er der einzige Mann im Haus ist. Am Freitag ist sein letzter Tag, aber er kommt am 9.9 sich von den Hort Kindern verabschieden. Und da derzeit auch kaum Personal da ist, machen wir seine Abschiedsfeier auch da. Ich habe lange überlegt, was ich ihm schenken soll. Ich werde einen Stein bemalen. Auf einer Seite die australische Flagge, auf der anderen die österreichische. Es werden Tränen fließen!

Abseits dieser persönlichen Befindlichkeiten, habe ich das ungute Gefühl, dass wir uns gesellschaftlich auf sehr dünnem Eis bewegen. Corona war irgendwie nur der Anfang. Heuer ist der 3. Corona Sommer, wir hatten die erste Sommer Corona Welle und irgendwie interessiert es gefühlt keinen Menschen mehr. Seit 1.8. gibt es in Österreich keine Maßnahmen mehr, seit die Tests kostenpflichtig sind, wird kaum noch getestet, und positiv Getestete ohne Symptome sollen/dürfen arbeiten gehen. Und zur Schule. Parallel dazu haben in meinem Umkreis sehr Viele sich infiziert, übrigens Alle mit Symptomen. Aber derzeit beschäftigt uns die Inflation als Auswirkung des Ukraine Krieges deutlich mehr. Die Preise für geschätzt Alles klettern in rasender Geschwindigkeit in ungeahnte Höhen. Müßig zu erzählen, dass ich 1000 Euro ! Stromnachzahlung habe. Spätestens im Herbst wird es soziale Unruhen geben, sagen Experten. Nicht nur hierzulande, denn ganz Europa ist betroffen.

Und da habe ich die Klimakrise noch gar nicht erwähnt. Der Neusiedlersee (das Meer der Wiener) ist am Austrocknen, das Grundwasser sinkt, manche Parks hier erinnern an eine Steppenlandschaft.

Das wurde jetzt ein bisschen lang, aber wie eingangs erwähnt -> schlaflos

Sommer 2022

Auf einmal ist Sommer und wir stecken in der ersten Hitzewelle. Aktuell um 23:37 Uhr draußen 18 Grad und drinnen 27. Aus diesem Grund hat Raphael eine drastische Entscheidung getroffen und seine schönen, langen Haare auf 2mm reduziert. Ich war so schockiert, dass ich die Tränen nicht verbergen konnte. Vor mir stand ein völlig fremdes Kind. Kurz war er verunsichert um mir dann mit seinen knapp 11 Jahren tröstend zu flüstern:“Mama, die wachsen bei mir ur schnell.“ Mittlerweile ist er super glücklich, weil die aufwendige Pflege weg fällt und er wirklich nur positives Feedback bekommt.

Später an dem Tag hatte ich 38 Grad Fieber. Ich habe so gut, wie nie Fieber und das erklärt dann wohl meine Gefühlsduselei. Mein erster Urlaubstag im neuen Job und ich habe eine fiese Verkühlung. Zum Glück PCR negativ. Geblieben ist jetzt noch der Husten (wie immer), aber alles besser als Corona (geht immer noch im Kiga/Hort um) oder diese lästigen Infektionen, wie Mund-Hand-Fuß oder Mengina (?), jedenfalls diese meldepflichtigen Krankheiten, die im Job unsere kleinen Gäste und Kolleg:innen reduzieren. Die Personalknappheit rauscht seit gefühlt Jahren durch die Medien, ist aber in echt noch viel schlimmer als dargestellt. Immerhin habe ich dadurch im Haus jetzt wirklich jede Arbeit kennen gelernt. Küchendienst ist auch nicht schlecht und fast, wie zuhause. Kaum ist der Geschirrspüler in Betrieb, ist die Waschmaschine fertig.

Das Sozialamt hat nach 3 Monaten fertig gerechnet, nachgezahlt und gleich ausgerechnet, dass mein Einkommen zu gering ist und ich weiterhin unterstützt werde. Mal sehen wie lange das diesmal passt. Das Finanzamt hat anerkannt, dass mein Sohn noch lebt, nachgezahlt und vorerst nur die Unterstützung für den Autismus gestrichen. Die ärztliche Überprüfung war aber mittlerweile schon und eine Bestätigung der Autismusbegleitung habe ich auch bereits erhalten, sollte also passen.

