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Straßenbahngeschichten

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Wien ist anders, so steht es schon an der Ortseinfahrt. Als Ureinwohnerin kann ich nur bestätigen, dass dieser fremdenverkehrstechnisch markige Spruch tatsächlich stimmt.

Oder ist bei Euch in der Gegend schon oft eine Straßenbahn gestohlen worden? Als ich die Nachricht das erste Mal gelesen habe, konnte ich es nicht glauben. Aber es war tatsächlich so. Als der Dienst habende Straßenbahnfahrer von seiner Pinkelpause zurückkommt, ist sein Zug weg. Der Dieb konnte nur durch Abschalten des Stromkreises 2 Haltestellen später gestoppt werden. Es war eine entlassener ehemaliger Fahrer, der sich nichts dabei dachte. Ja, so geht`s zu in Wien.

Da ich leider seit 3 Jahren kein Auto mehr habe, bin ich tagtäglich in den Öffis unterwegs und kann daher auf meinen Wegen durch die Stadt nicht über Langeweile klagen. Allerdings fände ich den größten Stau im eigenen Auto immer noch bequemer, als die täglichen Erlebnisse in der Straßenbahn.

Vor vielen Jahren als ich noch allein im 10. Bezirk gewohnt habe, musste ich auf dem Heimweg, täglich, gute 20 Minuten mit der Straßenbahn bis zur Endstation nachhause gefahren. Das war geradezu einladend für ein kleines Nickerchen zwischendurch. Immer wieder bin ich rechtzeitig vor der Endstation aufgewacht, aber einmal eben nicht. Der Zug hat sich geleert und ich war immer noch im Land der Träume. „ENDSTATION! AUSSTEIGEN!“ hat der Fahrer mir zärtlich ins Ohr gebrüllt und mein Herz hat bis zur Wohnungstür gebraucht um sich zu beruhigen.

Rebecca war ca. 3 Jahre alt, als wir in einer Straßenbahn eine voll verschleierte Frau (inkl. Handschuhe) gesehen haben, und sie lautstark gefragt hat:“ Mama, warum ist die Frau verkleidet?“

Diese Woche bin ich im Außendienst gegen 9:00 Uhr in eine Straßenbahn eingestiegen, die sehr voll war. Üblicherweise warte ich dann den nächsten Zug ab, aber zum Warten war mir zu kalt. Ich hatte nur meine Handtasche mit, kein schweres Gebäck, keine Kinder, nur ich, als mich eine junge Frau fragte:“ Möchten Sie sich setzen?“ Die Gefühle, die mich schlagartig getroffen haben, waren vielfältig:
Wie nett und höflich, dass es sowas noch gibt
OMG, bin ich echt schon sooo alt, dass ich das gefragt werde?
Oder schaue ich nur so aus?

Es war das erste Mal, dass ich aufgrund meines Alters gefragt wurde, ob ich mich setzen will und das, obwohl jeder sagt, dass mich die kurzen Haare viel jünger machen. Ich fürchte, ich werde mich daran gewöhnen müssen.

 

 

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