Meiner Mutter geht es immer gleich schlecht, sie wird immer weniger, ist aber geistig voll da. Schwer das in Worte zu fassen. Mein Bruder und mein Vater pflegen sie. Mein Bruder ist seit 40 Jahren Epileptiker und ich habe meiner Mutter letztens versprochen mich um ihn zu kümmern. Eigentlich selbstverständlich, aber ich glaube, sie musste es hören. Mein Vater hat 3 Herzinfarkte hinter sich und leider jetzt die Diagnose Prostatakrebs. Als absolutes Papakind seit ich denken kann, habe ich das zur Kenntnis genommen und direkt ganz weit hinten in meinem Bewusstsein verdrängt. Er selbst ist guter Dinge, dass der Krebs rechtzeitig erkannt wurde und mittels Bestrahlung in den Griff bekommen werden kann. Jetzt stehen erstmal etliche Folgeuntersuchungen an.

Die Kinder haben noch 3 echte Schultage und nächste Woche nur noch Ausflüge. Das Schuljahr ist geschafft und sie haben wieder einmal unglaubliche 9 Wochen Ferien vor sich. Diesmal kann ich nur 1 Woche mit ihnen verbringen, mehr Urlaub habe ich einfach noch nicht. Mittlerweile ist ihnen alles Recht, solange sie ausschlafen können und nichts lernen müssen.

Herausforderungen

Schon lange habe ich keinen fast durchgängigen Regenbogen mehr gesehen. Da sind wir schon bei der ersten Herausforderung: das Wetter! Jahreszeitenbedingt macht es, was es will und spielt mehrmals am Tag alle Stückeln. Das gewinnt massiv an Bedeutung, wenn du vor dem Mittagessen mit den Kiga Kindern in den Garten gehen willst und bang die Wolken studierst. Diese Woche hatten wir im Hort Glück. Das ganze Haus (Kiga und Kleinkinder) waren schon draußen ab 14 Uhr. Wir beginnen da aber erst mit der Hausaufgabenstunde. 20 Minuten später ging die Welt unter, Starkregen, Blitz, Donner und Alle mussten wieder rein, während wir uns das trara gleich erspart haben.

Der Job an sich ist auch sehr fordernd. Es ist so krass anders, als alles, was ich die letzten 30 Jahre gemacht habe. Und trotzdem auch so unendlich befriedigend. Ich war jetzt schon 2x morgens eine gute halbe Stunde ganz allein mit den ganz Kleinen. Mittlerweile kennen mich die meisten Kinder im Haus und es läuft ganz gut. Ansonsten bin ich vormittags bei den 3-6 Jährigen und ab und zu habe ich jetzt schon kleine Arbeitsaufträge mit ihnen gemacht. Am wohlsten fühle ich mich aber im Hort bei den 6–10 Jährigen, es war einfach die richtige Entscheidung. Keine im Haus möchte mit mir tauschen, aber für mich passt es! Auch mein australischer Kollege ist top, wir ergänzen uns richtig gut. Beim Abholen von der Schule hat mich heute eine Lehrerin angesprochen, ob ich die Sylvia bin. Weil N. so viel von mir redet, nur positiv, ich sei die Beste der letzten 2 Jahre. N. Ist in der 4. Klasse, hat ständig die Klappe offen, hinterfragt alles (aber mit guten Argumenten) und ist trotzdem eher liebenswert, als unangenehm dabei. So ein Kompliment von einer 10 Jährigen macht echt große Freude. Diese Woche kann ich auch erstmals sagen, dass das Knie deutlich belastbarer ist und ich hoffe wirklich das bleibt so.

Mein Endgegner sind definitiv die Finanzen. Die Mindestsicherung wurde die letzten beiden Monate wieder jeweils um 600 Euro zu wenig überwiesen. Das Spielchen spielen wir jetzt zum 3. Mal. Das AMS meldet den Kindsvater ab, die MA40 reduziert die Überweisung, wir melden wieder an, die MA40 zahlt nach. Üblicherweise dauert das 6 Wochen, jetzt sind sieben Wochen um und mir fehlen immer noch 1.200 Euro. Jetzt wird das Amt gänzlich verwirrt sein, weil ich wieder ein Einkommen habe. Aber der größte Ärger ist grad das Finanzamt. Vor ein paar Wochen bekomme ich eine Einladung zu einer ärztlichen Untersuchung für den Sohn. Es soll geprüft werden, ob sein Autismus noch vorhanden ist und die erhöhte Kinderbeihilfe somit gerechtfertigt ist, oder nicht. Der Termin war 3 Tage nach meiner OP und ich hätte ihn besucht, wenn nicht gerade an dem Tag beide Kinder Antigen positiv gewesen wären. Ich habe den Arzt schriftlich und mündlich informiert. Auch die Behörde, die den Termin ausgeschrieben hat. Alles kein Problem, sie bekommen einen neuen Termin, das dauert halt. Heute wurde die Kinderbeihilfe für die Tochter überwiesen, für den Sohn nicht. Es wurde nicht die Differenz zur Erhöhung gestrichen, sondern sein komplettes Kindergeld, als ob er nicht mehr existieren würde! Jetzt fehlen mir zusätzlich 300 Euro, was besonders bitter ist, weil die Kinder im Mai und Juni Geburtstag haben. Ich bin es gewohnt am untersten Limit zu leben, aber diese Steine, die ständig noch zusätzlich im Weg stehen, machen die Sache langsam ziemlich trostlos.

Der neue Job

Wie geplant habe ich meinen neuen Job am 11.04. begonnen. Jetzt werde ich oft gefragt, wie es ist und ich finde keine Worte. Es ist so grundlegend anders als alles was ich die letzten 30 Jahre gemacht habe. Es ist überwältigend, fordernd und anstrengend. Und es ist wunderbar. Vormittags helfe ich im Kindergarten aus. Ab 12 beginnt die Arbeit im Hort mit dem Abholen der ersten Schulkinder. Da Einige allein in den Hort gehen, muss auch hier Jemand anwesend sein. Mein Kollege und ich wechseln uns also ab. Das Haus ist bilingual geführt, mein Kollege ist Australier und spricht ausschließlich Englisch. Die Verständigung klappt gut, außer, wenn ich aufgeregt bin. Dann fehlen mir die Worte, aber er spricht dann für mich weiter und hat bisher immer erraten, was ich meine.

Da die erste Woche Osterferien waren, habe ich den ganzen Tag im Kiga verbracht. Allerdings haben wir auch den Hort durch geputzt und uns ausgetauscht. Die Chefin meinte, der „soft“ Start könnte nicht schaden und da der Personalmangel unerträglich ist, sollte ich so rasch, wie möglich anfangen. Und so kam es, dass ich bereits am 3. Tag die erste halbe Stunde komplett allein in der Gruppe war. Nicht jedes Kiga Kind findet es cool früh morgens von einer Fremden begrüßt zu werden. Mittlerweile kennen mich die Kids und fordern sogar, dass ich bleiben soll, wenn ich in den Hort muss. Und bei den Kleinkindern habe ich sogar einen Fan. Er hat mich ein einziges Mal im Frühdienst gesehen, zwischen 7 und 8, dann bin ich mit den Kiga Kindern gegangen. Er war so angetan, dass seine Mutter mich 3 Tage später gefragt hat, ob ich die Frau Sylvia bin, weil B. so viel von mir erzählt.

Diese Woche habe ich meine Hort Kinder wieder gesehen. Ich habe von Vielen gehört, dass sie sich auf mich gefreut haben. M. sagt, dass das die beste Hortwoche seit langem war und selbst die Chefin hat gemeint, dass es schon ewig nicht mehr so ruhig war im Hort. Ich kann das natürlich nicht beurteilen und eine gewisse Unruhe gibt es immer bei 22 Kindern in einem Raum. Aber ich freue mich natürlich. Für mich ist alles so neu, als komplett Quereinsteigerin sowieso. Ich habe 2x mit der gesamten Gruppe gearbeitet (Gruppenangebot), nächste Woche werde ich einmal die gesamte Gruppe und 1x die Viertklässler versammeln. In 9 Wochen beginnen die Ferien und 7 Kinder verlassen uns.

Körperlich ist es grenzwertig, die kleinen Sessel im Kiga sind suboptimal für das Knie, die Stufen in den ersten Stock auch nur semi. Oft krieche ich um 16 Uhr nachhause. Aber noch habe ich keine Schmerzmittel genommen ( painkiller finde ich übrigens sehr genial), nur darüber nach gedacht. Ich hoffe, dass das im Lauf der Zeit besser wird.

Arthroskopie

Am 25.3. hatte ich also die OP am linken Knie. Die Tage vorher habe ich hin gezittert, dass nicht abgesagt wird wegen Personalknappheit. Am Tag davor den PCR Test gemacht in der großen Hoffnung negativ zu sein. Mit 2 Schulkindern weiß man es ja nicht. Schlussendlich am Freitag um 11 Uhr nüchtern eingecheckt. Speising ist das orthopädische Krankenhaus in Wien und im Laufe eines Lebens als Wienerin hört man so einiges von dort. Ich kann sagen, dass ich die 23 Stunden dort sehr gut aufgehoben war. Direkt nach der Aufnahme wurde ich in ein eigenes Vorbereitungszimmer gebracht, meine persönlichen Sachen musste ich in einer Box lagern, das kesse OP Hemd anziehen und dann könnte es bis zu 3 Stunden dauern, dass ich geholt werde. Kaum hatte die Schwester ausgesprochen wurde ich geholt. Vor dem OP Bereich habe ich dann eine halbe Stunde gewartet, war aber abgelenkt durch die Kälte dort. Mein Orthopäde ist zufällig Oberarzt in Speising und hat mir mehrmals gesagt, dass er mir nicht versprechen kann, mich persönlich zu operieren. Trotzdem stand er bei der Vorbereitung im grünen OP Style plötzlich vor mir und wir hatten einen unserer spannenden Dialoge.

„Sie wissen ja, dass das Knie komplett kaputt ist und die Arthroskopie nur der Schmerzlinderung dient. Ich werde mich aber sehr bemühen, dass wir das Knie solange wie möglich erhalten. Sind Sie nervös?“ „Ja, sicher! Und Sie?“ Er verneint grinsend und meint, wir sehen uns gleich im OP. Die Schwester schaut mich mit großen Augen an und sagt, dass sie so ein Gespräch auch noch nicht gehört hat, obwohl der Herr Doktor schon lange im Haus ist.

Immer wieder fasziniert mich die große Betriebsamkeit direkt im OP Saal. Kaum angekommen werden Geräte gecheckt, der linke Arm angebunden, ein Zugang gestochen, Fragen gestellt. In all der Action vergisst Herr Martín nicht, dass ich vom warten schon völlig durchgefroren war und bläst mir warme Luft in die gewärmte Decke. Man sollte nicht glauben wie angenehm solche Kleinigkeiten sind. Die Sekunden zwischen wach sein, schwindlig werden und weg sein, hasse ich am Meisten. Ich habe gern die Kontrolle über meinen Körper und Geist. Einer der Gründe warum ich keinen Alkohol trinke. Diese künstliche, traumlose Schwärze mag ich nicht. Sie haben mir eine Stunde genommen, mit der Zeitumstellung am Sonntag sogar zwei.

Kaum im Aufwachzimmer zu mir gekommen, wurde ich schon abgeholt. Kaum im Zimmer angekommen wurde mir Essen gebracht. Kaum mit dem Essen fertig kam die Physio mit den Krücken die ersten Schritte machen. Ich war ehrlich überrascht, dass ich keine Schmerzen hatte. Immerhin hat mir das Knie monatelang weh getan. Jetzt war es stabiler und nur gegen einen Widerstand zu treten war unangenehm. Das gibt sich mittlerweile auch immer mehr. Ich brauchte die Schmerzinfusion weder vom Tagdienst, noch vom Nachtdienst und wurde am nächsten Tag um 10 Uhr entlassen.

Ich bin sehr froh, dass alles so gut geklappt hat. Nächste Woche kommen die Nähte raus und am 11.04. beginne ich, wie geplant meinen neuen Job.

14 Tage Krieg in der Ukraine

Ich verstehe die historischen und globalen Zusammenhänge zu wenig, um die Lage beurteilen zu können. Aber ich verstehe, dass der Krieg 450 km von Wien entfernt ein Horror ist. Mir fehlen die Worte um die Gefühle zu beschreiben. Aber ich mache mir natürlich meine Gedanken. Als wären die Folgen der Pandemie nicht schon schlimm genug, reißt dieser Krieg jetzt die Wirtschaft noch einmal kräftig mit. Ich lese von all den Sanktionen gegen Russland, aber ich erfahre nirgends was es bedeutet dieses Land in den bankrott zu treiben. Abgesehen davon, dass am Meisten die russische Bevölkerung darunter leiden wird. Gott bewahre, man würde uns für unsere Regierung strafen! Und wir haben diese Menschen selbst gewählt. Aber wie sonst gegen diesen absurden Einmarsch vorgehen?

Ich höre überall wie geeint die EU nun vorgeht, dass wir nun endlich Alle an einem Strang ziehen. Ich glaube nicht daran, dass sich jetzt etwas geändert hat oder ändern wird. Für mich hat die Pandemie gezeigt, dass es keine Einigkeit gibt. Ich hoffe sehr, dass das gemeinsame Vorgehen des Westens dazu führt, dass dieser Krieg bald endet. Aber ich fürchte, dass wir erst am Anfang stehen. So, wie damals am Beginn der Pandemie. Ich fühle mich zurück katapultiert in meine Jugend, der kalte Krieg, der eiserne Vorhang, Tschernobyl, alles Dinge mit denen ich aufgewachsen bin.

Und zu all dem unsere Politiker, die alle paar Monate die Jobs wechseln, man kann sich ja schon die Namen nicht mehr merken. Unser Bundeskanzler, Herr Nehammer, der „eine Alternative zu den Menschenrechten“ suchte, als es um die Flüchtlinge in Moria ging. Und jetzt jeden Tag unsere Pflicht zur Nachbarschaftshilfe betont. Oder der Innenminister, der jeden Tag erwähnt, dass man heute nicht mit 2015 vergleichen kann, wo hauptsächlich Männer zu uns gekommen sind. Oder die Landwirtschaftsministerin, die im kurzen Kleidchen einem Scheich gegenüber sitzt. Weil wir jetzt Alternativen zum russischen Gas suchen müssen. Absurderweise beziehen wir 80 Prozent unseres Gasbedarfs aus Russland.

Seit 5.3. sind nahezu alle Corona Beschränkungen gefallen, außer in Wien. Unser Bürgermeister gibt noch (etwas) strengere Maßnahmen vor. Hurra, Corona besiegt. Oder so. Immerhin hatten wir die letzten beiden Tage knapp 50.000 Neuinfektionen. In der Praxis schaut das dann so aus, dass bei meiner Tochter gleichzeitig 5 Schüler:innen positiv sind. Diese und die Ungeimpften sind zuhause und können sich nach 5 Tagen frei testen. Die Anderen haben Regelunterricht inkl. Tests und Schularbeiten. Und 5 Tage lang täglich PCR Tests. Achja und nicht zu vergessen die Impflicht, die seit 01.02.2022 gültig war, aber erst ab 15.03. geprüft/gestraft werden sollte, wurde „ausgesetzt“. Jetzt wundern sich alle, dass wir bei derart hohen Infektionszahlen keine Impfpflicht brauchen. Im Juni, wenn sie dann (vielleicht) im Hinblick auf den Herbst wieder schlagend wird, werden sich auch wieder Alle wundern.

Auch bei mir gibts Neuigkeiten. Ich habe die OP Freigabe für 25.03., da wird die Arthroskopie durchgeführt. Am nächsten Tag darf ich wieder heim, der Arzt meinte, dass die ersten 3 Tage zach sind, dann gehts besser, nach 14 Tagen werden die Nähte gezogen. Das ist mit dem Krankenstand jetzt genauso getimt, weil am 11.04. beginne ich direkt meinen neuen Job in der neuen Branche. In dem Hort in dem ich mein Praktikum gemacht habe! Ich freue mich sehr darauf, zumal die Stelle nun doch schon am 01.03. frei wurde und sie auf mich wegen der OP gewartet haben. Da meine Vorgängerin 40 Stunden gearbeitet hat, muss ich sie voll ersetzen, d.h. bis die Hortkinder um kurz vor 12 geholt werden bzw. kommen, werde ich im Kindergarten mitarbeiten. Das wird alles in allem sehr spannend.

Happy New Year?

Fangen wir mit der guten Nachricht an: ich habe die Prüfung am 23.12. tatsächlich bestanden! Eigentlich kann ich es heute, genau eine Woche später, immer noch nicht glauben. Den Demotest 2 Tage vorher habe ich nicht geschafft, wenigstens konnte ich diese Erkenntnis zuhause in distance gewinnen. Multiple Choice und ich werden in diesem Leben einfach keine Freunde mehr. Wenn tatsächlich alle 4 Antwortmöglichkeiten richtig sind, werde ich immer nervös, weil das in meiner Vorstellung nicht richtig sein kann. Am Prüfungstag dann die Erkenntnis: ich bin einfach zu alt für so eine Action. Prüfungsangst begleitet mich seit meiner Schulzeit und wird auch mit 51 nicht besser, eher im Gegenteil. Direkt nachdem Drücken der enter Taste wirft der Computer das Ergebnis aus -> geschafft! Dann musste ich 2 Stunden auf das Zertifikat warten, mit Übelkeit im Magen und dezent wackeligen Knien. Witzigerweise frage ich mich seit die Erleichterung verdaut ist, welche 6 Fragen ich nun eigentlich falsch hatte.

Die schlechte Nachricht betrifft meine Mutter. Seit ihrem Herzinfarkt im August, erholt sie sich nicht. Vorher schon Jahrzehnte lang chronisch krank, geht es ihr jetzt immer schlechter. Sie hat direkt nach dem Infarkt im Krankenhaus besser ausgesehen als jetzt. Gestern war ich zu Besuch, es tut weh ihr beim Leiden zuzusehen. Ich habe bei weitem keine gute Beziehung zu ihr, aber sie ist meine Mutter. Mein Vater und mein Bruder pflegen sie, meine allergrößte Hochachtung! Ich weiß nicht, wie sie das schaffen. Beim Verabschieden sagt sie dann:“Wenn wir uns nicht mehr sehen,…“ ich habe das auf den Jahreswechsel bezogen, sie meinte es endgültiger. Das und ihre Worte dazu haben mich tief getroffen, wir haben uns weinend umarmt. Dieser Abschied lässt mich nicht mehr los.

YesWeCare

Zum ersten Mal habe ich erlebt, wie so eine Aktion entsteht. Auf Twitter hat ein Tiroler geschrieben, dass es schade ist, dass diese grässlichen Demonstrationen jeden Samstag die Wiener Innenstadt blockieren. Man müsste doch ein Zeichen dagegen setzen können. Daniel Landau hat das aufgegriffen und innerhalb einer Woche wurde die Kundgebung angemeldet, geplant und verbreitet. Gestern um 19 Uhr war es soweit: geschätzte 30.000 Personen haben sich am Ring getroffen und schweigend ein Licht gehalten. In Gedenken der weit über 13.000 Corona Toten und in Dankbarkeit dem v.a. medizinischen Personal gegenüber, welches seit knapp 2 Jahren mitten in dieser Krise steckt. Ich konnte nicht teilnehmen, aber ich habe das Licht am Balkon leuchten lassen. Nach 10 Minuten wurde der Ring für den Verkehr wieder frei gegeben und die Leute sind friedlich wieder heim gegangen.

Ich habe am Wochenende mit dem Sohn Mathe geübt für die Schularbeit morgen, mit der Tochter Gruselgeschichten geschrieben für die heutige Deutsch Schularbeit und nebenbei für meine Prüfung am 23.12. gelernt. Klingt üppig war es auch, gibt ja auch noch Haushalt und Kekse backen. Und den Christbaum haben wir auch besorgt, zum ersten Mal einen lebenden, der im Jänner auf den Balkon übersiedelt. Achja und die letzten 3 Praktikumswochen sind vorbei. Ich habe wieder eine sehr gute Bewertung bekommen, aber viel krasser ist, dass ich mich für einen Job bewerben darf, der ab 01.04.2022 frei wird. Wenn mein Zertifikat passt, möchte mich die Leiterin des Hauses haben. Mal sehen.

Der Orthopäde also eigentlich der Chirurg hat gemeint, dass das Knie nur mit einer OP stabilisiert werden kann, aber ich soll mir nicht zu viel erwarten, das hält nicht ewig. Irgendwann werde ich ein künstliches Knie brauchen. Ich wurde zur OP angemeldet und erhalte direkt eine Nachricht vom Krankenhaus. Mal sehen.

Der 4. lockdown ist vorbei (in Wien hatten wir noch die Osterruhe ist es eigentlich also der 5. gewesen), in Wien dürfen heute auch die Hotels und Restaurants wieder öffnen. Der ehemalige Innenminister, der einmal eine Alternative zu den Menschenrechten gesucht hat !, ist jetzt Bundeskanzler, der ehemalige Bundeskanzler ist nach 52 ! Tagen wieder Außenminister. Ob der Kurzzeit Außenminister wieder in seine Botschaft nach Paris zurück durfte, ist mir nicht bekannt. Der einzige, der offensichtlich gern im Amt war, der Unterrichtsminister wurde ebenfalls ausgetauscht, weil er aus dem falschen Bundesland kam. Die österreichische Innenpolitik ist nur noch zum Kopf schütteln. Viele rechnen mit Neuwahlen im Frühjahr. Mal sehen.

Der 3. Stich

Wenn ich bedenke wie sehr ich im Frühjahr gekämpft habe um den 1. Stich, ist es beinahe witzig, wie leicht es war den 3. Stich zu bekommen. Am 21.11. waren 4 Monate um, also habe ich langsam überlegt wo und wie anmelden für den Booster. Freitag gehe ich runter in die Trafik und falle praktisch über einen Impfbus, der vor der Haustür steht. Eine Stunde später war ich geboostert. Wie immer ohne irgendwelche Nebenerscheinungen. Außer, dass ich 9 Stunden durch geschlafen habe, was mir ewig nicht passiert ist. Durchaus nicht unangenehm.

Seit gestern bin ich wieder im Praktikum. Trotz lockdown, ich war schon überrascht, aber die Begründung war, dass sie mich ja schon kennen. Also kann ich auch wieder kommen, FFP2 müssen derzeit ohnehin Alle tragen und solange die Schulen nicht geschlossen sind, gibt es auch Hort Kinder. Langsam finde ich mich gut zurecht und die Kinder kennen mich mittlerweile. Sie freuen sich auch offensichtlich mich zu sehen. Auch die Kollegen sind super nett, das Haus ist schön, die Gegend mitten im Grünen toll. Ich habe super Glück mit diesem Ausbildungsplatz! Die vor 2 Wochen neu in den Kurs Gekommenen haben die gleichen Anfangsschwierigkeiten, wie wir damals. Organisatorisch ist die Firma eher schlecht aufgebaut. Ist aber auch klar, wenn die Aufträge nur von Fördergebern kommen, am freien Markt müssen sie nicht bestehen. Dazu kommt jetzt der lockdown, selbst die Kindergärtnerin:innen finden derzeit keinen Praktikumsplatz, weil Niemand Externe ins Haus holen will. Ich hatte letzte Woche meine letzte Theorieeinheit, im distance learning, eine schräge Erfahrung. Am 23.12. ist die Prüfung, noch bin ich nicht nervös.

Ansonsten steht Weihnachten vor der Tür. Das 2. Mal ohne Job, mit kaum Geld. Immerhin bin ich mittlerweile übersiedelt, ich weiß immer noch nicht, wie ich das eigentlich geschafft habe. Hatte ich letztes Jahr im Dezember gar kein Einkommen aufgrund der AMS Sperre, hat sich das mittlerweile eingespielt. Allerdings gibt es immer wieder unangenehme Überraschungen. So auch heute. Es hätte die Überweisung der MA40 kommen sollen. Reduziert auf 182 Euro, weil der Vater der Kinder einen Termin versäumt hat. Aber immerhin. Nur, es wurde eben nichts überwiesen. Ein Jammer! Ich habe jetzt 30 Euro bis Freitag, für 4 Personen, das ist eher sehr mühsam. Ich schätze mein E-Mail von vorhin wird bis Freitag zumindest gelesen,….